Dienstag, 30. März 2021

New Grove (Grays)

Heute geht es bei mir das erste Mal auf diesem Blog nach Mauritius zur Gray-Destillerie, die u.a. die Marke "New Grove" produziert. Typischerweise wird dort Column-Still-Rum produziert und auch in eigenen Lagerhallen gereift.
New Grove Solera 25 Jahre
Original, 40%,
Solera meint hier sehr wahrscheinlich, dass lediglich der älteste Anteil 25 Jahre alt ist. Dennoch fand die Reifung vollstöndig in tropischem Klima statt. Rum Tasting Notes App Link
NASE: Sehr süß und mild. Fruchtgummis mit Pfirsicharoma dominieren. Dahinter einiges an Vanille. Viel mehr nehme ich hier auch tatsächlich nicht wahr. Das Pfirsicharoma ist dermaßen heftig, dass ich mich auf nichts anderes konzentrieren kann. Es kribbelt ein bisschen in der Nase, was eigentlich nicht Alkoholgehalt von nur 40% kommen kann. Vielleicht ist der Anteil an älteren Rums doch nicht so klein?!

GAUMEN: Süß mit - wer hätte es gedacht - Pfirsich-Fruchtgummi satt. Dazu wieder Vanille und eine gute Portion Eiche, die alles etwas kräftiger und leicht kribblend/bitter wirken lässt. Dennoch sind die 40% viel zu sehr verdünnt.

ABGANG: Pfirsiche, Zucker, Vanille und zunehmend bittere Eichenwürze.

KOMMENTAR: Dieses intensive Pfirsicharoma ist kurz tatsächlich ganz witzig, aber der Rum bietet ansonsten nicht viel mehr. Ich finde auch, dass die Eichenwürze hintenraus nicht zu dieser zuckersüßen Nase passt.
70/100
New Grove "Emotion" 1969
Original, 47%,
Auch hier handelt es sich um eine tropische Reifung. 1969 ist der älteste enthaltene Jahrgang. Die anderen sind 2005-2008. Rum Tasting Notes App Link
NASE: Die Pfirsiche von gerade, habe ich hier auch wieder, nur in einer deutlich natürlicheren Form und gepaart mit getrockneten Aprikosen. Dazu Vanille, Honig, Mandeln und leicht säuerliche Leder/Tabak-Noten. Im Hintergrund schimmert etwas Klebstoff durch. Der Rum wirkt definitiv nicht jung, aber im mittel auch nicht super alt. Der "Blend" richtet sich aber definitiv an eine Zielgruppe, die auf Dekanter und harmonische und milde Spirituosen steht. An dem Bouquet ist nichts auszusetzen, aber eben auch nichts, was mich anspringt und begeistert.

GAUMEN: Die 47% tun ihm schonmal deutlich besser als die 40% bei seinem Solera-Bruder. Ich habe aber auch hier wieder dieses diffuse Gemisch aus zuckriger Süße und Würze und Bitterkeit der Eiche, was mich irgendwie verwirrt und nicht sonderlich abholt.

ABGANG: Sirup, Pfirsiche, Süßholz und etwas Bleistiftspähne.

KOMMENTAR: Definitv besser als die Solera-Variante, aber den Preis von knappen 200€ ist er meiner Meinung nach bei weitem nicht wert.
76/100
New Grove Single Barrel 2004
Original, 49,9%,
Dieser Rum reifte ca. 10 Jahre auf Mauritius in einem Fass aus französischer Limousin-Eiche. Rum Tasting Notes App Link
NASE: Uhhhh! Das ist eine ganz andere Welt und mir wird klar, warum dieses Fass nicht in den großen Blends gelandet ist. Weniger süß und fast keine Pfirsiche! Dunkler und vielschichtiger. Getrocknete Aprikosen, Pfirsiche (oder bekomme ich die jetzt nicht mehr aus meiner Nase?!), Rosinen, Toffee, Kakao, Milchkaffee, Orangenschalen, Klebstoff, Nelken und Zimt. Das geht alles schon in eine Richtung, die ich bei tropischen Column-Still-Rums sehr schätze! Auch wenn dieser Rum jetzt nicht mit einem 20-jährigen Column-Demerara zu verwechseln ist.

GAUMEN: Toffe, Kokos und Rosinen bilden die klassische Aromenbasis. Dazu wieder etwas Pfirsiche, Aprikosen und eine gewisse Eichenbitterkeit, die aber hier schön ins Gesamtbild passt.

