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Freitag, 25. September 2020

Blended Whisky: 40yo Spica vs. 42yo Maltman

Heute geht es wieder nach Schottland mit zwei ziemlich alten Whiskies. Ja, ich schreibe nicht Malt, denn das sind die beiden nicht. Es handelt sich um "Blended Scotch Whisky", also Malt- und Grain-Whisky aus verschiedenen Destillerien, die miteinander vermählt wurden. Beide Abfüllungen schreien förmlich danach miteinander verglichen zu werden, sind sie doch beide fast gleich alt (40 und 42 Jahre), haben beide Ex-Bourbon- und Ex-Oloroso-Reifungen erfahren und sind in Fassstärke um die 45% herum abgefüllt. Blended Malts und Blended Whiskies sind eine schöne Möglichkeit sehr alte Malts/Whiskies zu probieren, da hier der Preis um ein vielfaches niedriger ist als es bei Single Malts der Fall ist. Nach 40 Jahren sollte der Brennereicharakter und vermutlich auch die Getreide- und Destillationsart eher weniger ins Gewicht fallen als sie es definitiv noch bei 20 Jahren tun. Aber genug zur Theorie, fangen wir an...
Spica Blended Scotch Whisky
1980/2020 40 Jahre
North Star, 44,8%,
Zu der genauen Zusammensetzung und dem Malt-Grain-Verhältnis wird nichts angegeben. Lediglich wird erwähnt, dass hier ein Ex-Bourbon- und ein Ex-Oloroso-Fass vermählt wurden.
NASE: Er wirkt gesetzt und verwoben und nicht unbedingt wie Whisky, was für sein hohes Alter spricht. Es könnte auch ein älterer Armagnac, Cognac oder Rum sein. Gleichzeitig wirkt er aber auch nicht super alt. Auf 40 Jahre hätte ich ihn blind nicht geschätzt. Vielleicht 25-30. Vanille, Marzipan, Honigwaben, Eichentöne, Orangenschale, Trockenfrüchte und eine schöne, fruchtige Traubensüße. Im Hintergrund ganz leicht etwas Schwefel. Ich finde die Nase nicht übermäßig intensiv, aber sehr angenehm, warm und weich (durch den Grainanteil?).

GAUMEN: Sehr cremig und leicht wässrig zu Beginn, dann zunehmend würziger und kribbelnder werdend. Neben einer Honig- und Traubensüße begleiten Schokolade, Kirschen und ordentlich Eiche den Geschmack. Pfeffer, Ingwer und Menthol machen sich breit.

ABGANG: Mehr Menthol und Ingwer. Hintenraus entwickelt sich eine leicht saure Zitrusnote mit etwas Getreide. Dann ist er aber schon recht schnell (für sein Alter) wieder weg.

KOMMENTAR: Das ist ein schöner und vor allem geschmeidiger Blend. Von den Socken hat er mich aber auch nicht gehauen. Dazu war er mir dann etwas zu zart und weich und das Alter kam bei mir nicht in dem erhofften Maße rüber.
85/100
The Maltman Blended Scotch Whisky
1976/2019 42 Jahre
Meadowside Blending, 46,2%,
Die Zusammensetzung ist hier so transparent auf dem Label aufgeschlüsselt wie es die Scotch Whisky Association noch gerade erlaubt. Oder geht das hier auch schon zu weit? Wie auch immer. Es wird angegeben, dass das Malt-Grain-Verhältnis 50:50 ist und dass die Malts von den Destillerien Ben Nevis, Clynelish, Teaninich, Macduff und Dailuaine und der Grain von Invergordon stammen. Die Vermählung fand 20 Jahre lang (!!) in einem Oloroso-Butt statt.
NASE: Auch hier gilt wie beim Vorgänger: Die Grenzen zwischen altem Whisky, Cognac, Armagnac und Rum verschwimmen hier. Die Aromen sind wieder sehr verwoben. Der Maltman ist dabei aber spürbar intensiver und dunkler mit viel Schokolade, kräftig gerösteten Nüssen aller Art, Honigwaben und Kaffee. Dazu schwere Datteln, Rosinen, Kirschlikör, Orangenöl und etwas Möbelpolitur. Ein malzig-getreidiger Unterton bleibt ihm dennoch erhalten, sodass ich ihn (mit dem Wissen was es ist) mehr als Whisky erkenne. Im Blindtasting wäre ich aber vermutlich eher bei Armagnac gelandet. Eine schöne und edle Nase, die mich ziemlich abholt. Das Gefühl von "Alter" kommt hier deutlich mehr auf.

GAUMEN: Auch cremig und tendenziell eher weich, aber wieder kräftiger und intensiver als der Spica. Dann baut sich aber recht schnell viel Eichenwürze mit Leder, Gewürzen wie Muskat, Pfeffer und Piment auf. Recht trocken.

ABGANG: Es bleibt eichenwürzig und leicht pfeffrig. Leder, Feigen und etwas Menthol. Ziemlich trocken.

KOMMENTAR: Nach der schönen und einlullend weichen Nase überrascht die doch teilweise schon recht heftige Eiche beim Trinken. Nach 42 Jahren ja auch eigentlich kein großes Wunder.
89/100
Ich fand die beiden Blends echt gelungen und sehr angenehm zu trinken und vor allem zu verriechen, aber man merkt es dann doch etwas, dass das hier "nur" Blends sind. Der neutrale Grain dürfte für die Weichheit sorgen und das Blenden an sich für ein harmonisches und irgendwo auch "langweiliges" Gesamtbild (Oh Mann, das soll eigentlich nicht so negativ klingen). Da kommt bei Single Malts viel mehr Charakter durch. Oder ist das das Alter? Aber ich muss an dieser Stelle auch gestehen, dass ich noch keinen so alten Single Malt getrunken habe.

Mittwoch, 2. September 2020

Talisker Blindtasting - Alt vs. Neu

Heute geht es mal wieder nach Schottland, genauer gesagt auf die Isle of Skye zu Talisker. Talisker gehört zu den Destillerien von denen ich die Standards (Storm, 10er, D.E., 18er, "57 North") recht gut kenne, aber ich noch nicht wirklich weiter ins Nerdige gegangen bin. Auch muss ich gestehen, dass ich meinen letzten Talisker vor ca. 1 Jahr getrunken habe. Das wird sich heute ändern ;-). Ich habe von einem Rum- und Whiskybuddy aus Stuttgart ein Talisker-Care-Paket geschickt bekommen mit der Bitte - nein, eigentlich war es eine Anweisung - ein großes Blindtasting zu machen. Gesagt getan! Der Begriff "Blindtasting" passt in diesem Fall nicht so richtig; eigentlich war es ein Semi-Blindtasting, da ich die Liste der Kandidaten kannte. Diese waren:
  • Talisker 10 abgefüllt Anfang der 1990er
  • Talisker 10 abgefüllt ca. 2018/2019
  • Talisker D.E. 1991/2002
  • Taslisker D.E. 2006/2016
  • Talisker 1982/2003 20 Jahre in Fasstärke
  • Talisker 25 Jahre abgefüllt ca. 2019
  • Talisker 8 Jahre Diageo Special 2018 in Fasstärke
  • Talisker 15 Jahre Diageo Special 2019 in Fasstärke
Ich habe also 3 recht alte Releases und 5 aktuelle vor mir. Es dürfte äußerst spannend werden. Um es auch für euch etwas spannender zu gestalten, kommen erstmal meine Notes und Wertung zu den Samples 1-8 und die Auflösung dann erst am Ende des Posts.
Blindsample #1
NASE: Zuerst recht mild, zurückhaltend und leicht alkoholisch. Ich denke den lasse ich nochmal etwas atmen... Er öffnet sich, explodiert hier aber nicht gerade aromentechnisch. Wirkt ziemlich "clean" und getreidig. Dazu Zitrus und maritimer Rauch. Je mehr ich daran rieche, desto mehr gefällt er mir in seiner puristischen Art. Klassischer "Whisky-Geruch". Ich hoffe, dass ist jetzt nicht der 20-jähre des Jahrgangs 1982 in Fasssstärke ;-)

GAUMEN: Sehr cremig, etwas sauer. Kraftvoll. Wieder viel Getreide, Zitrus und maritimer Rauch. Wieder recht clean und klassisch.

ABGANG: Leichter Zitrusanstieg, leichte Pfefferschärfe. Dann wieder Getreide und ein cremiges Ausklingen. Am Ende bleibt leichter Lagerfeuerrauch im Mundraum.

