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Freitag, 26. März 2021

Velier Foursquare Sassafras (10cl VSGB)

Nun war es endlich soweit! Das erste Velier-Release, dass es auch im 10cl-Format gab (zu einem unfassbar fairen Preis!). Wer die letzten Monate nicht komplett hinter dem (Rum-)Mond gelebt hat, wird sicherlich von dem Projekt "VSGB" (Velier Small Great Bottles) gehört haben. Von daher möchte ich an dieser Stelle auch nicht näher auf die Details dieses Projektes eingehen. Was ich aber möchte, ist mich bei Luca Gargano und Velier bedanken für den enormen Kraftakt und Leidenschaft, die in dieses Projekt bisher geflossen sind und noch fließen werden!!! Ich bin sehr gespannt was da noch alles kommen wird und hoffe insgeheim natürlich auf die letzten Caronis, die noch von Velier kommen werden...
Foursquare Sassafras 14 Jahre
Velier, 61%,
Wie für Foursquare üblich handelt es sich bei dem Rum, um einen Blend aus Pot- und Column-Still. Reifung: 3 Jahre ex-Bourbon, 11 Jahre ex-Cognac. Rum Tasting Notes App Link
NASE: Nach bereits ca. 20-30 Minuten ist der Rum voll da und macht Spaß. Die typische Foursquare-Note mit trockender Eiche, Toffee, Rosinen, ein paar Tropfen Wandfarbe, Lack, etwas Kokos und Zitrus wird hier um einiges ergänzt. Über allem liegt eine süße und schwere Fruchtigkeit, die ich dem Cognac zuschreibe. Trauben, getrocknete Aprikosen, dunkle Beeren, Kirschen, Oragenschale und noch ein paar Rosinen mehr. Dazu etwas Leder und Tabak. Das Bouquet gefällt mir ziemlich gut und ich muss sagen, dass mich die Nase auch etwas an tropische Column-Demeraras wie beispielsweise Enmore, Albion oder Skeldon aus der El-Dorado-Reihe erinnert. Wenn auch vielleicht nicht ganz auf diesem Niveau. Ein minimaler Alkoholstich begeleitet die Aromen, was ich aber nicht wirklich als störend empfinde.

GAUMEN: Viel trockene Gewürze von der Eiche, geröstete Kokonuss, Vanille, etwas Leder, süße Rosinen und Wandfarbe. Dass es sich hier um einen Foursquare handelt, wird hier wieder sehr deutlich. Der Cognac-Einfluss lässt deutlich nach und die Foursquare-typischen Aromen und Mundgefühl sind dominant. Auch hier könnte der Alkohol etwas besser eingebunden sein. Etwas Wasser löst dieses "Problem" und macht das Mundgefühl sehr sahning und süß.

ABGANG: Mittel-lang mit geröstetem Kokosnussfleisch, Toffee, Rosien und Wandfarbe. Sehr angenehm und lecker, aber auch nicht spektakulär.

KOMMENTAR: Ein gelungener Foursquare wie ich finde! Die lange Cognac-Reifung hat ihm gut getan. Klar, Foursquare ist jetzt kein Caroni oder alter Demerara, aber dafür eine aktive Brennerei, die tropisch gereifte Rums produziert, die halbwegs verfügbar sind und auch noch sein werden.
87/100

Dienstag, 4. August 2020

Habitation Velier 2020 - Hampden, Mount Gay, Privateer

Es war mal wieder soweit. Nach Verzögerungen durch Corona erschienen dann endlich die neuen Releases der Habitation Velier Reihe Ende Juni 2020. Velier hat es mal wieder geschafft für Verwirrung auf den Labels zu sorgen, indem die alte Angabe "Esters" durch die allgemeinere Angabe "Congeners" ersetzt wurde. Da Ester lediglich eine Untermenge der Congener sind, fallen die Zahlen jetzt sehr hoch aus. Aber ich möchte gar nicht viele Worte zu den Abfüllungen verlieren und lieber gleich mit dem Tasting beginnnen...