ABGANG: Noch mehr Kokos und Toffee. Der Rum verschwindet relativ schnell wieder und hinterlässt ein angenehmens Mundgefühl, dass zwischen cremiger Kokosnuss und trockener Eiche pendelt.

KOMMENTAR: Komplett anderes Kaliber als die beiden ersten Rums. Als ich mir dieses Sample nach einem Tasting im Rum-Depot (Berlin) habe abfüllen lassen, hatte ich den Rum ehrlich gesagt etwas spektakulärer in Erinnerung. Das mag aber auch daran liegen, dass ich zu dem damaligen Zeitpunkt noch kaum Column-Demerara-Kontakt hatte.
85/100
Mauritius 2008 Port-Finish
S.B.S., 55,7%,
NASE: Whoo, auch hier wird was anderes gespielt als bei den ersten beiden. Das Portwein-Finish ist sofort zu spüren und bringt tolle Aromen mit in den Mix. Waldbeeren aller Art, Pflaumen, Rosinen, Aprikosen, Zimt und Vanille. Das alles zu einer dicken, schwer-süßen Marmelade eingekocht. Dazu noch eine handvoll Nüsse. Eine sehr intensive Nase!

GAUMEN: Es geht genauso weiter. Zu der Marmeladensüße gesellen sich jetzt noch herbere Noten wie Tabak, Leder und andere Eichenwürze. Alles ist sehr cremig und macht einfach Spaß zu trinken.

ABGANG: Cremige Mandeln mit süßen Pflaumen, Blaubeeren und Zimt. Ein gefährlich süffiger Abgang.

KOMMENTAR: Ein echt gelungenes Finish, dass den Rum deutlich nach vorne gepusht hat.
88/100

Freitag, 26. März 2021

Velier Foursquare Sassafras (10cl VSGB)

Nun war es endlich soweit! Das erste Velier-Release, dass es auch im 10cl-Format gab (zu einem unfassbar fairen Preis!). Wer die letzten Monate nicht komplett hinter dem (Rum-)Mond gelebt hat, wird sicherlich von dem Projekt "VSGB" (Velier Small Great Bottles) gehört haben. Von daher möchte ich an dieser Stelle auch nicht näher auf die Details dieses Projektes eingehen. Was ich aber möchte, ist mich bei Luca Gargano und Velier bedanken für den enormen Kraftakt und Leidenschaft, die in dieses Projekt bisher geflossen sind und noch fließen werden!!! Ich bin sehr gespannt was da noch alles kommen wird und hoffe insgeheim natürlich auf die letzten Caronis, die noch von Velier kommen werden...
Foursquare Sassafras 14 Jahre
Velier, 61%,
Wie für Foursquare üblich handelt es sich bei dem Rum, um einen Blend aus Pot- und Column-Still. Reifung: 3 Jahre ex-Bourbon, 11 Jahre ex-Cognac. Rum Tasting Notes App Link
NASE: Nach bereits ca. 20-30 Minuten ist der Rum voll da und macht Spaß. Die typische Foursquare-Note mit trockender Eiche, Toffee, Rosinen, ein paar Tropfen Wandfarbe, Lack, etwas Kokos und Zitrus wird hier um einiges ergänzt. Über allem liegt eine süße und schwere Fruchtigkeit, die ich dem Cognac zuschreibe. Trauben, getrocknete Aprikosen, dunkle Beeren, Kirschen, Oragenschale und noch ein paar Rosinen mehr. Dazu etwas Leder und Tabak. Das Bouquet gefällt mir ziemlich gut und ich muss sagen, dass mich die Nase auch etwas an tropische Column-Demeraras wie beispielsweise Enmore, Albion oder Skeldon aus der El-Dorado-Reihe erinnert. Wenn auch vielleicht nicht ganz auf diesem Niveau. Ein minimaler Alkoholstich begeleitet die Aromen, was ich aber nicht wirklich als störend empfinde.

GAUMEN: Viel trockene Gewürze von der Eiche, geröstete Kokonuss, Vanille, etwas Leder, süße Rosinen und Wandfarbe. Dass es sich hier um einen Foursquare handelt, wird hier wieder sehr deutlich. Der Cognac-Einfluss lässt deutlich nach und die Foursquare-typischen Aromen und Mundgefühl sind dominant. Auch hier könnte der Alkohol etwas besser eingebunden sein. Etwas Wasser löst dieses "Problem" und macht das Mundgefühl sehr sahning und süß.