KOMMENTAR: Gefällt mir gut. Definitiv lecker. Ich würde hierfür aber nicht besonders viel Geld hinlegen. Auf Grund der fehlender Alkoholpower tippe ich hier auf den aktuellen Standard 10er.
85/100
Blindsample #2
NASE: Cremiger Eindruck. Milder Rauch mit maritimen Einschlag dazu etwas Honig und definitiv ein Sherryeinfluss mit Nüssen und etwas Trockenfrüchten. Kein Sherrybrett, sondern eher hintergründig. Ich würde ihn den aktuellen Abfüllungen zuordnen.

GAUMEN: Etwas wässriges Mundgefühl. Definitiv auf der eher sauren Seite. Dazu etwas Honig und minimal Rauch.

ABGANG: Kein Chili, sehr weich und wenig spektakulär.

KOMMENTAR: Hmm. Die Nase war noch echt gut, aber der Rest war recht langweilig oder bin ich mittlerweile versaut (oder verwöhnt - je nach Standpunkt) von brutal guten Rums in Fassstärke à la Caroni, Hampden oder Demerara?. Wegen des Sherries nehme ich an, dass es die Distillers Edition 2016 war.
82/100
Blindsample #3
NASE: Im Vergleich zu #2 ist der Rauch dezenter und hinterlässt "nur noch" einen maritimen und würzig-fleischigen Charakter und der Sherryeinfluss ist stärker. Leder, Liebstöckel, etwas Säure und Salz. Gefällt mir sehr gut!

GAUMEN: Etwas staubig und trockenes Mundgefühl, was ich irgendwie mit älteren Abfüllungen verbinde. Dazu ölig, auch wenn es sich komisch anhört. Dann Zitrus, etwas Getreide, etwas Salz und eine angenehme leichte Süße.

ABGANG: Schön und mundausfüllend. Lange bleiben alle Aromen noch im Mundraum und klingen langsam aus. Süß-sauer, leicht salzig. Dazu etwas Honig, Gewürze und vielleicht eine Rosine.

KOMMENTAR: Sehr voll. Es werden alle Geschmackssinne angesprochen. Ich schätze hier haben wir es mit dem 20-jährigen 19982/2003 zu tun.
90/100
Blindsample #4
NASE: Deutlich süßer als die Vorgänger. Bourbon-Süße, Zuckerwatte, Weingelee. Der Rauch ist erkennbar, aber die maritime Note wird durch die Süße überdeckt. Fällt komplett aus dem Raster der heutigen 8 Samples irgendwie. (Nach dem ersten Schluck kommt der Rauch mehr raus und es kommt eine Heu-Note dazu. Auch die Süße verschwindet etwas.)

GAUMEN: Sehr kraftvoll. Ich tippe hier auf eine Fasstärke. Salziger Lagerfeuerrauch, Getreide und Zitrus.

ABGANG: Beginnt Chili-scharf und wird dann etwas sauer und zunehmend trockener. Zitronen über Lagerfeuer geräuchert bleiben lange im Mundraum hängen.

KOMMENTAR: Ich tippe auf den 8er in Fasstärke, da er jung, kraftvoll und recht "simpel" wirkt.
87/100
Blindsample #5
NASE: "Old-bottle-flavour" mit muffigen Bücherkisten aus dem Keller. Gesetzte "old school" Sherrynoten im Hintergrund. Etwas Liebstöckel, Honig(waben), Trockenfrüchte. Der Rauch ist spürbar zurückgegangen (oder liegt das daran, dass sich meine Nase gewöhnt hat?) und der Malt wirkt insgesamt recht alt. Leichte Säure, leichte Salzigkeit. Eine echt sehr schöne Nase!

GAUMEN: Der Eindruck und die Aromen aus der Nase setzen sich hier ohne Überraschungen fort. Cremig-weiches Mundgefühl. Süß-sauer. Viel Sherryeindrücke ohne dass diese draufgeklatscht wirken.

ABGANG: Zu Beginn wieder Chili, dann leichte Säure und etwas Getreide und maritime Eindrücke. Der Hauptteil des Abgangs ist eher schneller weg. Was länger bleibt ist leckerer rauchiger Seetang.

KOMMENTAR: Das muss ein altes Bottling sein. Wegen des Sherries nehme ich an es ist die Distillers Edition 1991/2002. Sehr gelungen!
91/100
Blindsample #6
NASE: Im Gegensatz zu #5 ist der Charakter hier eher moderner. Der maritime Rauch ist deutlich stärker. Dazu viel Honig, Orangen und Nüsse. Sauer-süß. Eine schöne und aromatische Nase. Weder jungendhaft noch alt. Vielleicht der 15er aus 2019?

GAUMEN: Kraftvoll und ölig. Der Rauch zieht etwas an. Weiterhin Nüsse, leicht marzipanig und Orangen(schalen). Dazu Seetang und anderes maritimes.

ABGANG: Etwas kühlend mit Eukalyptus oder Minze. Dann sauer-süß, wobei süß spürbar stärker ist. Mittel-lang bis lang.

KOMMENTAR: Der ist definitiv mehr als solide. Aromatisch und kraftvoll. Ich tippe auf das Special Release 2019, den 15-jährigen.
88/100
Blindsample #7
NASE: Hier wieder gesetzter. Mehr Eiche. Marzipan mit Orangenschalen und Mangos. Der Rauch ist dezenter, aber verbindet sich perfekt mit dem Marzipan. Viel Meereseindrücke. Sehr schön! Sehr geschmeidig und gedieden.

GAUMEN: Kräftiger als gedacht. Ordentlich Eiche. Der Rauch nimmt zu. Bitter, sauer, salzig und süß. Alles mit an Bord.

ABGANG: Trocken, leicht bitter (Hier ist definitiv viel Eiche dabei.) und maritim.

KOMMENTAR: Sehr schön und elegant. Es kann eigentlich nur der 25er sein.
90/100
Blindsample #8
NASE: Zu Beginn etwas säuerlich. Irgendwas erinnert mich hier an Eukalyptus-Bonbons aus der Apotheke. Die Stärke des Rauches kann ich mittlerweile ehrlich gesagt nicht mehr so ganz einschätzen. Meine Nase nimmt den eh schon recht schwachen Talisker-Rauch jetzt kaum mehr wahr. Dennoch würde ich ihn auf Grund seiner salzig-maritimen Art niemals den nicht-rauchigen Whiskies zuordnen. Nach einer Weile geht die Eukalyptus-Note fast komplett zurück und es entwickelt sich eine recht würzig-fleischig-deftige Note. Dazu eine schöne Fruchtigkeit von hellen Früchten und etwas Nüsse und Honig. Sehr kraftvoll und aromatisch. Sehr schön!

GAUMEN: Sauer-süß zu Beginn, dann kribbelnd würzig, leicht scharf und dann immer süßer werdend.

ABGANG: Die Süße nimmt weiter zu. Cremig und ölig und trotzdem kraftvoll mit einer leichter Schärfe. Lange anhaltend mit würzig-deftigen Aromen.

KOMMENTAR: Sehr schön und robust. Die Eukalyptus-Note zu Beginn hatte mir erst nicht so gefallen, aber die würzigen Elemente, die dann das Ruder übernommen haben, waren richtig, richtig gut! Ich denke, dass es der 10er aus Anfang der 1990er ist.
90/100
Boah war das schwierig! Mein lieber Schwan! Zwischendurch war ich kurz komplett überfordert und habe den Überblick verloren. In einem Parallel-Tasting 8 Whiskies einer Destillerie zu vergleichen ist schon hart und eine echte Sinnesanstrengung, aber das Ganze auch noch halbblind zu machen ist echt heftig. So jetzt aber Trommelwirbel....trtrtrtrtrtr...die Auflösung (geordnet nach meiner Punktwertung):

  • Sample #5 - 91 Punkte (Talisker 10 Anfang der 1990er)
  • Sample #3 - 90 Punkte (Talisker 10 aktuell)
  • Sample #7 - 90 Punkte (Talisker 25 aktuell). Richtig erraten!
  • Sample #8 - 90 Punkte (Talisker 1982/2003)
  • Sample #6 - 88 Punkte (Talisker D.E. 1991/2002)
  • Sample #4 - 87 Punkte (Talisker 8 2018). Richtig erraten!
  • Sample #1 - 85 Punkte (Talisker 15 2019)
  • Sample #2 - 82 Punkte (Talisker D.E. 2006/2016). Richtig erraten!

Oh Mann, was für eine Überraschung! Der aktuelle 10-jährige hat 90 Punkte bekommen! Und dass der alte 10-jährige, der vermutlich auch ziemlich günstig war damals als Gewinner des Abends hervorging ist auch bemerkenswert. Insgesamt habe ich damit nur 3 von 8 möglichen Treffern erzielt. Es ist also noch Luft nach oben würde ich sagen, obwohl ich ehrlich sagen muss, dass mir kleinere Flights mehr Spaß machen.