Achja: Auch hier wird es in Zukunft bei Rum-Notes den entsprechenden Link für die tolle "Rum Tasting Notes App" geben!
Privateer 2017 3 Jahre
Habitation Velier, 55,6%,
Das ist mein erster Kontakt mit dieser sehr jungen Destillerie aus New England.
NASE: Sehr süß! Bananenchips, Karamell und Blumenerde. Erinnert hier schon sehr an Bourbons, wenn auch eher an eher simple.

GAUMEN: Wieder sehr süß. Süßer dürfte es auf natürlichem Wege kaum gehen! Die Erde ist weg. Ich habe nur noch Banane und Karamell.

ABGANG: Die Banane geht mehr und mehr in Richtung Mais-Süße, die wieder sehr an Bourbons erinnert. Wirklich sehr süß. Süßer als Bourbon!

KOMMENTAR: Einfach und sehr süß. Der Preis ist lachhaft hoch! Dann lieber einen einfachen Bourbon für 1/5 des Preises. Rum Tasting Notes App.
72/100
Mount Gay 2011 9 Jahre
Habitation Velier, 52,3%,
Zum Vergleich habe ich mir den Habitation Velier Last Ward 2007 eingeschenkt.
NASE: Ziemlich rund, harmonisch und warm. Erinnert mich sofort an Armangnac. Mandeln, Rosinen, Créme brûlée, Tabak und Klebstoff. Generell nicht über-komplex, aber mit schönen, intensiven Eichentönen. Der Last Ward 2007 dazu im Vergleich ist komplexer, fruchtiger und medizinischer mit einem deutlicher Alkoholstich und mehr Klebstoff.

GAUMEN: Sehr "rummig". Eichenwürze, Rosinen, Marzipan und Vanille.

ABGANG: Mehr Eiche, Tabak und Rosinen. Leicht astringierend. Marius von SCR hat Earl Grey erwähnt. Dem kann ich nur zustimmen. Dazu noch Menthol..

KOMMENTAR: Unterscheidet sich deutlich zum Last Ward 2007, der kantiger und aggressiver ist. Der aktuelle ist da wesentlich harmonischer und die Armagnac-Note gefällt mir zur Zeit echt gut. Rum Tasting Notes App.
85/100
Hampden C<>H 2010 10 Jahre
Habitation Velier, 68,5%,
Als einzigen Vergleichspartner, der ähnliche Eckdaten hat, habe ich nur noch das Single Cask HCLF/DOK, welches mir ziemlich gut gefallen hat.
NASE: Zu Beginn sehr viel Klebstoff und Nagellackentferner, Zitrus und vergorene tropische Früchte. Die Eicheneinflüsse halten sich zunächst noch im Hintergrund. Die Esterfracht dominiert hier eindeutig und es wird deutlich, dass wir DOK sehr nahe sind. Nach ca. 1 Stunde atmen wird alles etwas "ruhiger". Die Säure geht zurück und die Lösungsmittel verbinden sich mit Toffee, Marzipangebäck und tropischen Früchten wie Ananas und Mango. Von den 68% ist nur sehr wenig zu spüren. Der HLCF/DOK dazu im Vergleich hat mehr Orange und etwas weniger Nagellackentferner und wirkt tatsächlich nicht ganz so harmonisch.

GAUMEN: Sehr cremiges Mundgefühl. Zu Beginn süß, dann zunehmen saurer und astringierender. Der Alkohol ist nicht zu spüren. Das ist echt unfassbar bei 68%! Der ganze Mundraum wird geflutet von Lösungsmitteln, überreifen Mangos, Ananas, Orangen. Deuutliche Tendenz ins Saure, aber noch absolut OK. Ich bin da echt empfindlich was Säure angeht.

ABGANG: Süß und sauer. Zugleich ölig und cremig. Es baut sich hier zunehmend Eichenwürze auf. Die Lösungsmittel und der warme Grundflavour bleiben noch lange im Mundraum hängen.