ABGANG: Mittel-lang mit geröstetem Kokosnussfleisch, Toffee, Rosien und Wandfarbe. Sehr angenehm und lecker, aber auch nicht spektakulär.

KOMMENTAR: Ein gelungener Foursquare wie ich finde! Die lange Cognac-Reifung hat ihm gut getan. Klar, Foursquare ist jetzt kein Caroni oder alter Demerara, aber dafür eine aktive Brennerei, die tropisch gereifte Rums produziert, die halbwegs verfügbar sind und auch noch sein werden.
87/100

Montag, 8. Februar 2021

Armagnac L'Encantada: Lassalle & La Frêche

Heute nehme ich mir 3 alte Armagnacs der Jahrgänge 1990/1991 vor, die alle eine Gemeinsamkeit haben...
Domaine La Frêche 1990/2020
L'Encantada, 52,4%, Fût N°49
NASE: Ein warmes und schönes Bouquet empfängt mich, dass die Grenzen zwischen Armagnac und altem Rum verschwimmen lässt. Karamell, Orangenöl, Rosinen, Marzipan, Zimt, Nelken, Möbelpolitur und dreckige Elemente wie etwa Teer sind für mich die Hauptaromen. Dann weiter hinten Gewürze wie Pfeffer, Piment und Muskat, die ich unter anderem mit Armagnac verbinde. Sehr schön!

GAUMEN: Zuerst Traubensüße, cremig. Dann bauen sich Tannine, etwas Teer, Kaffee und Gewürze auf. Leicht kribbelnd scharf.

ABGANG: Beginnt wieder mit der cremigen Traubensüße, dann folgen ordentlich trockene Gewürze und der Mund zieht sich zusammen. Dieser Wechsel findet dann noch einmal statt am Ende des Abgangs.

KOMMENTAR: Ein toller Armagnac, gerade für Freunde von Heavy-Rums des englischen Stils (man denke da etwa an Caroni oder Demerara).

90/100
Domaine Lassalle 1990/2020
L'Encantada, 48,1%, Fût N°46
NASE: Auch bei diesem Armagnac könnte man auf einen alten Rum tippen. Column-Demerara kommt mir da wieder in den Sinn. Viel Möbelpolitur, Kirschen, Orangenschale, Trockenfrüchte, Kokosflocken, Nelken und Zimt. Der Charakter ist sehr eichenlastig und trocken.

GAUMEN: Kraftvoll, bitter-süß. Bin ich in Frankreich oder in Guyana am Demerara-River? Möbelpolitur, Karamell, Trockenfrüchte, Kirschen, Orangenschale, Kakao.

ABGANG: Gerade der ölige Beginn des Abganges erinnert mich vom Mundgefühl wieder an Rum. Dann setzt die für Armagnac so typische (zumindest in meinen Augen) Pfeffrigkeit mit viel Gewürzen ein. Hintenraus sehr trocken werdend.

87/100
Domaine Lassalle 1991/2020
L'Encantada, 44,9%, Fût N°08
NASE: Ich habe hier ein recht ähnliches Bild wie bei seinem älteren Bruder. Der 1991er wirkt aber im Bouquet etwas süßer und fruchtiger mit weniger Möbelpolitur.

GAUMEN: Ähnlich zum 1990er nur dass ich hier nicht ganz so viel Rum-Parallelen habe.

ABGANG: Deutlich mehr auf der würzigen Armagnac-Seite als noch beim 1990er. Viel trockene Gewürze und eine leichte pfeffrige Schärfe.

86/100
Armagnacs dieses Alters und in Fasstärke sind definitiv nicht unter "easy-sipping" einzuordnen. Man muss schon Lust haben auf viel Eiche und trockene Gewürze. Nach den drei Gläschen heute Abend bekomme ich jetzt meinem Mund kaum mehr auf vor lauter trockener Gewürze ;-). Richtig lecker war es aber auf jeden Fall, nicht falsch verstehen! Besonders die Bouquets, die sehr an alte Rums erinnerten, haben richtig Spaß gemacht!

Sonntag, 24. Januar 2021

11x Port Mourant (Silver Seal 89, Velier 93, ...)