Nachtrag:
Mit dem Wissen nach der Auflösung musste ich mir nochmal den aktuellen 10er eingießen. 90 Punkte für einen 30€-Whisky?!?! Jetzt würde ich ihm tatsächlich keine 90 Punkte mehr geben. Vielleicht eher 86-87, was aber für 30€ immernoch echt richtig, richtig gut ist! Oder ist das alles nur Psyche?

Mittwoch, 8. Juli 2020

Whic.de - "Amazing Whiskies" I und II


Zur Transparenz: Die Samples des heutigen Posts wurden mir von "whic (UG)" kostenfrei zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür an dieser Stelle; ich habe mich sehr gefreut! Es wurde aber seitens des Sponsors keinerlei Vorgaben gemacht wie, wann und ob ich das Material hier auf dem Blog bespreche. (Link zu whic.de)
Whic.de hat diesen Sommer eine neue Abfüllungsserie gestartet. "Amazing Whiskies" nennt sie sich und soll über die Länge von 30 Abfüllungen erscheinen. Die ersten beiden - die bereits erschienen sind - probiere ich heute. Das Design, welches im Superhelden-Comic-Vintage-Trash-Look gehalten ist, gefällt mir schonmal von allen Whic-Serien mit Abstand am besten.
Glenrothes 22 Jahre
Amazing Whiskies I
whic.de, 58,8%, Sherry-Butt
NASE: Gesetztes Sherrybrett. Pflaumenmarmelade, getrocknete Feigen, Rosinen, Kakao, geröstete Nüsse, Liebstöckel und Leder strömen warm, dunkel und süß-würzig aus dem Glas. Anfangs ein leichter Alkoholschleier, was bei knapp 60% nicht sonderlich verwundert. Mit etwas Wasser kommen Apfel- und Birnenschalen dazu.

GAUMEN: Kraftvoller Antritt, der etwas die Aromen überdeckt. Ich gebe etwas Wasser dazu: Besser. Deutlich cremiger mit Feigen, Rosinen, Malz und Leder. Nach ein paar Schlücken dominiert die Bitterkeit der Eiche und es spielen vermehrt die Gewürze des Abgangs mit rein.

ABGANG: Zuerst noch cremig und dann immer würziger, trocken und leicht bitter mit Kaffee, Leder, Muskat, Piment und Liebstöckel. Hier macht sich die Eiche sehr deutlich bemerkbar.

KOMMENTAR: Ein kraftvoller, aromatischer und auch fordernder Whisky. Ich muss ganz klar sagen: Hierfür muss man in der Stimmung sein. Ein großzügig eingeschenkter Dram könnte gegen Ende zu bitter werden.
86/100
Inchgower 21 Jahre
Amazing Whiskies II
whic.de, 59,3%, Sherry-Finish
NASE: Deutlicher Unterschied zum Glenrothes. Hier dominiert der Ex-Bourbon-Charakter der Hauptreifung. Gebackene Äpfel mit Karamell, Vanille und Zimt. Dazu Gebäcknoten. Das Sherry-Finish macht sich eher unterschwellig durch etwas Pflaumen, Trockenfrüchte und Nüsse bemerkbar. Auch eine sehr einladende und aromatische Nase! Empfinde ich in Anbetracht der vielen Sherryreifungen auf dem Markt als die spannendere und abwechslungsreichere. Auch hier habe ich anfangs einen leichten Alkoholschleier.

GAUMEN: Cremig, ölig, süß und intensiv. Ex-Bourbon ist weiterhin das Hauptthema. Die Noten der Nase werden hier fortgeführt, wenn auch nicht in vollem Umfang, was ja meistens der Fall ist. Sherry spielt hier wieder die zweite Geige, ist aber stellenweise etwas stärker als noch in der Nase.

ABGANG: Toffee, Erdnüsse und Zimt. Anfangs süß und dann eher trocken ausklingend. Hier habe ich teilweise das Gefühl ich hätte gerade einen Bourbon runtergeschluckt.

KOMMENTAR: Auf jeden Fall zugänglicher und süffiger als der Glenrothes, da dieser hier nicht so bitter ist. Eine schöne Abwechslung zu den vielen Sherrybomben zur Zeit. Qualitativ sehe ich aber beide gleichauf.
86/100

Donnerstag, 25. Juni 2020

5x Islay und Sherry (PC OLC:01, Askaig 08...)


Rauchige Islay-Malts in Kombination mit Sherryfässern sind generell sehr beliebt und gefallen auch mir sehr gut. Anlässlich des neues Port Charlotte OLC:01 und dem Port Askaig 2008 habe ich noch ein paar weitere Malts dieser Gattung aus meinem Sampleschrank gekramt, um diese besser einordnen zu können.
Port Askaig 2008/2019
Port Askaig, 53,4%, Sherry-Butt-Vollreifung
Wie üblich bei den Abfüllungen von Port Askaig ist die genaue Islay-Destillerie nicht bekannt.
NASE: Der Rauch ist maximal mittel-stark. Dominant sind für mich saure, weinige Noten mit ein wenig Schwefel. Die Sherryart wird nicht genannt, aber ich bin mir extrem sicher, dass es kein Oloroso war. PX schon gar nicht. Ich denke da eher an Fino oder Manzanilla, da - wie schon erwähnt - die sauren Noten sehr präsent sind. Wein, Orangensaft, Johannesbeeren. Ich bin leider kein großer Freund dieser Art Sherryreifungen und deshalb geht für mich der Rauch etwas unter, da ich mit der Säure etwas zu "kämpfen" habe. Das dürfte hier eher ein persönliches Problem sein.

GAUMEN: Ölig, intensiv und kräftig (wann schreibe ich eigentlich mal was anderes?!). Die Säure lässt etwas nach und eine deutlich Süße sowie der Rauch kommen stärker durch.

ABGANG: Cremig. Leder, Würze, Säure und etwas Salz. Die Süße von Rosinen bleibt ölig im Mundraum. Dazu etwas Rauch hintenraus.

KOMMENTAR: Definitiv ein sehr gut gemachter Single Malt, aber der Sherry-Style ist nicht mein Beuteschema. Dennoch...
82/100
Port Charlotte OLC:01 2010 9 Jahre
Original, 55,1%,
Wie für Bruichladdich üblich ist alles sehr transparent aufgeschlüsselt. Schottische Gerste, 30% first-fill Bourbon, 40% second-fill Bourbon, 25% Süßwein und 5% Rotweinfässer (Syrah). Die Vermählung dauert 18 Monate und fand in Oloroso-Hogsheads statt. Daher OLC.
NASE: Deutlich stärkerer Rauch als beim Askaig. Schinken, Lagerfeuer, etwas Seetang. Dazu Trockenfrüchte, Nüsse, Kakao, Orangenschale, Mandarinen und eine Spur Leder/Tabak. Sehr schöne und intensives Bouquet. Trifft meinen Rauch- und Sherrygeschmack. Er wirkt auf jeden Fall älter als 9 Jahre und geht sogar teilweise in die Richtung "edel/gediegen".

GAUMEN: Ölig-süß und rußig. Rosinen, Nüsse, Kakao, Seetang und speckiger Rauch. Eine leichte Ingwer-Schärfe bei größeren Schlücken kommt auf.

ABGANG: Die ölige Rosinensüße wird langsam trockener (Asche, Kaffee, Kakao). Dazu maritime Noten mit Salz und wieder Seetang.

KOMMENTAR: Der gefällt mir sehr gut! Tolle Nase! Süffig, aber trotzdem komplex. Ein tolles Beispiel, dass auch eine Mischung aus unterschiedlichsten Fasstypen gut funktionieren kann.
89/100
Ardbeg Uigeadail
Original, 54,2%,
Einer der absoluten Klassiker von Ardbeg. Mehr muss glaub ich nicht mehr gesagt werden.
NASE: Schön, definitiv. Aber deutlich simpler jetzt im direkten Vergleich mit dem OLC:01. Süßlicher, zitrusfruchtiger (Zitrone bis hin zu Orange) Ardbeg-Rauch. Dazu Seetang, etwas Gebäck mit Rosinen, Schokolade und Nüssen.

GAUMEN: Deutlich maritimer, rauchiger Antritt, den man anhand der Nase nicht unbedingt erwartet hätte. Dann ölig, süß und nussig.

ABGANG: Mehr Süße. Sehr cremig. Verbrannter Seetang mit Schokolade und Rosinen kriecht den Rachen hoch.