KOMMENTAR: Wieder mal ein sehr leckerer Hampden. Die Lösungsmittel und die Säure gehen hier schon gut nach vorne, aber dennoch hat er was "entspanntes". Und das bei 68%! Rum Tasting Notes App.
92/100

Samstag, 4. April 2020

Mount Gay

Das erste mal auf diesem Blog geht es zur Mount-Gay-Destillerie auf Barbados. Bisher konnte ich "privat" lediglich den X.O. und den "Master Select" probieren. Das ist aber auch schon eine ganze Weile her.
Mount Gay X.O.
Originalabfüllung, 43%,
Kaum ein anderer Rum wird Einsteigern auf Facebook und Foren so oft empfohlen wie dieser. Der Grund? Auf Barbados darf per Gesetz (wie auf Jamaika) kein Zucker oder andere Zusätze (bis auf Farbstoff und Wasser) dem Rum untergerührt werden, d.h. hier bekommt man unverfälschten Basic-Rum-Flavor mit ca. 9-12 Jahren tropischer Reifung und immerhin 43% und das für ca. 35-40€.
NASE: Sehr klassisches und mildes Rum-Profil: Milchschokolade, Kokos, Karamell, Vanille. Dahinter Rosinen und etwas Amaretti (zum Thema "Amaretti" weiter unten mehr).

GAUMEN: Erstaunlich kräftig für 43%. Spiegelt perfekt 1:1 die Nase wieder mit einer schönen natürlichen Süße (Milchschokolade, Karamell) aus dem Fass.

ABGANG: Rosinen und Kokos dominieren hier für mich. Es bleibt angenehm und sehr entspannt.

KOMMENTAR: Gut gemachter Rum mit einem hervorragendem PLV. Jeder der sich "ernsthaft" mit Rum auseinandersetzen will, sollte u.a. mit diesem einsteigen, sofern er noch keine große Spirituosenerfahrung hat. Ab einem gewissen Punkt, den ich auf jeden Fall schon "lange hinter mir" habe, kann der X.O. dann natürlich nicht mehr so richtig begeistern.
80/100
Mount Gay X.O. Cask Strength
Originalabfüllung, 63%,
2016 kam diese Sonderabfüllung auf dem Markt, um den Fans und Nerds "ihren" berühmten und geliebten X.O. in Fasstärke zu präsentieren. Ob es sich hierbei um die gleiche Fassauswahl (nur eben ohne Wasserzugabe) handelt bezweifle ich, aber ich weiss es auch nicht.
NASE: Während der normale X.O. sehr offen und zugänglich ist, ist dieser ziemlich dicht. Da kommst außer Klebstoff und Kokos erstmal nicht viel aus dem Glas. Das ändert sich nach weit über 30 Minuten auch nicht sonderlich. Auch Verdünnen auf unter 60% hilft nicht viel. Florian von BAT hat es perfekt mit "Luftlöchern" beschrieben. Mal kommt was aus dem Glas, dann wieder nichts mehr.

GAUMEN: Kräftig und intensiv. Der drückt ordentlich auf die Zunge und im gesamten Mundraum ohne aber unangenehm zu werden. Es verbreitet sich eine herrliche natürliche Süße mit Vollmilchschokolade, Karamell, Vanille und Marzipan. Hier macht der einiges an Punkten wieder gut, die er im Aroma eingebüßt hat.

ABGANG: Es wird etwas bitterer mit etwas Kaffee. Dazu aber wieder Vollmilchschokolade und Karamell.

KOMMENTAR: Ich bin ein "Schnüffler", mir ist das Bouquet einer Spirituose extrem wichtig. Von daher hab ich keine andere Wahl als ihm eine recht niedrige Wertung zu geben. Hätte er einfach nur das Aromenspektrum, das er am Gaumen plötzlich entwickelt auch in der Nase wäre ich sehr zufrieden mit ihm.
82/100
Last Ward 2007/2017
Habitation Velier, 59%,
Wie bei Velier üblich haben wir es hier mit 10 Jahren tropischer Reifung zu tun.
NASE: Ordentlich Klebstoff und Alkohol zu Beginn, die eine ganze Weile brauchen, um zu verfliegen (leider nicht komplett). Dann ist eine würzige Note dominant, die ich anfangs nicht fassen konnte, obwohl sie mir sehr bekannt vorkam. Marius von SCR hat es mit Amaretti, also diesen kleinen italienischen Schaum-Keksen aus Mandeln, beschrieben. Und ja, genau danach hatte ich eine Weile in meinem Kopf gesucht. Weiter habe ich noch Kaffee, Vanille und Orangenschale. Bis auf den Klebstoff und den Alkohol eine sehr schöne Nase.

