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Freitag, 2. Juli 2021

Velier Caroni Employees 5th Release

Nachdem es auf diesem Blog zur Zeit etwas ruhiger ist, möchte ich mich für dieses Highlight mal wieder melden - nicht dass es dieses Jahr noch keine Highlights auf dem Rum-Markt gegeben hätte, aber Velier Caronis sind halt was ganz besonderes für mich ;-) Die Employee-Reihe nähert sich mit diesem Release zielstrebig ihrem Ende zu. Es sollte nur noch ein Release fehlen, wenn ich mich nicht irre?! Durch den unfassbar starken VSGB-Club von Velier konnte ich mir ganz entspannt je 10cl dieser umkämpften Abfüllungen sichern! Das besondere an diesem Release ist, dass es dreimal der Jahrgang 1996 ist. Nach den letzten beiden Releases sind meine Erwartungen sehr hoch, was die heutigen Abfüllungen betrifft! Legen wir los... wie immer lasse ich die Rums mindestens eine Stunde atmen.
Caroni 1996 23 Jahre
Employee Dhanraj "Dan" Maharaj
Velier, 66,3%,
4 Fässer HTR-Caroni des Jahrgangs 1996 wurden hier nach 23 Jahren Reifung auf Trinidad vermählt. RumX App Link
NASE: Warm, dunkel, dreckig und einnehmend kommen die Aromen aus dem Glas. Hier ist ganz viel herrliche, rohe Caroni-DNA drinnen. Warmes Karamell, dampfender Asphalt, Diesel, Gummi, Kirschwasser, tropische Früchte wie Mangos, Mandeln und ordentlich Eiche mit ätherischen Ölen (Zedern, Pinien, Menthol). Sehr intensiv und auf den Punkt.

GAUMEN: Einiges an Gummi und warmen Karamell. Dazu ätherische Öle mit Nadelholz und Menthol. Ein sehr intensives und gleichzeitig weiches und geschmeidiges Mundgefühl. Wo sind die 66% Alkohol?? Je mehr man trinkt, desto stärker wird die Gummi-Note und tendiert teilweise hin zu verbrammtem Gummi. Auch die Nase gewinnt nochmal an Fahrt nach ein paar kleinen Schlücken.

ABGANG: Gummi, Karamell und die besagten ätherischen Noten dominieren hier wieder, wobei letztere hintenraus immer stärker werden. Es bleibt intensiv und dennoch geschmeidig mit einer schönen dezenten Süße.

KOMMENTAR: Der gefällt mir richtig gut! Ein Bilderbuch-Caroni, wenn man so will, obwohl er gleichzeitig ungewöhnlich dreckig für den Jahrgang 1996 und dem hohen Alter ist.
94/100
Caroni 1996 23 Jahre
Employee Deodat "Breeze" Manmohan
Velier, 66,7%,
4 Fässer HTR-Caroni des Jahrgangs 1996 wurden hier nach 23 Jahren Reifung auf Trinidad vermählt. RumX App Link
NASE: Der gute "Breeze" kommt schon etwas entspannter und gediegener daher. Hier bekomme ich viele verschiedene Holztöne mit einem guten Spritzer Möbelpolitur. Dazu Karamell, Nelken und Zimt und weit im Hintergrund etwas Teer und Diesel. Ich habe allerdings das Gefühl, dass er noch ziemlich verschlossen ist... 2 Tropfen Wasser und etwas mehr Zeit tun ihm gut. Es kristallisiert sich ein schöner Mix aus Holzlack/Möbelpolitur, Kaffee, ätherischen Ölen (Nadelholz, Menthol), Karamell, Kirschen und Zimt heraus. Sehr aromatisch und intensiv! Gefällt mir auch sehr, sehr gut, wenn auch sehr unterschiedlich im Vergleich zu "Dan".

GAUMEN: Mhhhhhhh ein herrliches Mundgefühl, was mich sofort an den Rendsburger 1996 erinnert. Tonnenweise geschmolzenes, weiches Karamell mit tropischen Früchten und flüssigem Gummi. Klingt das nicht lecker?! Auch hier tut das Trinken der Nase gut ;-) Die wird dadurch intensiver und tiefer.

ABGANG: Menthol und trockene Gewürze schieben sich vermehrt nach vorne und die Mundschleimhäute fangen an sich etwas zusammenzuziehen. Dennoch bleiben Gummi und Karamell weiter präsent.

KOMMENTAR: "Breeze" hatte leichte Startschwierigkeiten bei mir, aber hat sich dann als extrem guter Caroni herausgestellt. Ich kann jedem nur raten diesem Rum Zeit zu geben und vor allem keine Angst vor 1-2 Tropfen Wasser! Die verwässern diese 66%-Monster schon nicht so schnell, aber öffnen sie ungemein.
94/100
Caroni 1996 23 Jahre
Employee Roopnarine "Roop" Toolsie
Velier, 66,1%,
4 Fässer HTR-Caroni des Jahrgangs 1996 wurden hier nach 23 Jahren Reifung auf Trinidad vermählt. RumX App Link
NASE: "Roop" kommt gleich deutlich frischer und leicht süßlich aus dem Glas. Irgendwie "leichter", wenn das bei 23-jährigen tropischen Heavy-Caronis überhaupt geht. Ich rieche einen Mix aus tropischen Früchten und Zitrusfrüchten, floralen Noten und ätherischen Ölen. Dazu Karamell und wieder etwas mehr dreckige Elemente wie Diesel. Etwas mehr Zeit und auch 2 Tropfen Wasser lassen ihn dann wieder schwerer werden. Es kommen vermehrt Noten von verbrannten Autoreifen und Erde dazu.

GAUMEN: Auch hier habe ich wieder diesen extrem leckeren Mix aus warmen Karamell und Gummi. Da könnte ich mich einfach reinlegen! Von alkoholischer Schärfe ist auch hier weit und breit nichts zu spüren.

ABGANG: Es kommt eine leicht bittere Eichennote in den Vordergrund, die nach 23 Jahren auf Trinidad zum einen natürlich nicht überrascht, aber in der heutigen Runde nur hier auftaucht und mir nicht ganz so wahnsinnig gut gefällt wie der Rest heute. Weiter kommen noch trockene Gewürze und etwas Menthol dazu.

KOMMENTAR: ....
92/100
Velier und die Caroni Employees haben es mal wieder geschafft! Das sind drei richtig tolle Rums, die unglaublich Spaß machen und ich freue mich jetzt schon auf weitere Drams. Die Wertungen in diesem hohen Bereich fallen mir echt schwer und sind wie immer mit Vorsicht zu betrachten.

Donnerstag, 3. Dezember 2020

Velier Caroni Employees 1998 Dayanand Balloon & Balas Bhaggan

Nach dem hervorragenden Basdeo "Dicky" Ramsarran des Jahrgangs 2000 letzte Woche, geht es nun weiter mit der 4. Release-Reihe der Velier Caroni Employees. Dieses Mal mit den beiden 1998ern, die kurioserweise zusammen in einem Release enthalten sind. Da haben wir einmal Dayanand "Yunkoo" Balloon, der 10 Jahre bei Caroni gearbeitet hat und einmal Balas "Brigade" Bhaggan, der 14 Jahre dort tätig war. Beide Abfüllungen wurden jeweils aus 6 Fässern Heavy-Rum geblendet. 1998 ist ein Jahrgang mit Höhen und Tiefen, das wissen Caroni-Nerds. Ich stelle mir aus Referenz diese beiden 1998er daneben: Ganesh "Buju" aus der 3. Employee-Reihe, der richtig, richtig gut - aber auch ungewöhnlich für 1998 war - und Kevon aus der 2.Edition, der mich nicht so ganz überzeugen konnte damals.
Caroni 1998 21 Jahre
Employee Balas "Brigade" Bhaggan
Velier, 68,4%,
Ich beginne mit "Brigade", da dieser anscheinend die Tendenz hat ein kleiner Spalter zu sein. Auf Blogs und in diversen Facebook-Gruppen liest man von Enttäuschungen bis hin zu Lobesliedern. Ich bin da echt gespannt wo ich mich einordnen werden.
NASE: Nussiges, muffiges und leicht deftiges Grundprofil mit etwas Altmetall und Gummi im Hintergrund. Die Nase passt erstmal von Beginn an in meine Erwartungen an einen grundsoliden 1998er Caroni. Die dreckigen Vertreter wie beipielsweise "Dennis" aus dem ersten Employee-Release oder der 18-jährige Cadenhead spielen da allerdings ein anderes Spiel - ein deutlich dreckigeres nämlich. Dafür bringt "Brigade" aber ein gutes Stück mehr Reife mit. Ich rieche herrliche, schwere und warme Vanille, Zimt, Nelken und dazu Karamell, Rosinen und getrocknete Aprikosen. Als Fundament brodelt im Hintergrund eine deftige Bratensoße (Flo von BAT beschrieb - so denke ich - genau diese Note als "fleischig") mit Gummi und Altmetall. Das alles gefällt mir sehr gut, aber haut mich noch nicht so richtig vom Hocker. Das ändert sich aber nach fast 2 Stunden des Atmens und ein paar kleinen Schlücken. Das Bouquet gewinnt an Fahrt und ich bekomme noch eine schwere florale Note, Marzipan mit Orangenschale und mehr Zimt.