KOMMENTAR: Sehr gutes PLV. Gegen den OLC:01 hat er aber rein wertungstechnisch keine Chance.
86/100
Peat & Sherry (Blended Malt)
Elements of Islay, 58,2%, Exclusive for Germany
Eine der großen Hype-Flaschen vor ein paar Monaten. Islay und dunkle Sherry-Suppe. Mehr muss man nicht sagen glaub ich ;-).
NASE: Lagerfeuerrauch mit etwas nassem Seetang und Teer. Und dann wie der Name schon vermuten lässt: Sherry! Viel davon. Trockenfrüchte aller Art (besonders Rosinen). Schokolade, Nüse und würzige Elemente wie Sojasoße, Liebstöckel und Leder. Das volle Programm. Eine schöne, volle und verführerische Nase, das muss man schon zugeben. Aber eben auch etwas "obszön", wenn man z.B. wieder den deutlich eleganteren OLC:01 im Vergleich sieht.

GAUMEN: Süß, ölig, teerig. Süffig! Rosinen, Schokolade, speckiger, teeriger Rauch.

ABGANG: Fast schon eine klebrige Rosinensüße mit Schokolade. Dazu wird es etwas aschig und maritim mit Seetang.

KOMMENTAR: Gefährlich süffig! Wäre der starke Rauch aber nicht, würde es aber schnell in Richtung junge, austauschbare Sherrybombe abrutschen. Der Ausgabepreis von ca. 80€ (?) für 0,5l war auf jeden Fall zu hoch.
86/100
Bowmore Devil's Cask III
Original, 56,7%,
Was wäre schon eine Islay-Sherry-Session ohne Bowmore?! Für den letzten Teil dieser Serie wurden first-fill Oloroso- und first-fill PX-Fässer vermählt, ohne Altersangabe und in Fasstärke abgefüllt.
NASE: Schwer, voll und dunkel kriechen die Aromen aus dem Glas. Rosinen, Aprikosen, Mangos, Orangenöl, Pflaumenmarmelade, geröstete Nüsse und schwelender, teeriger, motoröliger Rauch, der das Ganze untermalt. Auch herbere Noten wie Kaffe und Leder sind dezent vorhanden. Mit etwas Wasser verschwindet ein ganz leichter Alkoholstich und der Rauch kommt etwas mehr nach vorne mit maritimen Eindrücken. Eine wirklich schöne und betörende Nase! Sehr warm und dunkel.

GAUMEN: Intensiv und kräftig, mundausfüllend. Zuerst Rauch mit Teer und etwas Seetang, dann Trockenfrüchte, dunkle Marmelade, Kaffee und Tabak. Teilweise pfeffrig-scharf.

ABGANG: Hier wird der Rauch am stärksten. Maritime Assoziationen, Motoröl im Hafenbecken, Kaffee. Hintenraus eine deutliche Eichenwürze, leicht astringierend.

KOMMENTAR: Ein toller, intensiver und vor allem dunkler und warmer Malt. Teilweise erinnert mich das Profil an Rums von Caroni durch den Teer, das Motoröl und die Mangos und das Orangenöl.
91/100
Islayrauch mit Sherry macht einfach Spaß und kann eine absolu göttliche Kombination sein!

Montag, 1. Juni 2020

3 neue Whic.de - Landscape of Taste


Zur Transparenz: Die Samples des heutigen Posts wurden mir von "whic (UG)" kostenfrei zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür an dieser Stelle; ich habe mich sehr gefreut! Es wurde aber seitens des Sponsors keinerlei Vorgaben gemacht wie, wann und ob ich das Material hier auf dem Blog bespreche. (Link zu whic.de)

Es gibt oder (bis auf den Tobermory) es gab, muss man schon wieder sagen 3 neue Abfüllungen von whic.de in der Serie "Landscape of Taste". Pulteney, Ardmore und Tobermory stehen heute auf dem Programm und ich muss gestehen, dass ich zwar schon aus jeder dieser Destillerien was im Glas hatte, aber weit davon entfernt bin, ein Kenner zu sein.
Pulteney 11 Jahre
whic.de, 56,5%, Sherry-Finish
NASE: Warmer Grundcharakter. Etwas verschlossen mit einem leichten Alkoholstich. Viel Vanille, Toffeee, Nüsse. Dazu etwas Leder und Trockenfrüchte. Ich tippe hier auf ein Oloroso-Finish. Mit ein paar Tropfen Wasser verschwindet zwar der Alkoholstich, aber das Verschlossene bleibt dennoch größtenteils.

GAUMEN: Cremig, ölig und süß (Toffee). Teils schweres Mundgefühl mit Leder und Liebstöckel aus dem Sherry.

ABGANG: Liebstöckel, Leder, Nüsse. Wieder die cremige Süße. Dazu etwas Salz.

KOMMENTAR: Das Sherry-Finish hat hier definitiv seine Spuren hinterlassen, ohne eine reine Sherry-Bombe daraus zu machen. Hängt zwischen den Welten. Für mich als Schnüffler konnte die Verschlossenheit (auch mit Wasser und Zeit) nicht so ganz punkten.
80/100
Ardmore 10 Jahre
whic.de, 46%, Reifung in einem ex-Bourbon-ex-Islay-Fass
NASE: Süßer, milder Rauch. Zitronen und Quittengelee mit zarter Vanille und etwas Keksen. Eine sehr angenehme Nase. Der Rauch ist dezent und eher maritim.

GAUMEN: Süß und "geleeartig". Deutliche Zitrusnote mit Getreide. Der Rauch ist sehr weit im Hintergrund. Die 46% sind ok und machen das Ganze entspannt, aber weniger wäre nicht drinnen.

ABGANG: Der Raucheindruck wird wieder etwas stärker. Süße verdrängt wieder die Zitrusnote etwas. Am Ende bleibt Getreide.

KOMMENTAR: Der dürfte bei vielen als Sommerwhisky gut ankommen. Süße, Zitrus, Getreide, zarte Vanille und einen Hauch von Rauch. Alles recht geschmeidig und eher zart.
83/100
Tobermory 9 Jahre
whic.de, 65,3%, Sherry-Vollreifung
NASE: Der Alkohol zwickt etwas, was aber bei 65% überhaupt nicht überraschend ist. Der Sherry ist sofort präsent und deutlich zu erkennen. Ich würde hier auf einen Fino oder Amontillado tippen. Trocken, salzig, leicht säuerlich und "weinig". Zitronen, Orangen, etwas dunkle Beeren. Dahinter roher Keksteig. Etwas Wasser lässt die Alkoholnote verschwinden und die Früchte (vor allen Orange) etwas stärker werden. Eine schöne Nase, die mir heute von den dreien am besten gefällt.

GAUMEN: Kraftvol und ölig. Wieder Orangen, Zitronen, Leder und Salz, Leichte Nussnoten kommen dazu.

ABGANG: Zusätzlicher kleiner Säurekick, Gewürze und Leder. Eher etwas kurz geraten und mir persönlich etwas zu sauer.

KOMMENTAR: Mein Favorit des Abends und auch noch verfügbar. Gerade die Orangen im Bouquet haben mir sehr gut gefallen.
85/100

Mittwoch, 15. April 2020

3 junge, rauchige Bunnahabhains


Zur Transparenz: Das Sample des 5-jährigen "The war of the Peat" sowie die Schottland-Destillerie-Karte des heutigen Posts wurden mir von "whic (UG)" kostenfrei zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür an dieser Stelle; ich habe mich sehr gefreut! Es wurde aber seitens des Sponsors keinerlei Vorgaben gemacht wie, wann und ob ich das Material hier auf dem Blog bespreche. (Link zu whic.de)

Nach einer längereren Pause in der Serie "The War of the Peat" von whic.de geht es rauchig weiter mit einem 5-jährigen Bunnahabhain von Islay. Um ihn besser einordnen zu können, habe ich zwei alterslose (und vermutlich auch sehr junge) "Bunnas" aus meinem Sampleschrank rausgesucht...
Bunnahabhain Mòine
Original, 46,3%,
Reifung in ex-Bourbon-, ex-Sherry und ex-Rotwein-Fässern.
NASE: Trotz der 3-fach-Reifung recht simpel und jugendhaft. Vegetaler Rauch (nasses Gras und Heu), Zitrus, leichte Sherry- und Rotweinanklänge im Hintergrund.

GAUMEN: Der Rauch wird stärker und etwas rußiger. Ansonsten süß-sauer mit einem eher leichten und wässrigen Mundgefühl.

ABGANG: Wird öliger und deutlich süßer. Der Rauch blitzt kurz leicht aschig auf und wird dann von der Süße verdrängt.

KOMMENTAR: Kann man definitiv trinken, muss aber auch nicht unbedingt sein ;-).
75/100
Bunnahabhain
Toiteach A Dhà
Original, 46,3%,
Reifung in ex-Bourbon-, ex-Sherry-Fässern.
NASE: Der Sherryeinfluss ist deutlich spürbar mit Nüssen, Nougat, Liebstöckel und Rosinen. Dahinter liegt eine maritim-vegetale Rauchigkeit. Die Kombination aus Sherry und Rauch switcht ab und an in Richtung Gummi. Klingt vielleicht sonderbar, aber das hatte ich schon öfters.