GAUMEN: Viel Eiche mit ordentlich Würzigkeit und richtig Druck im Mund, der leider teilweise etwas unangenehm ist.

ABGANG: Beginnt mit Orangenschale und wird zunehmend bitterer mit Kaffe und angebranntem Toast.

KOMMENTAR: Mir eine Spur zu würzig und bitter, um so richtig durchzustarten für mich. Auch der Alkohol ist hier nicht wirklich schön integriert.
85/100
Mount Gay 2000/2013
Isla del Ron, 61,6%,
Kommen wir nun zum berühtem Jahrgang 2000, der so wie man liest der einzige ist, der an unabhängige Abfüller verkauft wurde in jüngster Vergangenheit. Velier mit 2007 und 2009 zähle ich hier nicht unbedingt dazu, da Velier eine Sonderrolle innerhalb der unabhängigen Abfüller spielt.
NASE: Sehr weich und cremig. Vanille, Marzipan, Quitengelee, Banane, Zitrus und florale Eindrücke. Den Holzeinfluss empfinde ich als eher gering. Die 62% sind nicht wirklich wahrnehmbar.

GAUMEN: Deutlich mehr Säure als die Nase vermuten ließ. Dennoch bleibt ein cremiges Mundgefühl mit süßem Marzipan.

ABGANG: Cremig und süß-sauer mit Anis und anderen "hellen" Gewürzen. Eine leicht Kaffee-Bitterkeit kommt dazu.

KOMMENTAR: Haut mich persönlich jetzt nicht so aus den Socken. Der Alkohol ist aber echt gefährlich-gut eingebunden.
82/100
Mount Gay 2000/2018
Kintra, 55,6%,
Es geht weiter mit dem Jahrgang 2000. Dieser hier traf in der Rum-Szene durchaus auf Begeisterung.
NASE: Deutlich reifer als der Vorgänger, was nach 5-6 Jahren mehr im Fass auch so sein sollte. Mehr Würze und Gewürze wie Anis, Pfeffer, Nelken Koriandersamen. Dazu weiterhin Vanille und eine cremige und fruchtige (Quittengelee, Banane, Zitrus) Marzipan-Note.

GAUMEN: Sehr würzig mit ordentlich Röstaromen wie etwa Kaffee. Der Grundcharakter "süß-sauer-cremig" bleibt aber dennoch erhalten.

ABGANG: Cremiges und öliges Mundgefühl. Schönes Zusammenspiel zwischen süß, sauer und würzig.

KOMMENTAR: Sehr schöner gereifter und ausbalanzierter Rum.
87/100
Mount Gay 2000/2019
The Rum Cask, 55,1%,
.
NASE: Nochmal würziger als der Kintra. Amaretti, Kaffee, angebranntes Toast, Gewürze (Anis, Nelken, Koriandersamen, Pfeffer). Dazu Vanille und Karamell. Kaum bis keine Fruchtigkeit.

GAUMEN: Kräftig und intensiv. Stark würzig.

ABGANG: Röstaromen wie Kaffee und angebranntes Toast dominieren hier für mich. Mir teilweise etwas zu bitter.

KOMMENTAR: Nochmal deutlich würziger und fasslastiger als der Kintra. Mir leider tendenziell eine Spur zu viele Bitterstoffe und Gewürze.
86/100
Ich muss gestehen, dass mich keine Abfüllung dieses Posts so wirklich begeistert hat und ich das Gefühl habe unbedingt eine Flasche davon zu wollen. Irgendwas an der Art der Würzigkeit, die alle nicht-offiziellen haben (zu einem gewissen Grad sehr ähnlich), trifft nicht meinen Geschmack. Das nimmt noch keine dramatischen Züge an - mir schmeckten alle und ich musste mir keinen reinquälen - aber die magische 90-Punkte-Marke sehe ich für mich bei allen in weiter Ferne.