GAUMEN: Während der ziemlich hohe Alkoholgehalt beim Riechen nicht weiter aufgefallen ist, ist er beim Trinken doch schon deutlich zu spüren. Der Rum ist zunächst bei den ersten kleinen Schlücken sehr trocken gepaart mit dieser Deftigkeit. Es fehlt ihm zunächst noch jegliche Art von Süße, was mir zuerst nicht sonderlich gut gefällt. Aber auch hier gewinnt der Rum mit der Zeit im Glas, denn es kommt mehr und mehr diese Karamell-Gummi-Süße zum Vorschein, die ich an Caronis so gern hab.

ABGANG: Süße gepaart mit deftiger Bratensoße, Gummi, Eiche, Anis und Süßholz. Sehr lange bleibt dieser Aromenmix im Mundraum.

KOMMENTAR: Diesen deftigen Touch - Bratensoße ist vermutlich hier auch nicht wirklich treffend - muss man mögen, denn er ist definitiv ein Key-Feature dieser Abfüllung, was natürlich nicht heissen soll, dass dieser Caroni nur nach Bratensoße schmeckt ;-). Mir hat er sehr gut gefallen, auch wenn er nicht zu meinen Favoriten unter den (Velier) Caronis zählt.
91/100
Caroni 1998 21 Jahre
Employee Dayanand "Yunkoo" Balloon
Velier, 68,3%,
NASE: "Yunkoo" wirkt gesetzter, geschmeidiger und ruhiger als "Brigade". Hier gibt es keine Anzeichen von dieser deftigen Note. Das Profil erinnert mich zunächst mehr an einen tropisch gereiften Diamond mit Klebstoff, Kokos, Rosinen, Zimt, Kakao, Nelken und etwas Gummi. Auch hier ändert sich das Bouquet nach 1-2 Stunden und der Rum wandelt sich wieder mehr in Richtung klassischem Caroni mit deutlicherem Gummi, Benzin und Teer, wenn auch im Hintergrund bleibend. Auch hier bekomme ich diese schweren floaren Noten wie bei "Brigade". Beide Nasen gefallen mir auf ihre Art sehr gut und ich würde spontan vermutlich "Yunkoo" lediglich einen kleinen Vorsprung geben.

GAUMEN: Hier habe ich sofort diese Süße, die ich bei "Brigade" am Anfang vermisst habe. Diese karamellige (natürliche!) Süße bildet einen schönen Gegenpart zu der trockenen Eichenwürze, die auch hier sehr präsent ist. Dazu etwas Gummi. Der Alkohol ist hier gefährlich gut integriert.

ABGANG: Kurzes, intensives Brennen zuerst. 68% Alkohol können sich dann einfach doch nicht komplett verstecken. Dann wieder Süße, Eiche und Gummi. Es bleibt sehr lange dieser wunderbare Caroni-Mix aus Karamell, Anis, Süßholz und Gummi/Teer im Mundraum.

KOMMENTAR: Ein sehr schöner Rum, der mir bei zwei direkten Vergleichstastings einen Tick besser gefallen hat als "Brigade". Aber auch "Yunkoo" wird es nicht in meine All-Time-Caroni-Favoritenliste schaffen.
92/100
Auch wenn beide Rums nicht zu meinen Caroni-Lieblingen zählen, finde ich beide sehr passend in der Employee-Reihe aufgehoben. An den überragend guten Gansesh "Buju" kamen sie bei weitem nicht ran, aber "Kevon" haben sie - in meinen Augen - deutlich übertroffen.

Freitag, 27. November 2020

Velier Caroni Employee 2000 Basdeo "Dicky" Ramsarran

Zur großen Überraschung der Caroni-Fan-Gemeinde hatte Velier diesen Herbst das 4. Release der Caroni Employees und damit das 2. in 2020 auf den Markt gebracht. Damit fehlen nur noch 4 Employee-Abfüllungen insgesamt, die 2021 dann released werden sollen. Was auffällig an dieser 4. Release-Reihe ist, ist das Fehlen des Jahrgangs 1996. Es gibt zwei 1998-Abfüllungen und eine des Jahrgangs 2000. Für mich könnte das durchaus bedeuten, dass es keine 1996er-Employees mehr geben wird. Warum sonst sollte man diese Release-"Ästhetik" brechen?! Das sind aber nur Vermutungen meinerseits. Ich fange heute mit dem Release des Jahrgangs 2000 an, dem Employee Basdeo "Dicky" Ramsarran, der 20 Jahre bei Caroni gearbeitet hatte. Daneben werde ich mir die 2000-Abfüllung der 3. Release-Reihe einschenken, nämlich Nita "Nitz" Hogan. Wie üblich lasse ich beide Rum weit über eine Stunde atmen.
Caroni 2000 19 Jahre
Employee 2000 Basdeo "Dicky" Ramsarran
Velier, 64,3%
6 Fässer HTR-Caroni des Jahrgangs 2000 wurden hier nach 19 Jahren Reifung auf Trinidad vermählt. Rum Tasting Notes App Link
NASE: Eine schöne, intensive und stiltypische 2000er Caroni-Nase empfängt mich. Einiges an Gummi-, Tankstellen-, Asphaltaromen und Altmetall kommen mir da entgegen. Dazu schöne warme Eichentöne von den 19 Jahren tropischer Reifung. Vanille, Karamell, Marzipan, Zimt, Orangenschalen. Ich vergleiche parallel mit Nita: Diese ist dunkler und reifer. Weniger dreckige Caroni-Noten und dafür Kirschen, Kakao, mehr Nüsse und etwas Menthol. Beide Bouquets gefallen mir sehr, sehr gut und ich könnte da jetzt keinen Favoriten wählen.

GAUMEN: Sehr intensiv und kräftig. Die knappen 65% machen ordentlich Druck ohne dass dabei aber der Alkohol als solches störend zu merken wäre. Es bleibt ein öliges Mundgefühl mit Gummi, Asphalt, Karamell und Eiche. Die Eiche wird mir hier aber an keiner Stelle zu viel, was bei tropischer Reifung schnell passieren kann und sich dann eine Menthol-/Hustenbonbonnote breit macht. Hier keine Spur davon. Gefällt mir richtig gut! Im Vergleich zu Nita fällt wieder auf, dass Nita etwas mehr Eiche abbekommen hat und damit dunkler und reifer rüberkommt, was allerdings etwas zu dieser Mentholnote führt. Alles weit weg von dramatisch, aber im Vergleich fällt es eben auf.

ABGANG: Klassischer und langer Caroni-Abgang mit diesem herrlichen Mix aus süßem Toffee, weichem Gummi, Benzin und Süßholz. Der Unterschied zu Nita zieht sich auch hier durch: Nita hat etwas Hustenbonbons, leichte Bitterkeit und etwas weniger Gummi, bleibt aber auch richtig, richtig lecker.

94/100
Am Ende gefällt mir heute Basdeo "Dicky" Ramsarran ein wenig besser als Nita "Nitz". Beide Rums sind richtig gute Caronis auf sehr hohem Niveau! Klasse!

Montag, 7. September 2020

Velier Caroni Employee 2000 "Nita"

Meine Reviews zu den Velier Caroni Employees 2020 geht in die letzte Runde - dem Jahrgang 2000. Da hiervon noch einige Samples in meinem Schrank auf ihren Einsatz warten, nutze ich diese Gelegenheit für einen großen 2000er-Vergleich. Die heutige Menüfolge sieht folgendermaßen aus:

- 12 Jahre Extra Strong
- 15 Jahre Millenium
- 15 Jahre SC The Nectar
- 15 Jahre SC Juul's
- 17 Jahre EU-Version
- 17 Jahre SC Eataly
- 18 Jahre Replica
- 19 Jahre Employee Nita.

Wir haben also eine Reifungsspanne von 7 Jahren vor uns mit ABVs zwischen 50% und etwas über 70%. Es dürfte sehr spannend und heftig für die Sinne werden. Um mich in den kommenden Notes nicht dauernd zu wiederholen: Die Fassstärken (Nita und gerade die drei Single Casks) waren zu Beginn deutlich verschlossener als die anderen und brauchen definitiv 1-2 Stunden zum Öffnen. Nita kommt auch mit etwas weniger schon aus. Vielleicht sogar mit einem Tropfen Wasser zum Ankitzeln bei den SCs. Gerade der Nectar ist extrem verschlossen. Legen wir los...
Caroni 12 Jahre "Extra Strong"
Velier, 50%, 2000/2012
Mit 30.000 Flaschen das Velier-Caroni-Bottling mit der größten Auflage. Zu einem Ausgabepreis von unglaublichen 35-40€. Ich denke jeder Caroni-Fan hatte den schonmal im Glas. Wenn nicht, bitte unbedingt nachholen! Rum Tasting Notes App Link
NASE: Sehr Stil-typisch. Wir haben hier eine Menge Brennerei-Charakter mit Gummi, Benzin und Teer. Dazu Toffee und eine schöne Fruchtigkeit mit Mangos und Orangen. Die Verdünnung von wahrscheinlich ca. 70% runter auf 50% und das junge Alter merkt man ihm allerdings an. Durch die Verdünnung wurde ihm schon der ein oder andere Zahn gezogen. Die Jugend wiederrum ist ganz spannend, da eben weniger Fass und mehr Brennerei-Charakter durchkommt.