Heute geht es mal wieder nach Guyana. Dieses Mal mit einem großen Sammel-Post, der mehrere Tasting-Sessions zusammenfasst. Irgendwie konnte ich die Samples nicht durchgängig sinnvoll in mehrere Posts aufteilen. Von daher müsst ihr euch jetzt hier durch den langen Post durchkämpfen ;-)
Alle Rums des heutigen Posts wurden in der Double Wooden Pot Still von ehemals Port Mourant (dann ab 1955 bei Albion, dann ab 1968 bei Uitvlugt, dann ab 1999 bei Diamond) gebrannt. Die heutigen Abfüllungen stammen teilweise aus der Uitvlugt-Ära und teilweise aus der Diamond-Ära nach 1999/2000. Auch sind tropisch gereifte und solche, die in Europa ihre Reifezeit verbracht haben, dabei. Auf gehts...
Port Mourant 2008/2018 MPM GY
Whisky Broker, 60,1%,
NASE: Wie bei dem Alter zu erwarten war, ist der Charakter der Nase genauso Weißwein-hell wie der Rum selbst. Ich rieche viel Anis, grünes Holz, eher saure und unreife Früchte wie Zitrone, Äpfel und grüne Bananen. Das Bouquet ist sehr clean, irgendwo angenehm, aber nicht wirklich inspirierend. Aber Halt! Nach ca. 1 Stunde des Atmens kommt noch eine recht schöne Nougat- und Schokoladennote dazu, die mich hier ehrlich gesagt überrascht.

GAUMEN: Die 60% drücken zwar ordentlich auf der Zunge, sind aber meiner Meinung nach ganz okay eingebunden. Es macht sich schnell eine ölige, cremige Süße im Mundraum breit, die an Zuckersirup mit Anis und etwas grünen Bananen erinnert.

ABGANG: Es kommen leichte Bitternoten aus der Eiche dazu. Dazu wieder eine gewisse Süße, Anis und grüne Bananen.

KOMMENTAR: Am Ende ist es einer der vielen Abfüllungen, die es nicht wirklich gebraucht hätte, auch wenn sie ganz nett ist.
79/100
Port Mourant 2008 10 Jahre MPM
The Rum Cask, 53,6%, Sherry-Finish
NASE: Das Sherry-Finish macht sich direkt bemerkbar (wenn auch bei weitem nicht dominant) und integriert sich gut in die typischen Port-Mourant-Aromen. Vom Destillat und der Ex-Bourbon-Reifung bekomme ich Anis, nasses Holz (wie so oft bei Port Mourant), Nelken, Äpfel, helle Zitrusfrüchte und etwas Toffee. Dazu gesellen sich Aromen von Trockenfrüchten, Nüssen und etwas Leder, die ich dem Sherry-Finish zuordnen würde. Eine schöne Nase.

GAUMEN: Rund, cremig, ölig und süß. Es schmeckt genauso wie es riecht. Sehr viele Trockenfrüchte, Melassenoten mit Nelken und Lakritz und dazu ordentlich Toffee. Im Hintergrund dann Anis und Süßholz.

ABGANG: Der Abgang ist das unspektakulärste des Rums, der sich mit Trockenfrüchten und Melasse eher schnell als langsam verabschiedet.

KOMMENTAR: Eine schöne Kombination aus jungem Rum und Sherry. Echt empfehlenswert (falls man ihn überhaupt noch kaufen kann).
85/100
Port Mourant 2002/2020
Black Label Edition
The Whisky Mercenary, 51,7%,
NASE: Merklich reifer als seine jüngeren Kollegen. Saftige Früchte wie Aprikosen und Orangen bilden zusammen mit Marzipan und einer schönen harmonisch integrierten Anisnoten das Bouquet. Wie oft hat die Nase einen cremigen Charakter und gefällt mir.

GAUMEN: Ölig, cremig und fruchtig-süß. Die Eindrücke aus der Nase ziehen sich fort. Zusätzlich kommt noch eine etwas sonderbare Note dazu, die mich an Papier erinnert und mir hier nicht so wirklich gefällt.

ABGANG: Es geht weiter mit Bananen, Ananas, Anis und Fenchel. Und leider wieder dieses Papier. Hhmm schade.

