Freitag, 1. Februar 2019

Eine ganze Horde volljähriger Schotten

Für diesen Post, habe ich mich durch einige Standards probiert, die 18 Jahre alt sind, um einen kleinen Überblick zu bekommen. Sicherlich ist diese Liste alles andere als komplett. Es fehlen ein paar Ikonen wie z.B. der Highland Park 18, Glenfarclas 18 oder der Laphroaig 18. Das wird dann sicherlich eine zweite Runde in Zukunft geben ;)
Trotzdem ist hier sicherlich für alle was dabei.

Für die Label-Fotos vom Glendronach und Bowmore bedanke ich mich bei Peter vom sehr sympatischen YouTube-Channel "Whisky Turntable"!

Glenfiddich 18 Jahre, Original-Abfüllung (aus ca. 2012), 40%

Die Nase ist sehr edel und gesetzt. Kakaopulver und Mandeln. Dahinter dunkle saftige Beeren, Orangen und Trockenfrüchte. Geht teilweise in die Richtung eines alten Cognacs. Im Mund verblüffend intensiv und voll für nur 40%. Viel Bitterschokolade, deutliche Eichenwürze. Der Abgang ist mittel-lang und ebenso intensiv und würzig. Ein wirklich toller Whisky, auch wenn er gegen alle "Genießer-Regeln" verstößt mit 40%, Gefärbt und kühlgefiltert. Es wird mir sicher wie vielen gehen, wenn ich sage, dass ich genau den mal gerne mit 46% oder mehr probieren möchte.
★★★★★★ 6/10

Aberlour 18 Jahre, Original-Abfüllung, 43%

Hier ist die Nase deutlich fruchtiger, frischer und saurer, deutliche Weißweinnoten zusammen mit Gewürzen. Etwas Sojasoße. Insgesamt intensiver als der Glenfiddich, aber leider auf der sauren Seite, die mir persönlich bei Oloroso-Reifungen oft nicht so ganz zusagt. Im Mund dann sehr sauer. Zitronen und saurer Weißwein satt. Der Abgang zieht das dann weiter durch. Nicht meins, von daher sollte man meine Wertung mit Vorsicht genießen. Wenn jemand auf diesen sauren Sherry-Stil steht, wird den vermutlich lieben.
★★★
★★★ 3/10

Glenlivet 18 Jahre, Original-Abfüllung, 43%

Die Nase des Glenlivets ist ein Mittelweg zwischen dem Glenfiddich und dem Aberlour, dabei aber mehr bei Glenfiddich. Sowohl schwer mit Kakao und Nüssen als auch fruchtig-sauer mit Weißwein und ganz wenig Zitrus. Im direkten Vergleich finde ich die Nase etwas besser als die vom Glenfiddich. Im Mund malzig, fruchtig mit Trockenfrüchten, etwas Kakao, etwas Zitrus, etwas Weißwein. Der Abgang ist auf der cremig-süßen Seite, die ins Schokoladige geht. Der hier ist seidig, zugänglich und süffig, dabei aber noch relativ komplex.
★★★
★★★ 7/10

Glendronach 18 Jahre "Allardice", Original-Abfüllung, 46%

Nicht gefärbt, nicht kühlgefiltert, 46%, Glendronach-Qualität auf dem Papier. In der Nase merkt man sofort die Vollreifung in Oloroso-Fässern. Ich vermute mal stark europäische Eiche. Sehr voll und intensiv mit viel Lebkuchengewürz, Marzipan, Kakao, Leder, Sojasoße und Orange. Bisher gefällt mir dieser hier am besten! Wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, ist die Nase ähnlich dem El Dorado 21 Jahre (gesüßter Guyana-Rum). Habe leider kein Sample hier, um das zu überprüfen. Im Mund bleibt es herrlich. Voll, intensiv, würzig mit Eiche, Lakritz, herber Schokolade und den Weihnachtsgewürzen. Der Abgang ist dann mittel-lang und leicht trocken werdend. Am Ende des Abgangs bleibt eine schöne Lakritznote im Mund hängen. Das PLV ist für die aktuelle Entwicklung ziemlich gut finde ich. Bisher der komplexeste und würzigste.
★★★★★ 8/10

Tomatin 18 Jahre, Original-Abfüllung, 46%

In der Nase vorwiegend geröstete Haselnüsse und Honig. Dazu saftige Früchte wie Pflaumen. Im Hintergrund etwas Malz. Alles eher auf der zarten und milden Seite. Im Mund geht das dann so weiter, wobei hier der Honig das Sagen hat. Nach einer Weile im Mund kommt leider eine gewisse Säure dazu. Der Abgang ist eher kurz bis mittel-lang und süß-sauer. Ganz okay, ist aber nicht so ganz mein Fall, da zu mild und etwas zu sauer.
★★★★★★ 4/10