GAUMEN: Auch hier bemerke ich die Verdünnung. Dennoch kommt da ganz viel kribbelnder Gummi und Teer gepaart mit etwas von der Süße aus der Nase. Zuerst ölig und dann immer trockender werdend.

ABGANG: Sehr trocken und zunehmend bitter werdend. Am Ende bleibt der volle dreckige Caroni-Flavour im Mundraum hängen.

KOMMENTAR: Was soll ich da noch groß neues sagen? Damals hätte man gar nicht genug Flaschen kaufen können zu dem Ausgabepreis. Ein echt schöner Bilderbuch-Standard-Caroni, der dann aber mit seinen großen Brüdern (auch der anderen Jahrgänge) einfach nicht mithalten kann in Sachen Reife und Komplexität.
86/100
Caroni 15 Jahre "Millenium" Magnum
Velier, 60%, 2000/2015
NASE: Ich empfinde das Bouquet als logische Fortsetzung des 12ers. Die 10% mehr Alkohol und 3 Jahre mehr spürt man hier. Alles ist etwas intensiver und dunkler. Der Brennerei-Charakter kommt auch hier sehr gut raus, wenn auch in leicht anderer Form. So wie weiter unten beim Eataly Single Cask, habe ich auch hier eher verbranntere Noten. Verbranntes Karamell, verbranntes Gummi und eine andere "Fehl"-Note, die ich kenne, aber gerade einfach nicht abrufen kann. Dazu im Hintergrund die so oft typischen Noten von Menthol und Erkältungssalben wie "Wick Vaporup". Mir gefällt die Nase sehr gut.

GAUMEN: Auch hier spürbar kraftvoller mit viel Gummi und süßem Toffee. Weniger Frucht als beim 12er, aber dafür mehr Toffee und insgesamt süßer. Die trockene, leichte Bitterkeit des 12ers ist hier weniger. Hinzu kommt wieder das Methol aus der Nase.

ABGANG: Auch hier Gummi, Teer, Menthol und deutliche Eichennoten. Eine leichte Bitterkeit setzt ein. Trockener werdend.

88/100
Caroni "Juul's"
Single Cask 15 Jahre
Velier, 70,2%, 2000/2015
NASE: Viel Toffee. Cremig und süß wirkt die Nase nach dem ersten Öffnen nach 2 Stunden Atmen! Dann ordentlich Schoko-Kirschen, Orangenöl und Marzipan. Ich habe oft einen Kirsch-Eindruck, wenn sich Eichenaromen mit einem angenehmen Alkoholdunst verbinden. Ich mag das sehr gerne. Besonders dreckig empfinde ich ihn nicht. Klar, Caroni ist sofort zu erkennen. Vor allem Tankstellenaromen sind auszumachen, aber er wirkt irgendwie elegant und edel auf mich. Definitiv eine andere Richtung als das "Eataly" Single Cask weiter unten. Je mehr er sich öffnet und je länger ich schnuppere, gefällt er mir immer besser. Ein echt tolles Bouquet!

GAUMEN: Sehr intensiv, cremig und ölig. Sehr fokussiert und präzise irgendwie. Ein tolles Munsgefühl. Wieder viel Toffee-Süße, Orangenöl und etwas Tankstelle.

ABGANG: Es geht cremig und süß weiter. Wieder konzentriert auf die Hauptaromen dieses Fasses mit einer zusätzlichen Frucht-Komponente, die wie so oft in Richtung Mango geht. Es bleibt der übliche, eher trockene, Gummi-Geschmack im gesamten Mundraum hängen. Herrlich.

KOMMENTAR: Ich empfinde ihn als eher weniger komplex (auf Caroni-Niveau beziehen!), sondern vielmehr eben fokussiert auf wenige Aromen. Die kommen aber echt mega gut rüber. Ein absoluter Spitzen-Rum!
94/100
Caroni "The Nectar"
Single Cask 15 Jahre
Velier, 70,4%, 2000/2015
NASE: Und wieder ein leicht anderes Fass. Im Prinzip dem Juul's recht ähnlich, aber dennoch hat der Nectar für mich eine recht dominante Gewürznote nach Fenchel und Anis, die irgendwie nicht verschinden will. Man ahnt es vermutlich an der Formulierung: Ich finde diese Note nicht so toll. Gleichzeitig fahren hier die dreckigen Eindrücke wieder etwas mehr hoch. Nach beinahe 3 Stunden verschwinden die beiden Gewürze fast komplett und es entwickelt sich eine schöne Möbelpoliturnote. Den Charakter würde auch hier als eher elegant und edel bezeichnen. Eine richtig schöne Nase, die dem Juul's eigentlich (die Fenchel/Anis-Thematik) in nichts nachsteht.

GAUMEN: Was soll ich sagen? Wieder super kraftvoll und zugleich cremig, ölig und süß. Wieder ein herrliches Mundgefühl. Von Anis oder Fenchel spüre ich hier nichts mehr.

ABGANG: Brutal cremig. Einfach großartig. Toffee, Milchkaffee, Gummi und vielleicht eine Rosine. Das wäre doch mal ein Sirup für Kaffeehausketten. Schön Toffee-Gummi-Flavour ;-)

KOMMENTAR: Gleiche Liga wie der Juul's und prinzipiell auch eine sehr ähnliche Charakteristik, wenn auch etwas anders in den Details. Für diese beiden muss man aber echt Zeit mitbringen. Diese Drams sollte man bereits am Spätnachmittag einschenken, damit sie dann abends startklar sind.
94/100
Caroni "Eataly"
Single Cask 17 Jahre
Velier, 68,4%, 2000/2017
NASE: Eher etwas verbrannter im Stil. Verbranntes Gummi, verbranntes Karamell. Dann Tankstelle, eine gewisse tropische Fruchtigkeit und wieder Schoko-Kirschen. Im Hintergrund etwas Schwefel. Die Nase gefällt mir. Sie hat was dunkles und motoröliges.

GAUMEN: Die eher bittere, schwer-ölige und dunkel-angebrannte Richtung wird hier fortgeführt. Walnüsse fallen mir spontan ein. Dazu die Noten aus der Nase. Es entwickelt sich von Schluck zu Schluck eine schöne süße Fruchtigkeit.

ABGANG: Kakao, Toffee, Gummi und Menthol. Die angenehme Süße, die sich bereits am Gaumen gebildet hat, begleitet die Tannine.

KOMMENTAR: Auch wenn die anderen Nerds in der Caroni-Szene den "Eataly" tendenziell eher nicht so schätzen, muss ich sagen, dass er mir echt gut gefällt. Er ist zwar definitiv nicht mein Lieblings-Caroni und ich würde niemals die mittlerweile sehr hohen Preise dafür zahlen, aber ich finde ihn dennoch richtig gut!
91/100
Caroni Employee "Nita"
19 Jahre
Velier, 65,2%, 2000/2020
8 HTR-Fässer haben hier 1247 Flaschen ergeben. Rum Tasting Notes App Link
NASE: Intensiv, dunkel, voll und dreckig. Man merkt zwar, dass er noch nicht über 20 Jahre alt ist wie beispielsweise die anderen Employees, aber Nita hat schon merklich mehr Eiche abbekommen als alle Vorgänger. Sie ist ja auch quasi "die alte Dame" des Jahrgangs 2000. Der durchaus ziemlich dreckige, Brennerei-typische Style dieses Jahrgangs ist aber immernoch mehr als deutlich zu spüren. Hier fliegen einem ordentlich Gummi, warmer Asphalt und Tankstellenaromen um die Nase! Dazu viel warmes Toffee mit Orangenöl, Kirschen, Marzipan und Minze/Eukalyptus. Eine echt sehr schöne und stiltypische Nase. Der an sich schöne "EU" fällt da doch schon ganz schön ab im Vergleich. 2 Jahre mehr und dann noch als Fassstärke machen sich da echt bemerkbar.

GAUMEN: Viel Gummi und anderer Caroni-Dreck und eine schöne, cremige Toffee-Süße. Dazu Anis und Menthol. Sehr kraftvoll und intensiv und dennoch ist der Alkohol richtig gut eingebunden.

ABGANG: Menthol, Hustenbonbons und Gummi. Die tropische Eichenfracht fährt hier bei mir bis knapp unter die Grenze meiner Komfortzone. Hier hat für mich persönlich der EU die Nase vorn, da dieser ziemlich geschmeidig bleibt.

KOMMENTAR: Auch wenn die ätherische Hustenbonbon-Note für mich grenzwertig ist und mindestens einen Wertungspunkt gekostet hat, bleibt Nita ein echt schöner Caroni und passt wunderbar ins Bild der toll gelungenen dritten Edition der Employees.
93/100
Puh, das war ein Caroni-Marathon! Ich erlaube mir an dieser Stelle ein vorerst abschließendes Ranking des Jahrgangs 2000:

1. Juul's und Nectar - 94 Punkte
2. Nita - 93 Punkte
3. EU - 92 Punkte
4. Eataly - 91 Punkte
5. Millenium - 88 Punkte
6. Replica - 87 Punkte
7. 12-Jahre - 86 Punkte.