KOMMENTAR: Solide und lecker, aber nicht spektakulär. Die Papiernote hat leider 1-2 Punkte gekostet.
84/100
Port Mourant 2003/2016
Silver Seal, 51%,
NASE: Die Nase hat einen sehr hellen Charakter. Viel Anis, Zitrusfrüchte und eine leicht cremige Joghurtnote. Das Bouquet ist angenehm und macht was her, trifft aber nicht so richtig meinen Geschmack, da die Anis- und Zitrusnote mir hier doch schon zu viel wird.

GAUMEN: Es geht solide und angenehm weiter mit Anis, einer schönen Cremigkeit, die wieder an Joghurt erinnert und einer süß-sauren Fruchtigkeit. Lecker.

ABGANG: Die Süße und Cremigkeit nimmt zu und das Ganze wird zu griechischem Joghurt mit Honig, etwas Zitrone und Anis.

KOMMENTAR: Ein leckerer Rum, der am Gaumen und Abgang nochmal aufholt (für mich). Insgesamt kein Aromenfeuerwerk, aber die Cremigkeit und Süße ist beim Trinken schon echt lecker und angenehm.
84/100
Port Mourant 2003/2017
Blackadder Raw Cask, 63%,
NASE: Anfangs schwebt da ein deutlicher Alkoholschleier über dem Rum, der teilweise sogar etwas muffig wirkt. Mit etwas Zeit und Wasser entspannt sich der Rum etwas und gibt Toffee, Nüsse und Milchschokolade frei. Die Früchte (hier Bananen und Rosinen) und Anisnote sind eher hintergründig. Ich habe hier keinerlei Ähnlichkeiten mit dem Silver Seal des gleichen Jahrganges (2003).

GAUMEN: Süß und intensiv mit Banane, Vanille und etwas Anis. Der Alkohol ist leider ziemlich präsent und überdeckt den Rest. Eine Verdünnung auf deutlich unnter 60% bringt zwar noch etas Milchschokolade hervor, der Alkoholstich bleibt aber dennoch. Was sich in der Nase schon angedeutet hat, ist hier leider schon sehr unangenehm geworden.

ABGANG: Zuerst cremig und süß, aber dann kommt der Alkohol wieder nach vorne udn brennt ordentlich im Mund und an den Lippen. Auch mit der Verdünnung.

KOMMENTAR: Das war nichts. Nicht zu empfehlen aus meiner Sicht.
74/100
Velier Port Mourant 1993/2006
Velier, 65%,
Einer der berühmten Velier Demerara Abfüllungen und zudem noch eine der "bezahlbaren" im Vergleich z.B. zu den 1970er Jahrgängen, die mittlerweile für mein Budget unerreichbar sind. Rum Tasting Notes App Link
NASE: Meine ersten Eindrücke ein paar Minuten nach dem Einschenken sind erstens: Viel Eiche für lediglich 13 Jahre. Die Fässer müssen ziemlich aktiv gewesen sein. Zweitens: Die 65% können sich nicht verstecken und liegen wie eine Schicht über dem Rum. Und drittens: Ich habe kein starkes Port-Mourant-Gefühl. Der Rum wirkt auf mich eher wie ein "Blended in the Barrel" mit großen Column-Anteil. Ich denke der braucht noch einiges an Zeit zum Atmen. Er wird mit der Zeit etwas zahmer, aber alle Eindrücke von oben bleiben bestehen. Ich rieche einiges an Klebstoffen (durchzogen von Alkoholdämpfen), Marzipan, Mandarinen, Orangen, Kokos und floralen Noten, die teilweise dann doch an Anis und derartiges erinnern. Bisher aber nichts, was mich sehr begeistert. Ein Tropfen Wasser tut der Nase aber auf jeden Fall gut.

GAUMEN: Die 65% sind hier besser eingebunden und brennen eigentlich überhaupt nicht. Die Anis-Note wird hier deutlicher und es ist zweifellos als Port Mourant zu erkennen. Dazu Mandarinen (aus der Dose größtenteils), Eichenwürze und etwas Toffee. Das Mundgefühl ist weich, cremig und generell angenehm mit einer zarten Süße. Auch hier hilft der Tropfen Wasser meiner Meinung nach.

ABGANG: Geprägt von Zitrusnoten, Eichenwürze und Anis.