Craiggelachie 17 Jahre, Original-Abfüllung, 46%

Ja, ja, ich weiss, erst 17 Jahre! Aber was solls!? Der Junge wird sonst grantig im Sample-Schrank. Die Nase ist malzig mit Zitrus und ein paar hellen Früchten wie Birne und Apfel. Etwas salzig, säuerlich-schal. Da ist was komisches in der Nase, was mir nicht so zusagt. Sie ist frisch und zitrus-sauer und zugleich schal/muffig. Der Sherry-Fass-Anteil dürfte hier relativ niedrig sein, ist aber im Hintergrund zu spüren. Im Mund dann ölig. Der Sherry kommt stärker durch. Leider auch die Säure. Der Abgang wird von den sauren Noten dominiert. Daneben Malz und Salz. Hmm...trifft nicht meinen Geschmack. Wer saure und salzige Malts mag, wird den vermutlich sehr gern haben. Ich nicht.
★★★★★★ 3/10

Talisker 18 Jahre, Original-Abfüllung, 45,8%

In der Nase merkt man sofort, dass hier definitiv ein paar Sherry-Fässer mit im Spiel waren. Ich nehme mal an Oloroso. Süße, saftige helle Früchte wie Aprikose, Pfirsich und Mango. Leichter Rauch und eine maritime Note. Sehr gediegen, cremig und sanft. Könnte mehr Rauch sein. Im Mund cremig, fruchtig-süß, etwas Pfeffer und einen Hauch rauchiger. Der Abgang ist überraschend salzig und trocken, leicht astringierend. Am Ende des Abgangs kommt nochmal ein Schwall köstlichen Rauches hoch. Ein sehr zugänglicher, fast schon (zu) süffiger, rauchiger Whisky.
★★★★★★ 7/10

Caol Ila 18 Jahre, Original-Abfüllung, 43%

Etwas mehr Rauch in der Nase als der Talisker 18, aber deutlich weniger als der 12er von Caol Ila. Die Rauchnote ist eher aschig und medizinisch. Dahinter etwas helle Früchte, Malz und eine Prise Salz. Etwas weniger anschmiegsam und cremig wie der Talisker 18, was ich gut finde. Im Mund nimmt der Rauch (wie so oft) deutlich zu und wird medizinischer. Mir vielleicht einen Tick zu sehr in Richtung Heftpflaster. Daneben etwas Zitrus und Salz. Der Abgang ist mittel-lang und auf der rauchig-sauren Seite. Die Nase von dem hier und der Rest vom Talisker 18, das wär es!
★★★★★★ 7/10

Bowmore 18 Jahre "Deep & Complex", Original-Abfüllung, 43%

Hinweis: Das Label-Foto zeigt die alte Version des normalen 18er. Aber mit Bild ist halt schöner ;-)
Dieser hier lag in Oloroso- und in PX-Sherry-Fässern. In der Nase habe ich sofort einen sehr angenehmen leicht- bis mittelstarken speckigen Rauch. Dazu viel süße Schokolade, Orangenschale und Haselnüsse. Sehr sehr angenehm! Im Hintergrund eine leichte muffige Algennote, die aber angenehm ist. Ansonsten keine Herausforderung mit Ecken und Kanten. Eher was gemütliches und entspanntes. Im Mund dann deutlich rauchiger. Aber auch hier hilft Freund PX mit einer schokoladigen Süße! Der Abgang geht dann wieder etwas in die maritime Seetang-Richtung, natürlich auch umhüllt von Schokolade usw.. Wie bewertet man kritisch einen offensichtlichen Schmeichler, der auch einer sein sollte, der einem aber schmeckt? ;-)
★★★★★★ 7/10

Klarer "Sieger" war in diesem Set (welches ich über 3 Tage verteilt habe) der Glendronach 18! Das ist ein richtig guter, kräftiger und würziger Whisky mit allem was die (europäischen?) Oloroso-Sherry-Fässer zu bieten haben. Auch der Glenlivet 18 ist ein super Allrounder zu einem fairen Preis! Komplett abgeschlagen war der zu saure Craiggelachie 17 und überraschender Weise der Aberlour 18, den ja so viele Leute lieben. Das hat mich echt überrascht. Hatte ihn deshalb extra mehrmals an verschiedenen Tagen probiert.