Donnerstag, 27. August 2020

Velier Caroni Employee 1998 "Ganesh"

Ich setze meinen kleinen Ausflug zu den neuen Velier Caroni Employees fort. Heute mit dem Jahrgang 1998 und dem Employee Ganesh. Als Herausforderer muss dieser sich heute dem guten alten Dennis stellen; dem 1998er Employee der ersten Edition und zugleich auch der beste 1998er (noch vor dem Cadenhead HTR 18 Jahre) für mich. Da ich in meinem Sampleschrank noch ein paar 1998er Samples habe, die ich hier noch nicht besprochen habe, wie bspw. den sogenannten "No Smoking", werde ich die heutige Gelegenheit nutzen und auch sie mit auf den Tisch packen. 5 Caronis warten auf mich - fangen wir besser an...
Caroni 1998 15 Jahre
"Extra Strong"
Velier, 52%,
Fangen wir zum Aufwärmen mit einem Caroni-Leichtgewicht aus 2013 an von dem es damals um die sagenhafte 20.000 Flaschen gab, was vermutlich so um die 80 Fässer gewesen sind. Leichtgewicht wegen der recht heftigen Verdünnung auf 52% und eben dem generell recht smoothen Profil dieser Abfüllung. Aber ich greife vor... Rum Tasting Notes App Link
NASE: Weich und rund, aber trotzdem relativ aromatisch. Viel Karamell, Milchschokolade, Vanille. Dazu Kokos, etwas Rosinen, Pflaumenmarmelade und im Hintergrund dann Tankstellen- und Gummiaromen. Es springt einem hier sicherlich kein Über-Caroni aus dem Glas an, aber die Nase macht Spaß und ist sehr angenehm.

GAUMEN: Wieder eher weich und süßlich. Kokos, Milchschokolade, angebranntes Karamell und Gummi.

ABGANG: Zuerst etwas bitter, dann baut sich eine plötzliche Note von ätherischen Ölen auf. Irgendwas in Richtung Minze, Eukalyptus. Eine Mischung aus Süß und leicht Minz-Scharf und kühlend.

87/100
Caroni 1998 16 Jahre HP
"No Smoking"
Velier, 55%,
Machen wir weiter mit dem recht beliebten 33. regulären Velier-Caroni-Release aus dem Jahre 2014, das damals 3850 Flaschen ergab. Rum Tasting Notes App Link
NASE: Die Grundaromatik ist dem Vorgänger sehr ähnlich, was auch nicht sonderlich überrascht, da nur 1 Jahr älter und nur 3% mehr Alkohol. Dennoch ist der "No Smoking" wesentlich intensiver und die einzelnen Aromen kommen deutlicher hervor. Hier habe ich etwas weniger Milchschokolade und mehr Rosinen und andere Trockenfrüchte. Teilweise in Richtung Honig gehende Süße. Auch die dreckigen Caroni-Aromen sind ausgeprägter mit deutlich mehr frisch geteerter Straße und rauchendem Asphalt.

GAUMEN: Wieder deutlich komplexer als der 15er. Nicht so süß (aber dennoch auch süß), sondern eher leicht bitter. Angebranntes Karamell, Teer, Eiche und Gewürze wie Nelken und Piment.

ABGANG: Es wird wieder etwas süßer nachdem der am Gaumen schon recht trocken war. Teer, Toffee, Gewürze und etwas Orangenschale.

KOMMENTAR: Der "No Smoking" ist schon merklich anspruchsvoller als der 15-jährige "Extra Strong". Hier passiert einfach viel mehr und alles ist auf einem anderen Intensitätslevel. Ein echt schöner 1998er Caroni, der nicht umsonst einen ziemlich guten Ruf hat!
91/100
Caroni 1998 20 Jahre
The Duchess, 64,6%,
Kommen wir zum einzigen Non-Velier der heutigen Runde und somit zum einzigen, der lediglich bis maximal 2007/2008 auf Trinidad lagerte und danach (nach den Caroni-Auktionen) nach Europa gebracht wurde. Damit wäre er 50% tropisch und 50% kontinental gereift. Rum Tasting Notes App Link
NASE: Der Unterschied zu seinen tropischen Brüdern ist recht deutlich finde ich. Er ist frischer und hell-würziger. Weniger warm und dunkel. Fenchel, Anis, zarte Vanille, Toffee, etwas Haselnüsse, leicht grasig teilweise sogar. Die dreckigen Aromen, hier sehr dominant angekohlter Gummi, sind etwas stärker ausgeprägt als bei den Vorgängern.

GAUMEN: Cremig und leicht ölig trotz der recht hohen Prozente. Spiegelt 1:1 die Nase wieder. Insgesamt wirkt er nicht so einnehmend wie die Veliers.

ABGANG: Recht kurz und wenig spektakulär. Anis, Fenchel, Toffee und etwas Gummi.

KOMMENTAR: Der schwächste der Runde. Bleibt aber trotzdem noch ein leckerer Rum.
85/100
Caroni 1998 21 Jahre
Employee Ganesh "Buju" Ramgobie
Velier, 67%,
Kommen wir nun zum Highlight des heutigen Posts: Der Employee-Abfüllung "Ganesh". Es wurden immerhin 7 Fässer HTR-Caroni des Jahrgangs 1998 nach 21 Jahren Reifung vermählt. Die Reifung hat mutmaßlich gänzlich auf Trinidad stattgefunden und nicht ab 2008 in Guyana so wie es auf dem Label steht. Der Herausforderer Dennis wartet schon im Ring, ähh im Glas. Rum Tasting Notes App Link
NASE: Super warm, dunkel, süß und intensiv. Mein erster Eindruck nachdem ich nach einer Stunde des Atmens den Deckel vom Glas genommen habe ist extrem positiv. Die 21 Jahre merkt man ihm auf jeden Fall an. Viel warme Eichentöne. Kakao, Zimt, Nelken, Leder, Toffee, Kirschen, Mangos, Trockenfrüchte, Pflaumenmarmelade und Orangenöl. Und schon weit im Hintergrund etwas Teer und Benzin. Der könnte einem in einem Blindtasting als Caroni auch entgehen, was hier nicht negativ zu verstehen ist. Ich vergleiche mit Dennis... Dennis ist spürbar dreckiger, aber auch merklich frischer und weniger eichenbetont. (Alles bitte auf 20 und mehr tropische Jahre und Caroni-Verhältnisse beziehen!). Qualitativ stehen sich beide hier in nichts nach. Heute würde ich aber tatsächlich Ganesh bevorzugen, da mir gerade in diesem Moment dieses warme und dunkle Bouquet mehr zusagt.

GAUMEN: Ölig, cremig und warm. Mundausfüllend. Herrliches Mundgefühl! Sehr kräftig, aber der Alkohol ist echt super eingebunden. Viel Eiche (aber nicht zu viel), angebranntes Karamell, Kakao, Möbelpolitur, Teer und etwas fruchtige Süße. Dennis ist hier im direkten Vergleich deutlich kratzbürstiger und dreckiger. Flacher, wenn man so will.

ABGANG: Recht dreckig mit Teer und rauchendem Asphalt. Trockener werdend. Der Unterschied zu Dennis ist hier nicht mehr so groß.

KOMMENTAR: Ein echt toller Caroni! Ganesh hat mir (heute zumindest) deutlich besser gefallen als Dennis. Ich gebe ihm erstmal stolze 95 Punkte, einen mehr als dem 1996er Employee Vijay. Ich werde mir nach der 2000er Nita nochmal alle neuen Employees vorknöpfen müssen, um deren internes Ranking für mich zu bestimmen.
Nach einem Quervergleich mit den anderen Employees, muss ich echt sagen, dass Ganesh für mich der beste Employee der gesamten Reihe ist! Der hat was (gerade im Bouquet), das mich einfach nicht loslässt.
96/100
Dennis war auf jeden Fall der dreckigste der heutigen Runde. Ein echt toller Caroni, keine Frage. Aber Ganesh hatte da heute bei mir einfach die Nase vorn und ist der "Sieger" des Abends. Auch hier merke ich es wieder: Rankings und Punktewertungen sind echt eine schwierige bis unlösbare Aufgabe. Eigentlich müsste man ständig alles mit allem direkt vergleichen, was natürlich unmöglich ist. Von daher kann ich jedem regelmäßigen Leser dieses kleinen Blogs nur raten, die Wertungen nicht allzu genau zu nehmen, sondern vielmehr als "Gefühl" und grobe Einordnung.

Donnerstag, 13. August 2020

Velier Caroni Employee 1996 "Vijay"

Ich beginne meinen kleinen Ausflug in die neuen Employees mit dem Jahrgang 1996 - Vijay Ranmarine gewidmet. Wie alle aktuellen Velier Caroni Releases wurde dieser im April 2019 nach dem großen Caroni Tasting in Cognac in Stahltanks umgefüllt. D.h. für alle Releases, die schon kamen (wie "The Last" oder die zweite Edition der Employees) und noch kommen werden, endete die Reifung zu diesem Zeitpunkt. Auch wenn in Online-Shops dieser Fakt oftmals nicht berücksichtigt wird und z.B. "Vijay" als 24 Jahre alt betitelt wird.