GAUMEN: Kräftiger, würziger und etwas intensiver als der Mòine. Insgesamt spiegeln sich 1:1 die Eindrücke aus der Nase wieder.

ABGANG: Zuerst nussig-süß (Nougat), dann wird der Rauch doch zunehmend stärker und es wird leicht astringierend.

KOMMENTAR: Gefällt mir deutlich besser als der Mòine und ist auch ein gutes Stück süffiger.
80/100
Bunnahabhain Staoisha 2014/2020 5 Jahre
"The War of the Peat III"
whic.de, 60,4%,
Reifung in einem Hogshead, das zuvor erneut ausgebrannt wurde. Abgefüllt wurden 295 Flaschen.
NASE: Spürbarer Rauch, aber keine Rauchbombe. Der Rauch geht wie bei den Vorgängern in eine vegetale, maritime Richtung mit Seetang und nassem Heu. Nicht medizinisch oder teerig. Dann Karamell, Vanille, Marzipan, Nougat und reife Birnen. Der Alkohol ist anfangs leicht zu spüren, aber das verfliegt mit etwas Atmen. Deutlich reifer, voller und komplexer als die beiden Vorgänger.

GAUMEN: Kräftig. Öliges und süßes Mundgefühl. Marzipan, süß-reife Birnen, Kekse und ein schöner würzig-vegetaler Rauch. Der Whisky drückt zwar ordentlich auf die Zunge, aber es wird nicht unangenehm. Der Alkohol ist sehr gut eingebunden.

ABGANG: Der Rauch wird etwas aschiger, während die Süße und Öligkeit bleiben.

KOMMENTAR: Ein Tropfen Wasser tut dem ganz gut. Die Nase öffnet sich etwas mehr und am Gaumen und im Abgang wird der Druck etwas genommen. Es entsteht ein cremig-süßes Mundgefühl mit viel Marzipan-Nougat. Echt gefährlich lecker!
86/100

Freitag, 6. März 2020

Glengoyne 12 Jahre und "Secret Speyside" 14 Jahre von whic.de


Zur Transparenz: Die Samples des heutigen Posts wurden mir von "whic (UG)" kostenfrei zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür an dieser Stelle; ich habe mich sehr gefreut! Es wurde aber seitens des Sponsors keinerlei Vorgaben gemacht wie, wann und ob ich diese Samples hier auf dem Blog bespreche. (Link zu whic.de)

Diesmal widme ich mich recht neuen Abfüllungen von whic.de. Nämlich einem Glengoyne aus der "Landscape of Taste"-Serie und einer weitere "Nymphe", dem Secret Speyside, der auch das Ende der 2. Auflage der "Nymphs of Whisky" darstellt.
"Landscape of Taste" Glengoyne 12 Jahre
whic.de, 58%,
Bei dieser Abfüllung handelt es sich um ein (ex-Bourbon?-Hogshead)-Fassanteil, das nur 94 Flaschen ergab.
NASE:Recht verschlossen zu Beginn. Zeit zum Atmen und ein paar Tröpfchen Wasser helfen da etwas. Der Charakter ist sehr ölig. Birnen-/Apfelkuchen mit Vanille mit leicht säuerlichen Anflügen von Zitrone. Ich empfinde das Aroma trotz Zeit und Wasser dennoch als eher zurückhaltend. Das ist so ein Whisky, der einem jetzt nicht aus dem Glas heraus anspringt.

GAUMEN:Kraftvoll, süß und wieder sehr ölig. Der Alkohol ist perfekt eingebunden. Wieder habe ich Birnen, Äpfel und Kuchen/Gebäck.

ABGANG:kurz bis mittel-lang. Anfangs sehr aufbäumend, dann süß-sauer und durchaus "weich" ausklingend. Eine neue Dimension bekomme ich allerdings nicht.

KOMMENTAR:Der Whisky ist auf jeden Fall lecker, da gibt es keinen Zweifeln. Am Ende ist er mir aber dennoch eine Spur zu "still". Ich bin eher ein Schnüffler als ein "Trinker" und in der Nase ist eher weniger Power meiner Meinung nach.
83/100
"Nymphs of Whisky" Secret Speyside 14 Jahre
whic.de, 64,1%, 2005/2019
Hier haben wir es mit einer 14-jährigen Sherry-Vollreifung zu tun. Die Sherryart wird nicht genannt sowie die Speyside-Destillerie, die dahinter steckt. Bei "Secret Speyside" ist auf jeden Fall bei vielen Leuten der "Macallan"-Trigger angesprungen, denke ich mal ;-).
NASE:Sehr, sehr viel Sherry. Das war auf jeden Fall ein aktives Fass mit ordentlich Sherry in den Poren. Ich tippe auf Oloroso. Ich bekomme Liebstöckel, Nüsse, getrocknete Aprikosen, Rosinen, Pflaumen, "säuerliches" Leder, Tabak. Dazu Sojasoße, Pilze und deftige Gewürze aller Art. Komplettes Kontrastprogramm zum sehr cleanen Glengoyne. Man kann auf jeden Fall hier schonmal sagen, dass man Sherry-Reifungen definitiv mögen muss ;-). Mir persönlich eine Spur zu viel Sherry, aber man darf den jetzt hier aber auch nicht mit den ganz jungen Sherrybomben in einen Topf werfen. Die 14 Jahre merkt man ihm schon sehr positiv an.

GAUMEN:Süß-sauer und intensiv. Der Alkohol ist perfekt eingebunden, was bei den 64% echt gefährlich ist ;-) Die Eindrücke aus der Nase setzen sich ungehindert fort.

ABGANG:Mittel-lang mit Liebstöckel, Gewürzen und Rosinen. Hier auch wieder süß und sauer.

KOMMENTAR:Wie bereits schon erwähnt, sind diese sehr heftigen, Sherry-lastigen Whiskies nicht zu 100% mein Fall, von daher sollte man bei der Wertung etwas dazu addieren, wenn man der Sherry-Typ ist.
86/100

Freitag, 14. Februar 2020

Clynelish, die vierte


Das vierte und vorerst letzte Mal geht es in die Highlangs zu Clynelish. Meine Samples hiervon sind dann fürs erste erschöpft. Bisher war Clynelish immer eine sichere Bank!

Donnerstag, 6. Februar 2020

4x NAS-Laphroaigs


Nachdem ich hier ein paar alte Laphis mit Altersangabe probiert habe, kommen heute welche dran ohne eine solche...

Freitag, 10. Januar 2020

4 ältere Laphroaigs (25 y.o., 18 y.o., 16 y.o. "Amazon")


Wer diesen Blog regelmäßig verfolgt, dem wird auffallen, dass es hier zur Zeit rund um Whisky sehr ruhig ist. Ich muss ganz einfach sagen, dass ich Rum zur Zeit viel spannender finde und gerade "Caroni" hat mir ganz schön die Lust auf anderes versaut ;-)
Dennoch "zwinge" ich mich mal wieder ein paar Single Malts zu trinken. Und sooo furchtbar ist das heutige Line-Up ja auch nicht gerade ;-)

Montag, 30. Dezember 2019

Etwas Glenfarclas zur Weihnachtszeit


In der dunklen Zeit des Jahres passen Sherry-Malts, so wie Glenfarclas sehr gut. Das sind die ersten Glenfarclas' (oder liebevoll "Ferkel" genannt) auf meinem Blog! Ich muss an dieser Stelle auch gestehen, dass ich bisher nur den Standard-12er und -25er getrunken habe. Ich bin also alles andere als ein "Ferkel"-Experte, der jetzt hier große Vergleiche zu diversen Jahrgängen ziehen kann.

Glenfarclas 21 Jahre, Original-Abfüllung (2019), 43%

Reine ex-Oloroso-Sherry-Reifung. Nase: Alles andere als ein Sherrymonster. Cremig, malzig, leicht nussig, Äpfel, Vanille, Karamell, etwas Honig und Zitrus. Angenehme, aber auch nicht sonderlich alt-wirkende Nase. Könnte auch "nur" 18 Jahre alt sein. Gaumen: Für 43% ziemlich intensiv. Cremig, malzig und nussig. Leichte Säure. Abgang: Wieder cremig mit Milchkaffe und leichter Kakaonote. Dazu Malz und etwas Frucht.