Montag, 5. August 2019

Aktuelle Foursquare-Releases (2007, Empery, Doorly's 14)


Heute geht es nach Barbados zur Fourquare Distillery in St. Phillip. In diesem Post hatte ich bereits eine ganze Reihe von Rums dieser Destillerie probiert. Um die aktuellen Abfüllungen besser einordnen zu können, werde ich sie mit ähnlichen aus dem besagten Post vergleichen. Für den 2007er nehme ich den 2004er her, für den Empery den Principia und für den Doorly's 14 bleibt mir "leider" nur der Destino übrig, was denke ich ein etwas unfairer Vergleich ist. Ich habe kein Sample vom Doorly's 12 mit 40%. Aber lassen wir uns überraschen... Ach ja: Wie alle Foursquare-Original-Abfüllungen reiften auch diese die gesamte Zeit im tropischen Klima von Barbados und sind ein Blend aus Pot- und Column-Still-Rums dieser Destillerie (Single Blended Rum).





Foursquare Doorly's 14 Jahre, Original-Abfüllung, 48%

Der Rum ist ein klassisches "Foursquare-Vatting" aus 90% ex-Bourbon-Fässern und 10% ex-Madeira-Fässern, die jeweils 14 Jahre reiften. Während alle Doorly's bisher (8 Jahre, XO, 12 Jahre...) immer mit niedrigen 40% abgefüllt wurden, hat der neue 48% spendiert bekommen, was uns Nerds natürlich immer freut. In der Nase dominieren zuerst Alkohol, Klebstoff und Lösungsmittel, die aber nicht unangenehm sind. Dahinter diffuse dunkle Früchte. Nach 5 Minuten ist ein Großteil des Klebstoffs verflogen und es kommen cremige Vanille, Karamell, Rosinen, Pflaumenmarmelade, Kokos und etwas Marzipan durch. Angenehm, aber auch nicht so komplex wie sich das hier in der Aufzählung vielleicht liest. Der Destino hat da schon deutlich die Nase vorn, auch wenn die Nase in ihrem Grundcharakter natürlich recht ähnlich ist. Aber durch die 12-jährige Reifung in Madeirafässern beim Destino und dem höheren Alkoholgehalt von 61% ist der einfach intensiver und kraftvoller. Da kommen noch florale Noten und viel mehr Marzipan durch. Im Mund wird es cremig-süß mit den Eindrücken aus der Nase, wobei die Eiche der Frucht deutlich überlegen ist. Im mittel-langen Abgang geht es eichenwürzig weiter. Dazu eine milde, cremige Süße und Fruchtigkeit. Auch im Mund hat der Destino mehr auf dem Kasten. Hier habe ich viel mehr Pflaume und Rosinen. Auch Kuchennoten. Ist/war der Destino den 3-4 fachen Preis wert? Natürlich nicht, aber er ist schon eine Liga höher angesiedelt. 79 Punkte


Foursquare "2007" 12 Jahre 2007/2019, Original-Abfüllung, 59%

Wie schon der 2004er und 2005er ist dieser hier eine reine ex-Bourbon-Reifung, die nur minimal auf 59% verdünnt wurde. Die Nase ist recht ähnlich zum 2004er, aber durchaus etwas cleaner und weniger erdig/grasig und komplex. Hier kommt viel Kokos, Rosinen, Vanille und Karamell. Auch habe ich einen Tick mehr Klebstoff/Lösungsmittel. Der Kokoseinschlag ist mir fast schon zu viel. Erinnert teilweise mehr an einen "spanischen Mittelamerikaner". Während ich im 2004er noch im Hintergrund etwas Haselnuss rieche, habe ich die im 2007er nicht mehr. Im Mund gehts erstmal süß mit Karamell und Vanille los und wird zunehmend würziger. Im mittel-langen Abgang dominieren Rosinen und Kokos. Ihr merkt es vermutlich schon. Ich bin nicht sonderlich inspiriert hier. Viel mehr fällt mir nicht ein. Den 2004er fand ich einfach besser, weil nicht so clean und kokoslastig. Liegt es am Jahrgang, an der 1 Jahr kürzeren Lagerung, am Blending der Fässer? Oder ist es nur Einbildung...? 80 Punkte