Um "Vijay" besser einordnen zu können, schenke ich mir noch den 1996er "Sarge" aus der zweiten Employee-Edition (auch Trinidad-Stock) ein, der mir nicht so wirklich gut gefallen hat (auf hohes Caroni-Niveau bezogen!). Weiterhin steht hier noch ein Glas mit "The Last" auf dem Tisch, der bei mir richtig gut ankam und ebenfalls 23 Jahre alt ist, aber im Gegensatz zu den anderen beiden dem Guyana-Stock entstammt (ab 2008 Lagerung bei DDL in Guyana).

Meine Erwartungen? Ich bin ganz ehrlich: Nach "Sarge" und dem 1998er "Kevon" aus der zweiten Edition bin ich nicht mehr ganz so euphorisch und könnte mir einfach vorstellen, dass mittlerweile einfach alle guten Fässer (zumindest bis einschließlich Jahrgang 1998) bereits abgefüllt worden sind und das Umfüllen in Stahltanks 1-2 Jahre zu spät vorgenommen wurde. Und ja, ich weiss, "The Last" ist hier bei meiner These eine Ausnahme. Nichtsdestotrotz freue ich mich natürlich auf das heutige Tasting und bin sehr neugierig, denn eines muss hier nochmal gesagt werden: (Velier) Caroni ist eigentlich fast immer auf sehr hohem Niveau unterwegs und "Enttäuschungen" entstehen da natürlich sehr schnell, wenn da eine Abfüllung mal nicht die 90-Punkte-Marke knackt!
Caroni 1996 23 Jahre
Employee "Vijay" Ranmarine
Velier, 64,5%,
Lediglich 4 Fässer HTR-Caroni des Jahrgangs wurden hier nach 23 Jahren Reifung auf Trinidad vermählt. Rum Tasting Notes App Link
NASE: Die Nase ist - wie so oft bei Fasstärken dieser Bauart - anfangs recht verschlossen und gibt erst nach über einer Stunde alle Aromen frei. Schwer, warm und irgendwie weich und cremig präsentiert sich das Bouquet. Viel Eiche, Toffee, Nüsse, Leder, Kakao, etwas Kirschen, Orangenschalen und Rosenwasser. Die üblichen dreckigen Caroni-Aromen sind nach 23 Jahren in Fässern auf Trinidad schon sehr merklich in den Hintergrund gedrängt worden. Dennoch sind sie da und der Rum ist ohne Zweifel als ein Caroni zu erkennen. Der gute "Sarge" wirkt dagegen unausgeglichen, leicht alkoholisch und sehr eichenbetont. Der "Last" im Vergleich ist deutlich fruchtiger und süßer. Bei letzterem habe ich Mangos und andere tropische Früchte sowie Honigeindrücke. Und eine leichte Assoziation zu Cognac oder Armagnac. Etwas traubiges. Ich muss in diesem Moment sagen, dass mir der etwas trockenere "Vijay" etwas mehr zusagt als der ebenso hervorragende "Last". Das könnte aber morgen auch wieder anders aussehen. Je nach Tageslaune denke ich. Und ja, "Sarge" ist draussen, auch wenn dieser kein schlechter Rum ist. Bitte nicht missverstehen.

GAUMEN: Sehr kräftig und intensiv, aber der Alkohol bleibt super eingebunden. Zuallererst breiten sich durchaus ordentlich Tannine mit Menthol und Schwarztee im Mundraum aus. Gefolgt von einer guten Portion Gummi, Toffee und Rosinensüße. Ölig, cremig und bitter-süß. Bei "Sarge" habe ich deutlich mehr Menthol und dazu eine recht auffällige Alkoholschärfe. Der "Last" bringt zwar auch ordentlich Tannine mit, ist aber trotzdem sehr cremig, fruchtig-süß und smooth schon irgendwie. Die dreckigen Elemente habe ich bei letzterem fast gar nicht.

ABGANG: Hier baut sich neben dem Gummi und Menthol eine schöne fruchtige Süße auf. Kandierte Orangen, Rosinen, Mangos. Am Ende deutlich astringierend.

94/100
Ich bin positiv überrascht! "Vijay" hat meine eher nürchternen Erwartungen übertroffen. Der gefällt mir echt richtig gut und ich sehe ihn qualitativ auf gleicher Höhe wie den "Last", auch wenn beide überhaupt nicht gleich sind. "Vijay" ist etwas dreckiger und trockener während der "Last" fruchtiger, süßer und weniger dreckig ist. "Sarge" gehört nach wie vor nicht zu meinen Caroni-Favoriten, obwohl er ein guter Rum ist; das nur nochmal angemerkt.

Dienstag, 9. Juni 2020

Velier Caroni 1992/2012 20 Jahre HP vs. FP ("Hangar")

Velier hat aus dem Jahrgang 1992 nur 4 Abfüllungen auf den Markt gebracht. (Andere Abfüller noch weniger bzw. bis auf Bristol im Trinity eigentlich gar keine.) Insgesamt haben die 4 Abfüllungen zusammen 18.308 Flaschen ergeben. Das liegt aber mittlweile schon Jahre zurück und von daher sind diese Flaschen ziemlich rar und demnach auch eher teure Sammlerstücke.

Hier eine Übersicht der Velier - Bottlings:
    1992 / 2010 18 Jahre, 55 % (9253 Flaschen)
    1992/2010 18 Jahre, 61.2% (3457 Flaschen)
Caroni 20 Jahre
High-Proof
1992/2012
Velier, 55%, "Hangar"
NASE: Schöne, schwere und dunkle Caroni-Nase, die sich sehr schnell im Glas entfaltet. Teer, verbranntes Gummi, Möbelpolitur, alles mit dabei und in einem recht ausgeglichenen Verhältnis zu den weiteren Aromen aus dem Fass. Menthol, Kaffee, Kakao, Mandeln, Kirschen, Rosinen und Toffee. Das Bouquet wirkt sehr gesetzt, aber trotzdem kraftvoll und intensiv und schickt wieder einmal mehr so viele andere Rums zum Nachsitzen.

GAUMEN: Ölig und süß zu Beginn. Dann ein heftiger Schub Menthol, Hustensirup, Teer und verbranntes Gummi. Die 55% sind wunderbar trinkbar, aber die Eichenfracht ist mir dann teilweise etwas zu heftig. Sehr viel Menthol, Lakritz und artverwandtes. Das ist für 20 Jahre in den Tropen nicht verwunderlich, aber hat hier schon ein Level erreicht, das ich eher von etwas älteren kenne. Ich muss aber sagen, dass nach ein paar keineren Schlücken (auch parallel vom Full-Proof) sich mein Gaumen an die Eiche immer mehr gewöhnt und ich es als immer angenehmer empfinge.

ABGANG: Beginnt mit Menthol und wird durch viel Kakao, ein paar Rosinen und ein paar der dreckigen Elemente sehr schön ergänzt. Hintenraus blitzt eine angenehme Karamellsüße hervor.

94/100
Caroni 20 Jahre
Full-Proof
1992/2012
Velier, 60,21%, "Hangar"
NASE: Wie es sich für Fassstärken dieses Alters so gehört ist dieser am Anfang natürlich recht verschlossen und der Alkohol zwickt etwas in der Nase. Dann entfaltet sich aber ein Caroni-Wahnsinn, wie es ihn nicht oft gibt. Vom Grundcharakter dem Vorgänger logischerweise recht ähnlich, nur eben intensiver, dunkler und tiefer. Die Fruchtkomponente ist mit Orangenöl, Kirschen, Pflaumenmarmelade und Mangos betörend. Eine unfassbar schöne Nase!

GAUMEN: Die paar mehr Prozente sind nicht wirklich zu spüren, was ein Brennen o.ä. betrifft. Was aber auffällt ist eine etwas weniger ausgeprägte Menthol- und Hustensirupnote. Dafür Teer, Gummi und eine sehr trockene Eiche nach einem ölig-süßen Start. Staubtrocken geht es in den Abgang.

ABGANG: Sehr trocken. Espresso, Tabak, verbranntes Gummi, Lakritz und diverse Gewürze.

96/100
Was soll man da noch neues zu sagen?! Das sind einfach unfassbare gute Rums, die in dieser Qualität und Ausprägung leider vom Aussterben betroht sind. Keiner, der etwas auf seine finanzielle Situation achtet, lässt seine Rums eine so lange Zeit in diesem Klima liegen. Luca Gargano hatte vor einiger Zeit mal in einem Interview gesagt, dass es in der gesamten Karibik wohl nur um die 300 Fässer gibt, die über 20 Jahre alt sind.
Zurück zu den Rums: Die Bouquets sind bei mir, was die Wertung angeht, in schwindelerregenden Höhen. Viel besser, voller und intensiver geht es eigentlich nicht mehr. Hier kommt einfach alles zusammen, was einen guten Caroni ausmacht: Die dreckigen Komponenten und eine reife Eichenfracht gepaart mit einer gewissen Fruchtigkeit und Karamell. Gerade beim Full-Proof. Einen kleinen Punktabzug gab es wegen der teilweise sehr heftigen Eiche, aber das macht in diesen Wertungs-Dimensionen keinen großen Unterschied mehr.