KOMMENTAR: Zum Ausgabepreis von damals vermutlich weit unter 100€ ein sehr guter Rum, keine Frage. Die heutigen (Sammler-)Preise auf dem Privatmarkt von ca. 700€ und die generellen Erwartungen an Velier Demeraras kann dieser Rum aber nicht gerecht werden. Zumindest für mich und (was man so hört) auch einigen anderen.
86/100
Port Mourant 1997/2019
Silent Ambassador, 51,4%,
NASE: Schöne Kombination aus hellen, reifen Früchten und Gewürzen. Ich rieche saftige Aprikosen (teilweise erinnernd an süße Dosenaprikosen), Mandarinen und dazu 1-2 Rosinen. Dazu die typischen Gewürze wie Anis. Das Ganze wird abgerundet durch cremige Cashews und etwas zarte Vanille. Eine schöne, harmonische, aromatische und süß-cremige Nase. Man merkt ihm das gehobene Alter an ohne dass sehr viel Eiche mitschwingt.

GAUMEN: Kraftvoll, cremig, würzig, leicht fruchtig-süß und auch etwas salzig. Trifft 1:1 meine Erwartungen aus der Nase. Die 22 Jahre im Fass zeigen sich dann hier etwas deutlicher als noch in der Nase: Es ist würzig und leicht kribbelig im Mund.

ABGANG: Süßholz, Anis und ein cremig-süßes Mundgefühl prägen den Abgang. Der würzige, kribbelnde Effekt zieht sich weiterhin parallel zur Cremigkeit durch.

KOMMENTAR: Ein richtig schöner und ausgewogener Rum. Die Port-Mourant-Gene sind sofort zu erkennen und werden toll unterstützt durch eine schöne Reife.
89/100
Port Mourant 1997/2013
Banks Connoisseur's Cut, 59,58%, Whisky-Finish
NASE: Hier bekomme ich viel unreife, helle und saure Früchte (wie etwa sauren Apfel und Grapefruit), Anis, Klebstoff und feuchtes, grünes Holz. Im Hintergrund ist eine saure und salzige Note, die mich tatsächlich etwas an Gewürzgurken erinnert. Ist das das Whiskyfass? In dieser Disziplin hat er schonmal keine Chance gegen seine Vorgänger.

GAUMEN: Wir bewegen uns hier in der gleichen Aromenwelt wie in der Nase. Der Grundcharakter ist hell, sauer und salzig, was mir meistens nicht zusagt. So auch hier. Die sonderbare "Gewürzgurken-Note", die ich in der Nase hintergründig wahrgenommen habe, hat sich gewandelt und ist stärker geworden. Ich habe jetzt hier alte-nasse-Pappen-Gefühl (mit viel Salz). Nicht schön (für mich).

ABGANG: Es wird zuerst cremiger und süßer, dann aber wieder saurer und salziger mit einem kleinen Schärfe-Kick.

KOMMENTAR: Das ist einfach nicht meine Aromenwelt. Zudem habe ich ehrlich gesagt das Gefühl, dass diese Abfüllung auch einfach nicht sonderlich gut ist.
72/100
El Dorado Port Mourant 1997/2017
D.D.L., 57,9%,
Die einzige Alternative zu den tropischen Veliers ist die El Dorado Reihe von D.D.L., die in der Regel sehr gut ist, aber auch nicht gerade gepusht und gepflegt wird von D.D.L., was natürlich bei uns Rum-Nerds nicht gut ankommt. Warum diese Abfüllungen nur so sparsam released werden, dürfte einfach daran liegen, dass die meisten Fässer für die (gesüßten) El Dorado Blends (12er - 25er) weggehen. Ich kenne die Zahlen nicht, aber ich könnte mir vorstellen, dass D.D.L mit den Rare Cask Abfüllungen in großem Maßstab in Amerika und Europa mehr Geld verdienen könnte als mit den teilweise recht preiswerten Blends. Dazu ist aber ein Umdenken nötig. Rum Tasting Notes App Link
NASE: 20 Jahre Reifung in Guyana hinterlassen einfach ihre Spuren. Die Aromen, die mir hier entgegenkommen sind dunkel, schwer, süß und insgesamt einnehmend. Wie aber auch beim Velier 1993 ist die Anisnote kaum wahrnehmbar, was in dem Fall des El Dorados aber nicht am Jahrgang liegen wird, denn seine beiden Jahrgangskollegen haben definitiv einiges an Anis und ähnlichen Gewürzen. Wie auch beim besagten Velier habe ich ein "Blended in the Barrel"-Gefühl, was nichts negatives zu bedeuten hat. Ich rieche hauptsächlich viel Kokos, Toffee, Kakao, Kaffee, Zimt, Nelken, Rosinen und ein schöne Klebstoffnote. Alles eher Beschreibungen für ein Demerara-Column-Rum-Profil. Mir gefällt die Nase sehr gut auch wenn ich blind nicht auf Port Mourant gekommen wäre.