Foursquare "Empery" 14 Jahre, ex-Bourbon + ex-Sherry, Original-Abfüllung, 56%

Auch dieser reifte zu 100% auf Barbados, allerdings ist die Reifung und das Vatting etwas "komplizierter". Während der Hauptbestandteil als Pot-Column-Mix 14 Jahre lang in ex-Bourbon-Fässern reifte, reifte der Rest als purer Pot-Still-Rum für 10 Jahre in ex-Bourbon und anschließend 4 Jahre in ex-Sherry. Es hat sozusagen nur ein Teil des Rums ein Sherry-Finish erhalten, was erstmal nicht auf eine Sherry-Bombe schließen lässt. Was mir leider sofort in der Nase auffällt: Schwefel! Das ist immer die Gefahr bei ex-Wein-Fässern. Beim Principia hab ich das nicht. Die Schwefelnoten lassen mich leider nicht viel mehr erkennen als dass dahinter ein Melasse-Rum ist. Da bin ich empfindlich. Mal sehen, ob das im Mund besser wird. Ein wenig. Hier erkenne ich Foursquare wieder im Profil. Karamell, Rosinen, Kokos, Eichenwürze. Den Sherry erkenne ich hier nur durch den leichten Schwefel und eine leichte Muffigkeit. Im Abgang passiert nichts neues. Nee, der war nicht meins. Der Principia war da doch deutlich besser. 68 Punkte

Bei Foursquare erhitzen sich irgendwie öfter mal die Gemüter. Zum einen gibt es absolute Fanboys, die jede Abfüllung bis zum Himmel abfeiern, als sei es die Erfindung des Rums und zum anderen gibt es welche, die die Rums von Foursquare für unterdurchschnittlich bzw. maximal durchschnittlich halten. Ich muss sagen, ich bin irgendwo im letzteren Drittel. Mir schmecken die Rums gut und empfinde das PLV der Original-Abfüllungen als meist gelungen (besonders beim 2004er). Den Hype kann ich dennoch nicht nachvollziehen. So wirklich "gebraucht" hätte ich eigentlich nur 2 Abfüllungen: Den 2004er und den Destino, wobei ich auch sagen muss, dass ich mir für die 200€+ des Destinos lieber etwas anderes gekauft hätte.

Donnerstag, 4. April 2019

Ein Sack voll Foursquare-Rums aus Barbados


Foursquare 17 Jahre, Whisky Warehouse, 46%

Einzelfaß eines deutschen unabhängigen Abfüllers. Vermutlich Vollreifung oder lange Teilreifung in Europa. Die Nase ist recht leicht mit Kokos, etwas Mandeln und Rosinen. Leichte Alkoholnote. Im Mund wird es etwas kräftiger mit einem angenehmen Mix aus Süße und Würze. Vanille, Karamell, leichte Fruchtigkeit und leicht bittere Eiche. Der kurz bis mittel-lange Abgang wird zunehmend trockener und bitterer. Insgesamt recht unspektakulär.
76 Punkte

Foursquare 2004, 11 Jahre ex-Bourbon, Original-Abfüllung, 59%

Hier haben wir es mit einem Mix aus Pot- und Column-Still zu tun mit 11 Jahren Reifung auf Barbados. Die Nase spielt in einer ganz anderen Liga als beim Vorgänger. Zum einen "klassische" Melasse-Rum-Aromen wie Vanille, Karamell, Kokos, tropische Früchte und Rosinen. Dazu aber noch eine gewisse Agricole-artigkeit mit erdigen und grasigen Noten. Im Hintergrund ist noch eine leichte Teer-Note, die ganz weit entfernt an Caroni erinnert. Sehr schöne und komplexe Nase. Im Mund breitet sich sofort eine intensive natürliche Süße aus mit Karamell, Rosinen und Lakritz. Dazu kommt eine schöne Eichenwürze. Der Abgang ist dann lang und wärmend mit etwas mehr von den dreckigen Aromen wie Teer. Sehr schöner Rum und für mittlerweile ca. 60-65€ immernoch ein super PLV.
84 Punkte