Donnerstag, 7. Mai 2020

Velier Caroni 1994 23 Jahre HP vs. FP


Es geht weiter mit dem Caroni-Jahrgang 1994. Wie angekündigt nehme ich mir heute die 2017 erschienenen 23-jährigen Abfüllungen in High- und Full-Proof vor. Die Full-Proof-Variante ist unter Sammlern beliebt, da es davon nur 600 Flaschen gibt, die auch noch mundgeblasen sind. Dementsprechend sind auch die Preise sehr schnell in die Höhe geschossen, was ihn für "Trinker" eher unattraktiv werden lässt. Der High-Proof mit dem gelben Design, von dem es 3200 Flaschen gab, erlebt ein Auf- und Ab der Gefühle. Generell eher ein wenig das ungeliebte Kind, aber es gibt auch immer wieder Befürworter, wie etwa unser guter Florian von BAT, die versuchen dieser Abfüllung wieder etwas mehr Wertschätzung entgegen zu bringen.
Caroni 23 Jahre
High-Proof
1994/2017

Velier, 57,18%, "Gelb"
NASE: Ein sehr dunkles, schweres, intensives und "altes" Bouquet empfängt mich. Viel Eiche mit ätherischen Ölen von Menthol und anderen Hustenmedikamenten, verbranntes Karamell, dunkle Schokolade, Leder/Tabak, Mangos, Orangenschalen und etwas Teer und Gummi im Hintergrund. Der könnte einem in einem Blindtasting als Caroni glatt durch die Lappen gehen, da die stiltypischen Elemente sehr stark durch die Tannine in den Hintergrund gedrängt wurden. "Dennoch" ist die Nase richtig gediegen und schön! (Mit Tendenz in Richtung zu viel Eiche - für mein persönliches Empfinden)

GAUMEN: Sehr kraftvoll und würzig. Leicht britzlend auf der Zunge. Es beginnt mit einer guten Ladung verbranntem Karamell und Gummi und dann braust eine starke Bitterkeit mit viel Menthol- und Hustenmedikament-Assoziationen heran, die sich in den Abgang hinein ausbreitet.

ABGANG: Tannine satt. Das geht mir hier schon stellenweise echt deutlich zu weit mit der Eiche. Viel Bitterkeit und Menthol. Hintenraus kommt aber nochmal eine schöne matschige-braune-Bananen-Note zum Vorschein.

KOMMENTAR: Durch die sehr präsenten Tannine (gerade beim Trinken) gehört diese Abfüllung ganz sicher nicht zu meinen Lieblings-Caronis, aber von nicht-gut oder untrinkbar ist der ganz weit entfernt. Die Nase allein ist bei mir im 93-95 Punkte-Bereich, aber davon muss ich leider ein paar Punkte abziehen aus besagten Gründen.
91/100
Caroni 23 Jahre
Full-Proof
1994/2017

Velier, 59%, "Orange"
NASE: Sehr ähnlich im Grundcharakter, was nicht sonderlich überraschend ist bei fast identischen Rahmendaten. Wobei es aber doch wahrnehmbare Unterschiede für mich gibt. Dieser hier ist ein stückweit dunkler mit mehr Kakao, Kaffee, Leder und Tabak. Gleichzeitig sind in die ätherischen Öle, Gummi/Teer und die fruchtigen Elemente schwächer ausgeprägt. Die Fruchtigkeit ist eher zu einer Trockenfrucht-Fruchtigkeit geworden. Für mich liegen Wertungs-mäßig aber beide Nasen gleichauf.

GAUMEN: Insgesamt öliger und cremiger als sein High-Proof-Bruder. Es britzelt deutlich weniger auf der Zunge, obwohl er einen Tick mehr Alkohol hat. Ansonsten dominiert hier selbstverständlich auch das Fass mit viel Eiche, Kaffee und Leder. Dazu Trockenfrüchte, die eine gewisse Süße reinbringen, wobei Süße hier im Kontext zu sehen ist.

ABGANG: Sehr trocken. Espresso, Leder und Lakritz. Die Hustenmedikament-Assoziationen habe ich hier weniger. Hintenraus kommt aber wieder die braune Banane vorbeigeschaut.

KOMMENTAR: Ich gebe hier einen Punkt weniger, da der Abgang schon echt heftig trocken und bitter ist.
90/100
2-3 Jahre weniger in den Fässern, also 2014/2015 abgefüllt mit 20 oder 21 Jahren wären die vermutlich auf den Punkt gewesen. So sind sie - für mich - schon deutlich über ihrer Zeit, aber trotzdem muss ich es nochmal erwähnen: Die Bouquets sind sehr edel!

Freitag, 1. Mai 2020

Velier Caroni 1994 (17 Jahre HP und 18 Jahre FP)


Es geht für mich weiter in Caroni-Geschichte. Nachdem ich mich viel mit dem Jahrgang 1996 beschäftigt habe, geht es jetzt weiter mit 1994. Von Velier gibt es 6 reguläre Releases, von anderen Abfüllern soll es ein paar wenige geben, ich habe aber nichts weiteres dazu gefunden. Schaut man sich die Velier-Releases an, fällt das Problem auf mit dem Caroni-Nachzügler wie ich zu kämpfen haben:

- 1994/2011 17 Jahre High-Proof (Strohhut)
- 1994/2011 17 Jahre Full-Proof (Feldarbeiter)
- 1994/2012 18 Jahre High-Proof (Hangar)
- 1994/2012 18 Jahre Full-Proof (Hangar)
- 1994/2017 23 Jahre High-Proof (gelb)
- 1994/2017 23 Jahre Full-Proof (orange).

Die meisten Abfüllungen liegen schon viele Jahre zurück und dementsprechend sind die Preise und die Verfügbarkeiten. Der 17-jährige Full-Proof liegt mittlerweile bei mehr als 1000€, wenn man denn überhaupt an eine solche Flasche käme. Meine sehr gut aufgestellten Caroni-Sample-Quellen konnten mir bei diesem auch nicht weiterhelfen. Meine Erkundung des Jahrgangs 1994 wird sich demnach nur in 2 Posts aufteilen: Diesen hier mit 2 "jüngeren" Abfüllungen und einen weiteren mit den beiden 23-jährigen (Gelb vs. Orange).
Caroni 17 Jahre
High-Proof
1994/2011
Velier, 52%, Strohhut
7142 Flaschen wurden 2011 abgefüllt zu einem Preis, der einem in heutigen Zeiten die Tränen in die Augen treibt. Es wird gemunkelt, dass man für ca. 60€ eine solche Flasche kaufen konnte. Heute liegt sie fast bei dem 10-fachen!
NASE: Eigentlich instant nach dem Eingießen (Sample stammt aus einer bereits geöffneten Flasche) präsentiert sich eine kräftige und tolle Caroni-Aromatik. Sehr deutlich wird das Bouquet von der typischen Gummi-Note angeführt gepaart mit Tankstellendüften, Teer und Möbelpolitur. An zweiter Stelle, aber nicht deutlich weniger kräftig, befindet sich die auch so typische Kombination aus ätherischen/medizinischen Ölen (Menthol, Piniennadeln, Orangenschale), "schweren" tropischen Früchten und Karamell. Eine wunderschöne, stiltypische Caroni-Nase.

GAUMEN: Die 52% sind immernoch (gerade so) kraftvoll genug, um ordentlich dreckigen Caroni-Zauber im Mund zu verbreiten. Gummi und Teer zusammen mit würzigen Elementen aus dem Eichenfass und einer minimalen fruchtigen Süße.

ABGANG: Es beginnt fruchtig-süß und damm kommen ordentlich Gummi und Gewürze. Es wird immer trockener im Mund. Der Abgang ist jetzt nicht super-lang. Da merkt man dann doch die Verdünnung recht deutlich. Was aber lange im Mund bleibt, ist eine schöne Gummi-Note.

KOMMENTAR: Ein Bilderbuch-Caroni! Möchte man auf hohem Niveau mäkeln, dann könnte man erwähnen, dass es ein wenig an Tiefe und Kraft durch die Verdünnung und dem etwas jungem Alter fehlt. Aber das möchte ich nicht ;-)
94/100
Caroni 18 Jahre
Full-Proof
1994/2012
Velier, 62,59%, Hangar
Hiervon gab es lediglich nur 2633 Flaschen, während der Preis damals vermutlich auch deutlich unter 100€ war.
NASE: Wie für (Caroni)-Fassstärken üblich, ist die Nase erstmal relativ verschlossen. Ich lasse ihm eine Stunde unter dem Aromadeckel, um sich zu öffnen. Obwohl nur 1 Jahr älter als der "Strohhut" wirkt die Nase deutlich gesetzter und älter. Ich will nicht sagen, dass der 17-jährige "Strohhut" jung wirkt, aber hier beim 18-jährigen spielt das Fass eine deutlich größere Rolle. Die dreckigen Komponenten (Gummi, Teer usw.) sind zwar noch deutlich zu erkennen, aber merklich im Hintergrund. Ich habe viel Nüsse, Gewürze wie Nelken und Anis, Kaffe und Kako, Karamell und Vanille und Orangenschale. Insgesamt deutlich dunkler und tiefer im Grundcharakter. Eine herrliche Nase! Das ist Rum in der absoluten Oberliga!

GAUMEN: Die 62% sind spürbar. Aber nicht durch Brennen, sondern durch Kraft und Aromenfülle. Ölig und süß verteilt er sich im Mundraum. Hier wird alles aufgefahren, was man von einem tropisch gereiften Caroni erwartet. Gummi, Motoröl, Teer und Eichenwürze. Auch hier wieder eine gute Spur reifer und älter wirkend als der Vorgänger, was erstmal nicht per se als "besser" zu werten ist.