GAUMEN: Weiches, aber volles Mundgefühl. Karamell, Kokos, Milchkaffee, -schokolade... und Gewürze. Ja, Port Mourant kämpft sich hier wieder durch.

ABGANG: Anis/Laktritz, Süßholz, Kakao und Rosinen. Hier habe ich am deutlichsten das Gefühl, dass es sich um einen Port Mourant handelt.

KOMMENTAR: Der Rum gefällt mir richtig gut! Er ist zwar nicht der komplexeste und Leute, die einen Bilderbuch-Port-Mourant mit viel Anis suchen, werden sicherlich enttäuscht, aber die Aromenwelt und Intensität sprechen mich hier richtig an.
91/100
Port Mourant 1998/2017 Oloroso Finish
S.B.S, 62,4%,
NASE: Man merkt ihm den recht hohen Alkoholgehalt anfangs deutlich an mit einen spürbaren Alkoholdunst. Dazu leider eine wahrnehmbare Schwefelnote von den Sherryfässern. Kein schöner Start für mich. Ich lasse ihn ohne Glasdeckel weiter lüften... Es hilft etwas. Der Alkoholdunst ist weg, aber die Schwefelnote bleibt dennoch. Leider ist Schwefel für mich (fast) immer ein Deal-Breaker. Ich gebe ein paar Tropfen Wasser hinzu, da ich das Bouquet noch relativ verschlossen finde... Die Schwefelnote lenkt mich sehr ab und brauche eine gewisse Zeit des Riechens, um sie etwas ausblenden zu können. Die restlichen Aromen sind größtenteils von der dunklen Sorte: Melasse, Trockenobst (wieder sehr stark Pflaume) und Nüsse. Teile des Trockenobstes und der Nüsse stammen sicherlich vom ehemaligen Oloroso-Sherry. Dazu Klebstoffnoten/Lösungsmittel. Die Gewürze wie Anis und Fenchelsamen werden schon deutlich überdeckt, aber es ist zweifellos als Port Mourant zu erkennen. Eigentlich ein sehr schöner Mix, wäre da nicht der Schwefel.

GAUMEN: Die Sherrynoten sind deutlich zu spüren mit süßen Trockenfrüchten und Nüssen und leider wieder dieser pilzigen Schwefelnote. Das Mundgefühl als solches ist aber sehr angenehm. Cremig, weich und süß und dennoch intensiv.

ABGANG: Die Süße nimmt weiter zu. Kandierte Früchte, Dosenfrüchte mit Zuckerwasser. Und dazu Anis und Süßholz.

KOMMENTAR: Puh! Die Wertung fällt mir schwer ist mit Vorsicht zu genießen. Wenn ich die Schwefelnote nicht wahrnehmen würde, dann würde ich dem Rum vermutlich so ca. 85 Punkte geben. Aber ich nehme sie leider als für mich sehr störend wahr. Das Sherry-Finish hat, anders als beim 10-jährigen von The Rum Cask, hier für mich den Rum ruiniert.
78/100
Port Mourant 1989/2020
Silver Seal, 55,8%,
Hier haben wir es definitiv mit einem der Highlights des Jahres 2020 zu tun. Ein so alter Demerara-Rum aus einer längst vergangenen (und verlernten?) Herstellungs-Ära ist nicht alltäglich. Aus dem 1989er Jahrgang gibt es noch einen Samaroli und einen Duncan Taylor. Beide kenne ich leider nicht und daher kann ich auch keine direkten Vergleiche dazu ziehen. Rum Tasting Notes App Link
NASE: Ein schweres, dunkles, volles und süßes Bouquet empfängt mich nach dem Entfernen des Glasdeckels. Die saftigen Früchte (wie etwa beim 1997er Silent Ambassador) sind zu kandierten und getrockneten Vertretern ihrer Art geworden. Eine sehr schöne und intensive Pflaumen- (getrocknet) und Melassenote macht sich breit. Weiterhin kommt mir da eine richtig heftige Karamell-Schoko-Note zusammen mit gerösteten (salzigen) Erdnüssen, die mich an gute Bourbons oder auch an Snickers erinnern sowie ein guter Schuss Möbelpolitur, Kokos und Kaffee entgegen. Die typischen Port-Mourant-Gewürze (Anis etc.) sind für mich kaum mehr wahrnehmbar, was dieser Wahnsinns-Nase aber überhaupt nicht schadet. Die Aromen entwickelnd sich und verschieben ihre Anteile immer wieder über die Zeit. Ein herrliches und komplexes Bouquet!