Foursquare 13 Jahre 2005/2018, Rasta Morris, 64.4%

Der Rum lag zuerst 11 Jahre lang auf Barbados, bevor er für die restlichen 1-2 Jahre in einem first-fill-Bourbon-Faß in Europa verbrachte. Die Nase wird zuerst von einer starken Klebstoffnote dominiert. Nach Zugabe von Wasser braucht der Rum etwas Zeit, damit der Kleber zum Großteil verschwindet. Etwas bleibt dennoch. Dann zeigt sich eine dunklere und schwerere Nase als beim 2004er. Viel Karamell, Waldhonig, Rosinen, Kokos und Sägespäne. Im Mund sehr intensiv und natürlich Süß mit Honig, Karamell, Eiche und einer leichten Nussigkeit. Der mittel-lange bis lange Abgang wird noch nussiger und bleibt angenehm süß und wärmend mit einer deutlichen Eichenwürze. Der 2004er hat mir besser gefallen, weil er komplexer und "frecher" war. Außerdem stört mich hier tatsächlich etwas die Klebstoffnote, die nicht vollständig verschwindet. Trotzdem ein guter Rum!
82 Punkte

Foursquare Triptych (2016), Original-Abfüllung mit Velier, 56%

Blend aus Foursquare Pot- und Column-Still-Rums, die in ex-Bourbon, ex-Madeira und neuen Eichenfässern lagen. Der Grundcharakter der Nase erinnert wieder mehr an den 2004er. Etwas mehr Eiche mit Möbelpolitur, was vermutlich an den teils frischen Fässern liegt. Dazu eine leicht bittere Nussigkeit. Im Mund ist der Unterschied zum 2004er dann größer. Süßer Nougat mit einer süß-säuerlichen Weinnote. Dazu eine leicht muffig-staubige Note wie Zeitschriften aus Umweltpapier. Der mittel-lange Abgang ist auf der süß-würzigen Seite. Ich hatte nur noch einen kleinen Sample-Rest übrig für diesen Post, von daher ist das hier mir Vorsicht zu genießen. Die beiden Vorgänger haben mir aber besser gefallen.
81 Punkte

Foursquare Principia (2017), Original-Abfüllung mit Velier, 62%

Blend aus Foursquare Pot- und Column-Still-Rums, die 3 Jahre in ex-Bourbon und anschließend 6 Jahre in ex-Sherry-Fässern lagen. In der Nase zeigt sich keine Sherry-Bombe. Richard Seale brennt die Sherry-Fässer wohl vor dem Befüllen nochmal aus. Dennoch merkt man den Sherry-Einfluss durch eine schöne Nussigkeit, Trockenfrüchte und Weihnachtsgewürze. Die Nase wirkt etwas "staubig" und muffig. Die Noten von Vanille, Karamell und Kokos sind hier eher zurückhaltend. Im Mund cremig, süß und intensiv mit Rosinen, Karamell, Nüssen und Weihnachtsgewürzen. Der Abgang bietet nichts neues und wird leicht ganz bitter am Ende. Nicht übermäßig komplex, aber lecker. Der Preis war/ist leider übertrieben mit 120-150€, aber das bewerte ich hier nicht.
82 Punkte

Foursquare Destino (2017), Original-Abfüllung mit Velier, 61%

Blend aus Foursquare Pot- und Column-Still-Rums, die 12 Jahre in ex-Madeira und anschließend 2 Jahre in ex-Bourbon-Fässern lagen. Quasi ein Bourbon-Finish ;-)
In der Nase habe ich eine volle Ladung Pflaumen mit Zimt, Möbelpolitur, Vanille und Karamell. Klietschiger und saftier Kuchen. Guter Anfang! Dahinter wieder etwas Teer. Im Mund geht das genauso weiter. Sehr intensiv, natürlich süß, pflaumig fruchtig und leicht nussig. Dazu etwas Leder und Tabak. Der Abgang ist wärmend und lang. Pflaumen, Zimt, Rosinen und Nüsse. Mhhhh!
88 Punkte