ABGANG: Gewürze und eine schöne Süße zu Beginn, dann wieder trockener werdend mit ordentlich Gummi und Teer, der sehr sehr lange nachhallt.

KOMMENTAR: Mega! Da bleibt mir nicht viel mehr zu sagen. Glücklich sind die, die sich damals hiervon den Keller vollgestellt haben, als er noch verfügbar und billig war.
95/100
Es ist schier surreal, dass man so unfassbare Rums damals quasi hinterhergeworfen bekam. Und diese beiden sind nur 2 Beispiele. Man hätte sich damals (gerade bis 2012) für "nur" ein paar tausend Euro mit Velier-Caronis im absoluten High-End-Bereich für sein gesamtes Leben eindecken können. Es sind zwar alles keine neuen Gedanken, aber ich komme einfach nicht darauf klar, dass diese Kaliber viele Jahre brauchten, um so richtig gefeiert zu werden. Auch zu dieser Zeit gab es doch reichlich Whisky-Freunde, die auf heftige, rauchige Islay-Malts abgefahren sind. Es ist ja auch nicht so, dass vor 10 Jahren nur Watermelon-Man getrunken wurde und Caroni einfach zu heftig war.

Mittwoch, 12. Februar 2020

2x 1996 Verlier Caroni: "The Last" & "Tasting Gang"

Heute geht es zu den letzten 1996er-Caronis aus meinem Inventar und zugleich auch zu den letzten größeren Velier-Releases. Die Rede ist - wie jeder Caroni-Interessierte weiss - vom "The Last", einem "Heavy"-Caroni und vom "Tasting Gang", einem "Blended"-Caroni, die beide im Herbst 2019 erschienen sind.
Blended Caroni 1996/2019 23 Jahre
"Tasting Gang"
Velier, 63,5%,
Hier wurden 22 Fässer abgefüllt, die 1996 mit Heavy- und Light-Type-Rum befüllt wurden. Das "Blending" hat also über die 23 Jahre in den Fässern stattgefunden. Wie die Anteile ausgefallen sind, ist mir nicht bekannt. Ich gehe aber mal davon aus, dass der Großteil Light-Type-Rum sein wird.
NASE: Anfangs dominieren recht starke Klebstoffnoten neben Kokos und Vanille. Mit zwei Tropfen Wasser und einer Stunde Zeit zum Atmen kommen Kaffee, ein paar Nüsse, etwas Leder, Orangenschale und eine salzige Note dazu. Die dreckigen Noten nach Teer und Gummi sind nur marginal im Hintergrund zu erahnen. Es geht tatsächlich in die Richtung Albion (2004) und Skeldon (2000), denn blind hätte ich den Rum eher in diese Schublade gepackt. Da muss ich aber ganz klar sagen, dass mir die Demeraras deutlich besser gefallen haben.

GAUMEN: Süßer und druckvoller Antritt mit Kokos und Rosinen. Der Alkohol ist definitiv zu spüren, aber noch absolut im Rahmen. Weiterhin habe ich salziges Karamell (wie beim Albion etwa) und Kaffee. Erinnert hier im Groben dann aber doch eher an Foursquare.

ABGANG: Beginnt leicht brennend, dann trockener werdend mit deutlicher Eichenwürze und etwas Gummi und Teer.

KOMMENTAR: Als Caroni-Fan holt der mich leider nicht ab. Von dem, was ich in Caroni suche, ist hier sehr wenig zu finden. Für einen tropsch gereiften, leichten Column-Still-Rum muss ich keine 350€ ausgeben.
85/100
Caroni 1996/2019 23 Jahre
"The Last"
Velier, 61,9%,
24 Fässer mit 1996er Heavy-Type-Rum wurde hier abfüllt. Reifen durften sie von 1996 bis 2008 auf Trinidad; danach bis 2019 in Guyana. Insgesamt ergaben das 5522 Flaschen, was als letztes Release für "die Massen" eine schöne Anzahl ist, so dass jeder Fan an eine solche rankommen sollte.
NASE: Der erste Eindruck nach dem Einschenken ist sofort "Caroni". Zwar noch etwas verschlossen, aber deutlich. Auch hier gebe ich zwei Tropfen Wasser dazu und lasse ihn eine Stunde atmen. Danach präsentiert sich mir eine herrlich volle, runde, warme, dunkle, tiefe und betörende Aromenfracht. Mangos, getrocknete Aprikosen, Rosinen, Vanille, angebranntes Karamell, Leder, Kakao, Kaffee und Nüsse. Die Caroni-typischen Aromen von Teer, Gummi und Benzin sind auch deutlich zu erkennen, wenn auch schon durch die lange Reifezeit abgerundet. Die Nase ist eher auf der süßen als auf der herben Seite. Die Eichenwürze ist natürlich deutlich spürbar - alles andere wäre nach 23 Jahren in den Tropen auch sehr sonderbar - aber nicht aufdringlich oder zu heftig. Die Nase ist perfekt. Punkt.

GAUMEN: Sehr intensiv und ölig. Die Eiche und der Alkohol drücken ordentlich auf die Zunge. Kaffee, Menthol, Karamell, Möbelpolitur, Gummi und Teer.

ABGANG: Süß und fruchtig beginnt der Abgang, dann kommt eine kräftige Eichenwelle herangebraust. Sehr viel Menthol. Erinnert mich durch die Süße sehr stark an Hustenbonbons mit Menthol- und Waldbeergeschmack.

KOMMENTAR: Der ist einfach richtig gut. Ein mehr als würdiger Abschluss der großen Velier-Caroni-Bottlings. Einziger negativer Punkt für mich war die sehr starke Hustenbonbon-Note im Abgang. Hätte ich damit kein "Problem", würde ich ihm 96 Punkte geben.
94/100

Freitag, 17. Januar 2020

1996 Caroni Employees Release I vs. II (oder John vs. David)


Es geht weiter mit Caronis aus 1996. Diesmal wieder mit den "Employees". In diesem Post hatte ich aus den ersten beiden Releases bereits die 1998er probiert. Zum Eichen meiner Einschätzung werde ich mir den 1996er "Heavy" danebenstellen, der mir richtig gut gefallen hat. Ich bin gespannt was die heutigen beiden Abfüllungen in Sachen Tannine und Menthol so bringen, denn ich habe festgestellt, dass mir die tropische Reifung "schnell" zu Eichenbetont wird, sprich Tannine, Bitterkeit, Menthol/Minze.

Caroni 22 Jahre 1996/2018 "Employee John 'D' Eversley"

Alk. % vol: 66.5 | Abfüller: Velier | Land: Trinidad

Für diese Abfüllung wurden 5 HTR-Fässer aus 1996 miteinander vermählt, was 1192 Flaschen ergab.

Nase: Nach ca. einer Stunde des Atmens empfängt mich ein sehr schweres, dunkles und reifes Bouquet. Möbelpolitur, altes Holz, Tabak, Zimt, Nelken und Anis. Dazu eine süße, tropische, schwere Fruchtigkeit, Orangenschalen, Schwarztee und das erwartete Methol, aber im Rahmen. Die dreckigen Caroni-Aromen verbergen sich hier schon mittlerweile deutlich im Hintergrund. Das Fass hat hier schon deutlich das Ruder übernommen. Dennoch ist es sofort als Caroni zu erkennen und auch am Jahrgang 1996 ist nicht zu zweifeln. Mit 1-2 Tropfen Wasser wird das Ganze etwas cremiger mit Vanille und Karamell und zusätzlich entwickelt sich über die nächste halbe Stunde eine florale Note. Eine sehr schöne Nase eines reifen Rums. Trotzdem muss ich sagen, dass mir hier etwas die dreckigen Töne fehlen, die ich so sehr an Caroni liebe.

Gaumen: Intensiv, ölig und warm. Der Alkohol ist perfekt eingebunden. Es baut sich eine würzige Eichenfracht auf. Unterstützt wird die Eiche von einer leichten fruchtigen und karamelligen Süße und etwas Gummi und Teer.

Abgang: Die Eiche wird zunehmend astringierender. Kaffee, Tabak, Leder, Möbelpolitur.

Kommentar: Ein sehr, sehr guter Rum. Das ist keine Frage. Ein heftiger Rum, der Nase und Gaumen komplett in Anspruch nimmt. Ich finde ihn nicht verholzt. Die Eiche ist zu keinem Zeitpunkt unangenehm, allerdings überdeckt sie mir hier schon zu stark den Brennereicharakter.
92 Punkte

Caroni 23 Jahre 1996/2019 "Employee David 'Sarge' Charran"

Alk. % vol: 66.5 | Abfüller: Velier | Land: Trinidad

Für diese Abfüllung wurden 4 HTR-Fässer aus 1996 miteinander vermählt, was nur 953 Flaschen ergab.