GAUMEN: Würzig-trocken mit einer dezenten Süße. Melasse, getrocknete Pflaumen, Walnüsse, Kaffee, Leder und Tabak.

ABGANG: Deutliche Bitternoten mit Bleistiftspähnen und allerlei Röstaromen wie angebranntes Toast, stark gerösteter Kaffe usw.. Hier wird es mir etwas zu trocken und eichenlastig muss ich zugeben.

KOMMENTAR: Ein extrem guter und sehr einnehmender Rum, der bei mir lediglich im Abgang nicht ganz so punkten konnte. Bis auf den Abgang erinnert mich der Rum sehr an den Rum Artesanal REV 1994 mit seinen herlichen Pflaumen- und Melassenoten.
93/100
Die 3 deutlichen Gewinner dieses Posts (Silver Seal 1989, El Dorado 1997 und Silent Ambassador 1997) stammen alle aus der Uitvlugt-Ära. Liegt es daran, dass nach der Zusammenlegung mit Diamond verlernt wurde, wie es "richtig" geht? Oder liegt es einfach nur am Alter, die die Jahrgänge nach 2000 naturgemäß alle noch nicht erreicht haben? Ich denke leider ersteres trifft zu und hoffe auf letzteres!

Sonntag, 17. Januar 2021

Hampden Great House Distillery Edition 2020

Wie bereits beim ersten Hampden Great House angekündigt, wird es regelmäßig Nachfolger geben. Und vor kurzem ist die zweite Edition auch in Deutschland erschienen und war - wie erwartet - sehr schnell vergriffen. Der "Blend" ist wieder der gleiche mit 80% OWH und 20% <>H. Dieses Mal aber mit den Jahrgängen 2013 (OWH) anstatt 2012 und 2017 (<>H) anstatt 2016. Vergleichen möchte ich die neue Edition - wer hätte es gedacht - mit der ersten ;-)
Hampden Great House
Distillery Edition 2020
Velier/Hampden, 59%,
NASE: Ich rieche einen harmonischen Mix aus Toffee, Marzipan, Milchschokolade, tropischen Früchten (minimal überreif), Pflaumen, Zimt und den berühmten Lösungsmitteln. Die Nase ist warm, tropisch und definitiv auf der entspannten Hampden-Seite auch wenn es dennoch sofort klar ist, was hier im Glas ist. Meine Nase wandert zur ersten Destillery Edition: Gründsätzlich natürlich sehr ähnlich, allerdings wirkt die 2019er-Variante jünger und ist tendenziell eher bei sauren, hellen Früchten wie etwa Ananas, Orange und Zitrone. Auch empfinde ich - wie einige andere auch - einen etwas höheren Estergehalt in der ersten Edition. Die aktuelle Variante hat mehr Toffee, Marzipan und Pflaume, wirkt etwas älter und gesetzter und gefällt mir aktuell etwas besser muss ich sagen.

GAUMEN: Kräftig, ölig und cremig zugleich, wie es bei Hampden üblich ist. Ich bekomme eine schöne Süße aus tropischer Fruchtigkeit, Marzipan und etwas Milchschokolade. Und natürlich nicht zu vergessen: Ein guter Schluck Lösungsmittel darf hier nicht fehlen. Auch hier wirkt der 2019er Great House etwas jünger auf mich. Etwas weniger Toffee und Marzipan, etwas "aggressiver", wenn man so will.

ABGANG: Fruchtig und würzig mit Ananas und Anis. Hier ist für mich der kleinste Unterschied zum 2019er festzustellen, auch wenn die beschriebenen Unterschiede von oben auch hier gelten. Nur eben nicht so deutlich.

KOMMENTAR: Ich denke mein Fazit sollte bereits klar geworden sein. Die 2020er Edition, der "grüne", gefällt mir aktuell etwas besser. Aber auch die erste Edition ist ein echt schöner Rum. Die Ausgabepreise von jeweils 90€ sind in Anbetracht der heutigen Preisentwicklung absolut okay.
90/100