Kommentar: Sicherlich nicht der beste Standard-21er, den man bekommen kann, aber definitiv einer, wenn nicht der günstigste mit einem sehr guten PLV. Allerdings muss ich sagen, würde ich empfehlen hier lieber 20-30€ draufzulegen und den 25er zu kaufen (s. weiter unten). 84 Punkte

Glenfarclas 21 Jahre, Original-Abfüllung (ca. 2005), 43%

Reine ex-Oloroso-Sherry-Reifung. Schaut man sich das Flaschen- und Labeldesign an, müsste diese Abfüllung vor ca. 2006 stammen. Was schon in der Sampleflasche auffällt: Die Farbe. Mindestens 2-3 Farbnuancen dunkler. Nase: Das gleiche erzählt auch die Nase. Dunkel. Old-School-Sherry mit viel Liebstöckel. Leder, Kaffe, Kakao, schwarzer Tee, Walnüsse. Leicht säuerlich mit minimal Schwefel. Das ist definitiv eine andere Liga als die aktuelle Version. Gaumen: Muffiger Eindruck. Leder, Pilze, Kaffee und leichter (noch gerade so okayer) Schwefel dominieren hier für mich. Abgang: Muffiges Leder und Pilze werden stärker. Das wird mir jetzt hier etwas zu muffig und dumpf.

Kommentar: Die Nase hat mir noch gut gefallen. Der Rest war mir zu sherrylastig. Definitv kein "easy"-Dram. Diesen krassen (Old-School)-Sherryeinfluss muss man mögen. Bei Michel Couvreur Overaged ist das bei mir auch der Fall, hier eher nicht. 80 Punkte

Glenfarclas 25 Jahre, Original-Abfüllung, 43%

Reine ex-Oloroso-Sherry-Reifung. Nase: Sehr gediegen und gesetzt. Geröstete Haselnüsse, Vanille, Karamell, Vollmilchschokolade, Honig, etwas Rosinen und florale Noten. Sehr schön!. Gaumen: Cremig und süß. Voll und intensiv für nur 43%. Weiterhin geröstete Nüsse, Karamell, Vanille und Vollmilchschokolade. Eine angenehme Eichenwürze macht sich im Mund breit. Abgang: Leicht kribbelig von der Eiche. Trotzdem süß-cremig mit Honig, Karamell und Milchkaffee.

Kommentar: Für ca. 100€ bekommt man hier einen sehr edlen und reifen 25-jährigen Malt. Das gibt es in der heutigen Zeit nicht mehr oft. Zum Vergleich: Andere, vergleichbare, 25er liegen da eher bei 200-300€.  89 Punkte


Glenfarclas 1991 Christmas-Edition 24 Jahre, Original-Abfüllung, 46%

Reine ex-Oloroso-Sherry-Reifung. Nase: Säuerlicher Grundcharakter. Wenig Gemeinsamkeiten mit den Vorgängern (und mit den Folgenden). Zitrone, Malz, Pilze. Dahinter etwas Vanille und Karamell, Leder und etwas Schwefel. Nicht undedingt mein Beuteschema, aber auch nicht unangenehm. Gaumen: Gleiches Aromenspektrum wie in der Nase, allerdings weniger sauer und ein stückweit cremiger. Abgang: Die Cremigkeit nimmt weiter zu. Ansonsten nicht neues. Am Ende des Abgangs bleibt ein etwas komisches, abgestandenes Mundgefühl.

Kommentar: Nicht mein Fall. Zu sauer und zu "hell". Da reicht mir definitiv ein Dram.
75 Punkte



Glenfarclas Family Cask 2002/2018 16 Jahre, Original-Abfüllung, 57.8%

Einzelfaßabfüllung aus einem Sherry-Butt. Nase: Dunkel, reichhaltig, würzig und süß. Geröstete Haselnüsse, Eiche, Rosinen und andere Trockenfrüchte. Dahinter eine Deftigkeit, die an Braten- oder Sojasoße erinnert. Dieser süß-deftige Mix ist sehr angenehm. Gaumen: Spiegelt mehr oder weniger die Nase 1:1 wieder, wobei der Fokus mehr auf den Nüssen und Rosinen liegt. Sehr mundausfüllend, ölig und intensiv. Abgang: Kraftvoll. Hier spielen sich die deftigen Noten wieder deutlich nach vorne. Der restliche Charakter bleibt gleicht.

Kommentar: Ein schöner intensiver, aber nicht zu junger Oloroso-gereifter Malt. Große Ecken und Kanten findet man nicht. Er liefert genau das ab, was ich anhand des Labels vermutet habe. 85 Punkte

Glenfarclas 1990 "Thomas Carlyle" 27 Jahre, Original-Abfüllung, 46%

Reine ex-Sherry-Reifung. Welche Art wird nicht genannt. Ich gehe aber mal von hauptsächlich Oloroso aus. Diese Abfüllung ist die 21ste aus der sogenannten "Persönlichkeiten-Serie", die sich wichtigen schottischen Persönlichkeiten der Vergangenheit widmet. Nase: Erinnert vom Grundstil sofort an den Standard-25er, nur deutlich voller, reifer und intensiver. Deutlich fruchtiger mit Orangenschale. Eine tolle Nase! Gaumen: Sehr cremig und mundausfüllend, geröstete Nüsse und Vollmilchschokolade mit Orangenschale satt. Dazu Malz und Eichenwürze. Abgang: Die Eichenwürze nimmt zu. Es wird minimal kribbeliger von der Eiche. Ansosnten cremig, süß, reif. Mandeln, Haselnüsse, Vollmilchschokolade, Milchkaffe.

Kommentar: Der beste des heutigen Posts. Eine deutlich Steigerung zum 25er. 91 Punkte


Mein heutiges Ranking:
1. "Thomas Carlyle" 1990 27 Jahre
2. Standard-25er
3. Family Cask 2002/2018
4. 21er aus 2019
5. 21er aus ca. 2005
6. Christmas-Edition 1991 24 Jahre

Freitag, 4. Oktober 2019

...und noch mehr Clynelish


Die Single Malts von Clynelish gefallen mir richtig gut. Wie in meinem letzten Clynelish-Post angekündigt, habe ich mir ein Sample vom Standard 14er besorgt, um den hier endlich mal "abzuhaken". Dazu gibt es zwei andere 46%ige (Single Cask-) Abfüllungen.

Montag, 2. September 2019

Arran "Master of Distilling" I vs. II

Ich muss gestehen, dass ich bisher kein großer Arran-Fan war. Die Standard-Abfüllungen mit 14 und 18 Jahren fand ich ok, aber auch etwas "langweilig" und zu mild/gefällig. Da aber die 10-jährige Sonderabfüllung zu Ehren James MacTaggerts sehr gute Kritiken bekam, habe ich die Gelegenheit einer Flaschenteilung genutzt, um hier beide Sonderabfüllungen miteinander zu vergleichen.

Nebenbei: Das Design dieser beiden Sonderabfüllungen, besonders der 12-jährigen im James-Bond-Look, empfinde ich persönlich als nicht gelungen. Aber das soll uns heute nicht weiter interessieren...

Arran 10 Jahre 2007 Master of Distilling I, Original-Abfüllung, 54.2%

Reine Reifung in first-fill ex-Bourbon-Barrels aus 2007. In der Nase heller Honig, cremige Vanille, Gebäck, florale Noten (Flieder?) und etwas Marzipan. Es macht Spaß daran zu riechen, da hier ein cleanes, kräftiges ex-Bourbon-Profil geboten wird. Allerdings ist die Nase jetzt nach 10 Jahren auch nicht sonderlich komplex und tief. Im Mund sehr kräftig mit Zitrone, Vanille und Gebäck. Es fehlt ihm leider etwas an Öligkeit und Süße im Mund, so dass die Fassstärke deutlich zu spüren ist. Der Abgang ist überraschend scharf mit Ingwer und Pfeffer und wird zunehmend saurer. Ich muss ganz klar sagen, dass mir der Laddie Ten mit 50% (der auch rein ex-Bourbon ist) besser gefallen hat. 84 Punkte

Arran 12 Jahre 2006 Master of Distilling II, Original-Abfüllung, 51.8%

Diese Edition wurde in spanischen Palo-Cortado-Fässern nachgereift. Palo Cortado ist eine Zwischenform zwischen einem Fino (mit Flohefeschicht) und einem Oloroso, der oxidativ reifte. Die paar Fino-Sherries, die ich bereits probiert hatte, waren nicht mein Fall. Ich bin deshalb auf diese Aubfüllung gespannt... Wie ich befürchtet hatte hat das Finish hier seinen Stempel aufgedrückt. Säuerliche, „hefige“ und „pilzige“ Aromen dominieren hier die Nase. Dahinter schwächer die klassischen Whiskyaromen. Wem Fino-artige Sherries gefallen, wird sich hier sicherlich wiederfinden. Im Mund schiebt sich dann zuerst der eigentliche Whisky wieder nach vorne, wird aber schnell vom Palo Cortado eingeholt. Der Abgang wird wieder konplett vom Sherry dominiert und ist recht sauer, weinig und „hefig“. Ich hätte mir lieber als zweite Sonderabfüllung eine Vollreifung in refill-Oloroso-Fässern gewünscht, aber ich vermute stark, dass diese Abfüllung erst nach dem Erfolg der ersten geplant wurde und man eher zügig ein Finish gewählt hat. Die Wertung ist mit Vorsicht zu genießen, da ich prinzipiell mit Finos meine Schwierigkeiten habe! 78 Punkte

Montag, 19. August 2019

Weitere Whiskies von Clynelish


Die Auswahl der Abfüllungen für diesen Post ist mehr oder weniger z1ufällig. Es ging mir dabei lediglich darum jung, alt und ex-Bourbon und ex-Sherry zu mischen, damit es spannend bleibt. Ich hatte versucht ein Sample des 14-jährigen Standards zu besorgen, aber leider hat der Maxibrief es nie zu mir geschaft! Für meinen nächsten Clynelish-Post möchte ich dies nachholen. Anfang September werde ich auf der Whisky-Herbst-Messe (Berlin) sein und mir ein 2cl-Fläschen am Diageo-Stand abfüllen lassen. Hier hatte ich bereits 3 Abfüllungen von Clynelish probiert.