Mittwoch, 27. Februar 2019

2 "Rockley"-Rums aus Barbados

Heute ist einmal Nachsitzen angesagt. Was den „alten“ Rum-Nerds seit Jahren ein Begriff ist, ist bis heute Abend an mir vorbeigegangen. Die Rede ist vom sogenannten „Rockley“-Stil bzw. „Blackrock“-Distillery, der in der West Indies Rum Distillery (WIRD) auf Barbados hergestellt wurde. Die wohl einzigen Jahrgänge dieses Stils, die es bei unabhängigen Abfüllern gibt, sind 1975, 1986 und 2000. Von den letzten beiden habe ich je ein Sample.

Gegenüberstellen möchte ich die beiden Rockleys einem „normalen“ Jahrgang von WIRD. Einem 1999er.

BBR 06/2000 - 03/2012 "Blackrock"-Distillery (WIRD), Candehead's, 59,1%

In der Nase habe ich Plastiktüten, etwas säuerliche Ananas, Banane und Zitrone. Etwas Mandeln, Pfeffer. "Heller" und "frischer" Geruch. Dezenter Honig mit Kräutern im Hintergrund, etwas Vanille und Kokos dazu. Erinnert mich entfernt an eine Mischung aus Fiji und Port Mourant. Wird mit der Zeit im Glas und in der Nase gewöhne ich mich daran und es wird leckerer für mich. (Ich bin generell keine großer Freund von "hellen", "pieksigen" und sauren Aromen).
Im Mund geht es weiter mit Zitrus, süßem, öligen Honig und verbrannten Plastiktüten. Leicht pfeffrig. Der Abgang ist leicht brennend/scharf mit viel Zitrone/Grapefruit und der berühmten Plastiktüte.Nicht so mein Stil bisher.
★★★★★★★ 4/10

12/1986 - 11/2012 WIRD, Duncan Taylor, 52,7%

Die Nase ist wärmer und "dunkler" als beim Vorgänger, was nicht verwunderlich ist bei 25 Jahren Reifung. Mandeln/Tonka-Bohne, Vanille, Honig, Klebstoff/Plastiktüte (leicht verbrannte diesmal), etwas saure Fruchtigkeit, etwas Zimt und Plaume. Sogar leicht grasig. Im Mund dann süß und intensiv mit Honig. Ölig mit Mandeln. Etwas Plastik ist natürlich wieder mit dabei. Im mittel-langen Abgang wird dann das verbrannte Plastik deutlicher. Dazu Grapefruit, Honig und Vanille. Hat mir deutlich besser gefallen!
★★★★★
★★★ 6/10

1999 - 2017 WIRD, The Rum Cask, 53,6%

Achtung: Dieser Jahrgang war ein "normaler" Jahrgang bei WIRD!
In der Nase sehr viel Kokos! Huuuii! Dahinter Vanille, Karamell und etwas Klebstoff. Mehr bekomme ich nicht. Im Mund dann das gleiche, nur ohne Klebstoff. Bisher eher simpel. Der Abgang überrascht mich dann mit einer plötzlich auftauchenden Erdigkeit, verbrannten Noten, Kaffee und Pfeffer. Hat definitiv nichts bis wenig mit den "Rockley"-Jährgängen gemeinsam.
★★★★
★★★ 4/10
Ich bin erleichtert. Ich hatte schon Angst, dass ich jetzt auch diesen sehr raren Abfüllungen hinterjagen muss ;-) Aber ich kann mich entspannen. Der "Rockley"-Stil ist definitiv ein beachtenswerter, sehr komplexer Stil, der für Barbados auf jeden Fall untypisch ist, aber verrückt danach bin ich nicht. Der Stil ist mir tendenziell zu sauer und "hell". Auch die Plastik-Note war mir etwas zu dominant. Ich bin aber sehr froh, dass ein nettes Mitglied aus dem Rum-Club seine Samples mit mir geteilt hat und ich somit mal in diesen alten Mythos reinschnuppern konnte.