Clynelish 9 Jahre 2008/2017, ex-Bourbon-Barrel, The Whisky Cask, 54.3%

Hierbei handelt es sich um eine Einzelfassabfüllung eines ex-Bourbon-Barrels eines deutschen Abfüllers, dessen Rum-Abfüllungen unter dem Namen "The Rum Cask" ich auch sehr empfehlen kann! Die Nase ist zuerst recht sauer und alkoholisch. Der braucht gute 10 Minuten bis der Alkohol verfliegt. Was ich dann rieche sind Äpfel, Zitronen, Grapefruit(?) und cremige Vanille. Im Hintergrund dann etwas Kerzenwachs und Münzen (so blöd das auch klingen mag). Etwas Alkohol bleibt allerdings. Im Mund sehr ölig, cremig und süß. Getreidig. Der Alkohol ist nicht negativ spürbar. Der eher kurze Abgang wird deutlich saurer mit einer kleinen Bitternote dazu.
85 Punkte

Clynelish Reserve "House Tyrell" (GoT), Diageo-Sonderabfüllung, 51.2%

Gehypte Edition der "Game of Thones"-Reihe von Diageo. Eine Vermischung von Themen, die ich bis heute nicht nachvollziehen kann. Die Clynelish-Abfüllung war am Anfang mehr oder weniger sofort vergriffen, da es einfach nicht soviel verschiedene Abfüllungen dieser Brennerei auf dem Markt gibt und der Run auf diese Flasche demnach sehr groß war. Die Nase ist zuerst relativ tropisch-fruchtig, was aber schnell verfliegt. Was bleibt ist ordentlich Vanille mit Karamell. Dazu Pflaumenmarmelade (Bonbons). Wieder eine leichte Wachsigkeit im Hintergrund. Während die Aromen des Vorgängers noch recht filigran aus dem Glas schwebten, ist hier mehr Dampf dahinter. Im Mund sehr sahnig-cremig und süß. Intensiv wie die Nase. Getreide, Karamell und Vanille. Der Abgang ist verblüffend kurz und nicht sonderlich aufschlussreich. Insgesamt ein recht "primitiver" Vertreter ohne viel Schnick-Schnack. Da ist der Standard 14er (aus meiner Erinnerung) deutlich komplexer und würziger. Auch wenn es sich nicht so liest, aber der Vorgänger gefällt mir insgesamt doch etwas besser, weil er komplexer ist, besonders im Mund.
84 Punkte

Clynelish 20 Jahre 1995/2016, refill-Sherry-Butt, Signatory Vintage, 52.4%

Eine der vielen refill-Sherry-Abfüllungen aus Mitte der 1990er von Signatory Vintage. Man merkt sofort den Unterschied in der Nase. Dunkel und würzig. Leder, Trockenfrüchte, Minze, Blaubeeren und Kirschen dominieren für mich. Die Clynelish-Wachsnote hat sich gefühlt mit den Blaubeeren und Kirschen verbunden. Gefällt mir sehr gut. Im Mund springt einem sofort das Kerzenwachs entgegen. Dahinter Leder, Eiche und Trockenfrüchte. Sehr ölig. Der mitel-lange Abgang ist recht würzig und kräftig. Dennoch nicht bitter.
88 Punkte

Clynelish "Friendship Bottling" 22 Jahre 1995/2018, refill-Sherry-Butt, Signatory Vintage, 54.2%

Hier haben sich der Tara Whisky Shop aus München und das Brühler-Whiskyhaus ein ex-Sherry-Butt von Signatory Vintage geteilt, es aber beim gleichen Label belassen. Die 2 Jahre mehr als beim Vorgänger merkt man in der Nase. Leder, Möbelpolitur/-wachs, geröstete Haselnüsse, Kakao, Nougat, Orangenschale, Kirsche. Insgesamt hat er schon leicht diesen "Rancio"-Effekt, der bei alten Cognacs/Argmagnacs genannt wird. Dieses "mystisch" undefinierbare, was mit einer Spirituose nach sehr vielen Jahren im Fass passiert. Ich könnte ewig daran riechen. Im Mund wachsig, ölig, süß, kräftig und würzig. Spiegelt 1:1 die Nase wieder. Der Abgang ist intensiv und würzig. Langanhaltend. Auch nach 22 Jahren (refill) Sherry-Butt ist der Clynelish-Charakter immernoch zu erkennen.
92 Punkte

Freitag, 2. August 2019

Etwas Bruichladdich (Laddie 10, 16, 22)


Es gibt hier doch schon etwas früher mal wieder einen Whisky-Post. Meine Geruchs- und Geschmacksnerven, und dieser Blog, haben einfach schon jetzt eine Abwechslung, eine Erfrischung gebraucht. Es geht auf die Insel Islay in Schottland zur Bruichladdich-Brennerei, die in der Whiskygemeinde viele Anhänger hat. Die Tatsache, dass diese Destillerie von 1994 bis 2000 geschlossen war, verstärkt den Kultstatus vermutlich nochmal mehr. Seit der Wiedereröffnung produziert man hier nicht-rauchigen Whisky ("Laddie"), stark-rauchigen Whisky ("Port Charlotte") und den gehypten, sehr teuren super-rauchigen Whisky ("Octomore").

Bruichladdich "The Laddie Ten" Second Edition, Original-Abfüllung, 50%

Lagerung in ex-Bourbon-, ex-Sherry- und ex-Wein-Fässern, nicht-rauchig. Erstmals erschienen 2016; damit wurde dieser Whisky nach der Wiedereröffnung hergestellt. Die Nase ist aromatisch und relatov voll für nur 10 Jahre. Vom Charakter her eine Mischung aus wachsig, cremig, tief und frisch. Ich habe da sowas wie Kekse, Honigmelone, Äpfel, Birnen und Zitrone. Dazu ordentlich cremige Vanille. Im Hintergrund wachsig/ölig, etwas Marzipan und eine ganz leichte Weinsäure. Eine schöne "Whisky-Nase". Im Mund cremig ung süß mit den Eindrücken aus der Nase. Hier kommt keine (böse) Überraschung. Kraftvoll und leicht würzig. Die 50% sind super eingebunden. Am Anfang des kurz bis mittel-langen Abgangs wird es etwas Pfeffrig. Danach kommt die Eiche mehr durch mit einer leichten, aber angenehmen, Bitternote. Der macht Spaß! 87 Punkte

Bruichladdich "The Laddie Sixteen", Original-Abfüllung, 46%

Eine reine ex-Bourbon-Lagerung, nicht-rauchig. Erstmals 2012 bzw. 2013 erschienen bedeutet, dass (eigentlich) ein Mindestalter von 19 Jahren, da 1994 bis 2000 die Destillerie geschlossen war. Die mindestens 6 Jahre mehr merkt man ihm sofort in der Nase an. Das knackige, frische vom 10er ist deutlich zurückgegangen, dafür habe ich mehr Vanille, Marzipan und diese Wachsigkeit. Auch ist die Nase leicht "staubig", was mir gut gefällt. Die Kekse haben sich zu einem klietschigen, süßen Birnenkuchen gewandelt. Lecker! Im Mund sehr ölig und süß. Gefährlich süffig! Der Birnenkuchen mit Vanille, Marzipan und etwas Zitrone wird hier echt zum Thema (Ja, ich weiss das Titelbild hätte hier treffender sein können!). Etwas Dosen-Mandarinen habe auch noch kurz. Eichenwürze ist natürlich auch vorhanden. Im mittel-langen Abgang bleibt es so. Etwas Ingwer und Pfeffer kommen dazu, aber kaum Bitterkeit. Der ist sehr gut! 89 Punkte

Bruichladdich "The Laddie Twenty Two", Original-Abfüllung, 46%

Und wieder eine reine ex-Bourbon-Reifung, allerdings wurden hier die letzten 2 Jahre, first-fill ex-Bourbon-Fässer verwendet. Auch 2012/2013 erschienen, bedeutet das auch, dass der Whisky aus der alten Destillerie stammt. Die Nase ist eine logsche Fortsetzung der Reihe. Wieder 6 Jahre mehr auf dem Buckel. Ein gutes Stück gediegener und gesetzter als der 16er. Mehr Vanille und Marzipan. Dazu Zeitungspapier (das "staubige" vom 16er, hier noch stärker), Honig und Wachs. Die Birnen sind mittlerweile sehr reif, matschig und süß. Auch hier gefällt mir das richtig gut! Im Mund recht ähnlich zum 16er, etwas würziger und reifer. Der Abgang ist ein stückweit länger, deutlich mehr astringierend und trocken. Hier ist definitiv mehr Eiche drinnen! Auch wieder top! Allerdings würde ich bei den aktuellen Preisen (90€ für den 16er und 150€ für den 22er) den 16er nehmen, da der Unterschied nicht diesen großen Preisunterschied rechtfertigt. 89 Punkte

Donnerstag, 6. Juni 2019

Und wieder ein paar 18-jährige Original-Abfüllungen

Es geht weiter mit meinen original abgefüllten 18-jährigen Whiskies.



Glenallachie 18 Jahre (2019), Original-Abfüllung 46%

Vatting aus ex-Bourbon- und ex-Sherry-Fässern. Die Nase ist eher zart und geschmeidig. Sehr klassisch. Hell-fruchtig, Malz, Vanille und Karamell. Dieses fruchtig Süße hat teilweise etwas von Bonbons oder Fruchtgummis. Mir sind ganz spontan diese grünen Frösche in den Sinn gekommen. Im Mund geht das fruchtige ein wenig zurück und die Malzigkeit kommt mehr in den Vordergrund. Es bleibt aber immernoch ein sehr leichter Whisky. Der Abgang ist eher kurz und bringt nichts neues. Insgesamt ein Whisky-Stil, der nicht meinem Beuteschema entspricht. 80 Punkte

Jura 18 Jahre (Red Wine Finish) (2019), Original-Abfüllung 44%

Die Nase hat leicht säuerliche und buttrige Noten, die ich schon häufiger bei Rotwein-Finishes oder -Lagerungen hatte. Dazu dunkle Früchte, Nüsse (Walnüsse?) und Waldhonig. Insgesamt recht dunkel und wuchtig vom Charakter her. Im Mund zuerst verblüffend wässrig. Die Nase hat da mehr Wucht vorgegaukelt. Hält man ihn jedoch etwas länger im Mund, entwickelt sich dann doch eine Würzigkeit mit Leder und Eiche. Im mittel-langen und würzigen Abgang kommt die buttrig-säuerliche Note wieder etwas mehr zur Geltung. Dazu eine leichte Bitterkeit. 82 Punkte





Glen Scotia 18 Jahre (2019), Original-Abfüllung, 46%

Reifung in ex-Bourbon- und Finish in ex-Oloroso-Fässern. In der Nase saftige Aprikosenmarmelade, Mandeln/Marzipan und Vanille. Eine minimale Salzigkeit im Hintergrund. Sehr cremig und seidig. Im Mund werden die saftigen Aprikosen noch deutlicher. Dazu Malz und eine gewisse Eichenwürze. Das Mundgefühl ist eher locker-luftig und seidig. Der Abgang ist eher maximal mittel-lang und wird etwas bitter durch die Eichenwürze. Daneben weiterhin die Aprikosensüße, wenn auch etwas schwächer. Insgesamt ein recht unspektakulärer Whisky, der mir zu lieblich und "langweilig" ist.
82 Punkte






Longrow 18 Jahre (2019), Original-Abfüllung, 46%

Vatting aus 75% ex-Sherry- und 25% ex-Bourbon-Fässern. Der Rauch ist über die 18 Jahre schon gut verflogen, aber immernoch gut spürbar in der Nase. Sehr muffig-erdig-deftiger Grundcharakter. Räucherspeck, Salz, geröstete Nüsse, geröstetes Malz. Irgendeine halb-matschige Frucht, die auf dem Weg zur Trockenfrucht ist. Eine gewisse leichte Erdigkeit und Ledrigkeit. Im Mund weiterhin ziemlich robust und eher auf der deftigen und nussigen Seite. Der Rauch wird, wie fast immer, etwas stärker, aber ist von z.B. Laphroaig-Level meilenweit entfernt. Dazu eine schöne Eichenwürze und Malzigkeit. Der Abgang ist speichelanregend und mittel-lang bis lang. Sehr voll und intensiv. Würzig, aber nicht bitter, sondern malzig. Leichter Rauch. Sehr belebendes Mundgefühl. Toll! Ich mag diesen robusten, handfesten Charme! 90 Punkte

Donnerstag, 25. April 2019

4 weitere volljährige Schotten

Heute geht es weiter mit 18-jährigen Original-Abfüllungen von schottischem Whisky. In diesem Post hatte ich bereits eine ganze Reihe davon im Glas.

Macallan 18 Jahre 1995 Sherry, Original-Abfüllung, 43%

Vollreifung in Sherry-Fässern. Das merkt man selbstverständlich auch heftig in der dunklen und öligen Nase. Trockenfrüchte (vor allem Rosinen), Walnüsse, Leder/Tabak, Orangenschalen, Zimt, Vanille, Kakao, Muskatnuss. Ziemlich perfekte Sherry-Nase! Im Mund weniger würzig als ich vermutet habe. Cremig und ölig. Zuerst süß mit Trockenfrüchten, dann etwas trockener werdend mit Kaffee/Kakao. Die 43% finde ich leider einen Hauch zu dünn. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Im kurzen bis mittel-langen Abgang nimmt die Trockenheit weiter zu. Die Würzigkeit wird etwas stärker. Daneben immernoch viel Rosinen und Kakao. Was bleibt ist eine belegende Trockenheit.
★★★★★★★★★★ 7/10

Dalmore 18 Jahre, Original-Abfüllung, 43%

14 Jahre Reifung in ex-Bourbon- und 4 Jahre Nachreifung in ex-Sherry-Fässern. Die Nase ist ebenfalls ölig und dunkel. Viel Leder/Tabak, Trockenfrüchte und Walnüsse. Daneben Orangenschale, Zimt, Kakao und etwas Muskatnuss. Sehr gediegen und schwer. Passt zu dem Gentlemen-in-Ledersesseln-Image der Marke. Allerdings nicht ganz so intensiv und Sherry-lastig wie der Macallan. Im Mund würzig, voll und ölig. Empfinde diesen hier deutlich kräftiger und würziger im Mund als den Macallan. Der Abgang ist mittel-lang bis lang mit einer kräftigen und trockenen Würze. Leder/Tabak. Dahinter süße Trockenfrüchte.
★★★★★★★★★★ 8/10

Glengoyne 18 Jahre,  Original-Abfüllung, 43%

Mix aus ex-Bourbon- und first-fill-Sherry-Fässern. Die Nase ist etwas leichter und saurer als beim Dalmore. Weniger Leder/Tabak und Nüsse. Dafür eine spürbare Kräuternote. Im Mund Mix aus süß und sauer mit Trocken- und Zitrusfrüchten. Spiegelt die Nase wieder. Dazu eine schöne und kräftige Würzigkeit, die auch hier stärker ist als beim Macallan. Der Abgang ist mittel-lang bis lang mit einem angenehmen Mix aus Trockenheit, Würze und Süße.
★★★★★★★★★★ 7/10

Highland Park 18 Jahre, Original-Abfüllung, 43%

Der einzige rauchige im Line-Up. Dürfte ein Mix aus ex-Bourbon- und ex-Sherry-Fässern sein (?). Die Nase ist im Vergleich zu den 3 Vorgängern eher mild. Sehr dezenter Rauch. Dazu Honig und florale Noten. Etwas Trockenfrüchte und Nüsse im Hintergrund. Typisch Highland Park. So harmonisch, ausgewogen und mild, dass es mir etwas zu langweilig ist. Im Mund nimmt der Rauch angenehm zu. Auch die Milde aus der Nase wird etwas abgelöst durch eine kraftvolle, aber nicht zu starke, Würze. Leicht salzig. Im kurzen bis mittel-langen Abgang nimmt der Honig nochmal kräftig zu. Der Rauch ist für mich fast nicht mehr wahrnehmbar. Nur noch in einer leicht "bitteren Salzigkeit".
★★★★★★★★★★ 7/10
Unter den 7/10-ern ist meine Reihenfolge: Macallan > Glengoyne > Highland Park