Nase: Zu Beginn recht verschlossen mit einen deutlich spürbaren Alkoholstich. Ich lasse den Rum weit über eine Stunden atmen. Dann ist für mich der Alkoholstich verschwunden und der Rum hat sich geöffnet. Die Gewürze und das Florale, das ich bei John noch hatte, sind hier deutlich weniger vorhanden. Hier bin ich eher auf der Nuss-, Marzipan-, und Orangenschalenseite. Daneben Karamell, Vanille, grasige Noten und eher dezent die schwere, tropische Fruchtigkeit und ganz weit im Hintergrund Gummi und Teer. Nicht zu vergessen eine sehr dominante Eichennote, die nach 23 Jahren in den Tropen aber auch nicht sonderlich überrascht. Auch hier fehlt es mir aber an Caroni-Dreckigkeit. Insgesamt wirkt die Nase etwas unrund und "müde".

Gaumen: Die Gumminoten werden stärker. Dazu ordentlich Eichenwürze, Anis und weiterhin die leichte Grasikeit, die an Agricole erinnern könnte. Ein leichter Alkoholstich ist wieder zu spüren.

Abgang: Die Grasigkeit wird weiterhin stärker. Astringierende Eiche, Anis, Teer, angebranntes Karamell und etwas Frucht.

Kommentar: Hmmm. Ich sag es ganz ehrlich. Den enormen "Caroni-Preis" würde ich hier für eine ganze Flasche niemals ausgeben! Das Profil geht mir hier zu weit von dem weg, was ich in Caronis suche.
87 Punkte

Oh Mann! Das Ranking fällt mir heute echt schwer. John ist definitiv ein richtig intensives und reifes Kraftpaket; ich denke allerdings trotzdem, dass mir der "Heavy" irgendwie etwas besser gefallen hat. Der "Heavy" ist zugänglicher und eine gute Spur dreckiger mit deutlich weniger Eiche. Dennoch erkenne ich, warum John in der Caroni-Fangemeinde als Meilenstein angesehen wird. David fällt hier auf jeden Fall hinter die beiden.

It goes on with Caronis from 1996. This time with the so called "Employees". Here I had tried the first both Employees from 1998. To adjust my taste buds for todays duo I pour some 1996 "Heavy", which I enjoy a lot. I am curious whether the oak-menthol-notes are getting to heavy for me, because I realized that tropical aging "quickly" tends to be too oaky and mentholy for me.

Caroni 22 y.o. 1996/2018 "Employee John 'D' Eversley"

Alc. % vol: 66.5 | Bottler: Velier | Country: Trinidad

5 barrels of 1996-HTR-Caroni were blended to make a total of 1192 bottles.

Nose: After one hour of breathing a very rich, dark and mature bouquet welcomes me. Furniture polish, old wood, tobacco, cinnamon, cloves and anise. Additional a sweet, fruity, heavy and tropical sweetness. Orange peel, black tea and the expected menthol. The diry Caroni-ness is way in the background. The wood has taken over, which is a bit of a pity for me. 1-2 drops of water pushes vanilla, caramel and a slight floral note.

Mouth: Intense, oily and warm. The alcohol is perfectly integrated. The wood is getting stronger and stronger supported by a slight fruity and toffeeish sweetness. Behind that slightly more and more tar and rubber.

Finish: The oak is getting more astringend with coffee, leather and furniture polish.

Comment: A really, really good rum. No doubt. Very intense. It takes over all your senses. Its not over-oaked or "over-its-time"... but... the oak is a little bit to dominant for me. The dirty distillery character is getting a little bit lost.
92 points

Caroni 23 y.o. 1996/2019 "Employee David 'Sarge' Charran"

Alc. % vol: 66.5 | Bottler: Velier | Country: Trinidad

4 barrels of 1996-HTR-Caroni were blended to make a total of only 953 bottles.

Nose: At start very closed with a really noticeable alcolic vapour. I let this one breathe for a lot more than a hour... its getting better. The alcohol is gone and its way more open. The spices and floral notes of John are less dominant. Here we are getting more marzipan, cherry and orange peel, vanilla, caramel and grassy notes, which reminds me of rhum agricole. The fruity and tarry notes are completely in the background. Not to forget: The oak is very present, which is not a huge surprise after 23 years in the tropics. In summary the nose is a bit weakish and "tired".

Mouth: Rubber notes and grassy-agricole elements are getting stronger. Oak and Anise. And again an alcohol.

Finish: Grassy notes, astringend oak, anise, tar, burnt caramel and a little bit fruitiness.

Comment: Hmmm... I am honest. I would never spend the very high Caroni-price-tags for this one. For me the profile is too far from what I am searching in a Caroni.
87 points

Oh boy! The ranking is very hard for me. John, for sure, is a very intense and mature power house, but I think the "Heavy" is getting closer to what I like in Caroni. Its more dirty, less oaky and somekind of "more easy and accessible". However I know why John has its reputation amoung the Caroni- and Rum-Nerds!

Freitag, 3. Januar 2020

Velier Caroni für "Kirsch Whisky" 1996 20 Jahre


Ich wünsche meiner kleinen Leserschaft ein frohes Jahr 2020!

Starten möchte ich dieses Jahr auf meinem Blog mit einem ganz besonderen Post, dem ich zur Abwechslung mal nur einer Abfüllung widme. Die Rede ist von einer flüssigen Legende; einer Single-Cask-Abfüllung von Velier für "Kirsch Whisky" aus Deutschland. Ausgewählt wurde das Faß durch Kirsch Whisky selbst. Diese 298 Flaschen starke Abfüllung ist in so jeder Top-3-Liste in der Caroni-Szene dabei. Eine der wenigen Ultra-Referenzen, wenn man so will.

Ich danke dem Rum-Club-Mitglied Mark dafür, dass er es mir ermöglicht hat, diesen Tropfen einmal probieren zu können. Denn eins ist klar: Knappe 300 Flaschen sind irgendwann für immer ausgetrunken. Ein Wunder, dass es nach über 3 Jahren überhaupt noch welche gibt.

Caroni 20 Jahre 1996/2016 für "Kirsch Whisky"

Alk. % vol: 62.4 | Abfüller: Velier | Land: Trinidad
Nase: Direkt nach dem Einschenken ist da schon richtig was los. Volle Caroni-Power. Da Fasstarke Rums und insbesondere Caronis definitiv besser werden, wenn man sie atmen lässt, tue ich das auch hier in der Hoffnung noch mehr vorzufinden... Nach ca. 30 - 60 Minuten empfängt mich eine sehr intensive und volle Aromenfracht. Es erinnert mich ein wenig an einen Blend aus einem alten, sehr guten Cognac und Caroni-Konzentrat. Das Fundament bilden Rosinen, Mandeln und andere Nüsse. Dann kommen Karamell, etwas Minze und die typischen Fahrradschlauch- und Tankstellenaromen. Fruchtig, dunkel, tief und dreckig. Gaumen: Intensiv und ölig. Mundausfüllend. Die Minze sowie die Fahrradschläuche und Teer fahren hoch. Die Rosinen und das Karamell bilden dazu einen schönen Gegenpart. Abgang: Die Tannine und Mentholnoten werden wie erwartend (noch) stärker. Noch im Rahmen für mich, wobei aber das Menthol dazu neigt mir etwas zu viel zu werden.

Kommentar: Ein großartiges Faß eines großartigen Jahrgangs einer großartigen Destillerie! Das ist definitiv tropisch gereifter Caroni at its best. Ich kann jedem Rum- und Caroni-Fan nur empfehlen einmal ein Gläschen von dieser Abfüllung zu probieren, wenn das noch irgendwie möglich ist. Den aktuellen Marktwert von 1000€ oder mehr würde ich aber definitiv nicht ausgeben für eine ganze Flasche. Da hört es bei mir einfach schon lange auf. Denn sein 1996er-Jahrgangskollege 20 y.o. "Heavy" kostet weniger als ein Drittel und ist in meinen Augen nur ein paar Prozentpunkte weniger grossartig.
96 Punkte

Bildquelle der Labels:
www.limited-whisky.de

Freitag, 20. Dezember 2019

Weitere 3 Velier Caroni aus 1996 („Heavy“, „Trespassers“, 21y.o. "Extra Strong")


Es geht weiter mit Caronis aus 1996. Dieses Mal mit 3 Abfüllungen von Velier, die immernoch zu halbwegs "vernünftigen" Preisen zu bekommen sind - bezogen auf winter 2019 und der generellen Preisexplosion im Rum-Sektor! Den 21-jährigen bekommt man sogar noch teilweise in "regulären" Shops für ca. 260-300€ (privat ca. 250€). Die beiden anderen nur noch auf dem Privatmarkt, wobei der "Heavy" mittlerweile bei ca. 300€ und der "Trespassers" bei 350-400€ liegen dürfte.

Die Verfügbarkeit, das ähnliche Alter (alle 100% tropisch gereift) und die unterschiedlichen Preise waren für mich der Anlass diese 3 Abfüllungen nebeneinander zu verkosten. Lohnt sich der Aufwand und Preisaufschlag, um sich einen "Heavy" oder "Trespassers" ins Haus zu holen oder "reicht" da der 21-jährige, den ich noch(!) online bestellen kann, völlig aus?

Am Ende des Posts werde ich schlauer sein...

Caroni 21 Jahre 1996/2017 "Extra Strong"

Alk. % vol: 57.18 | Abfüller: Velier | Land: Trinidad

Ca. 7000 Flaschen wurden hiervon 2017 abgefüllt, was die immernoch gute Verfügbarkeit erklärt. Der Angelshare wird mit >85% angegeben. So wie alle "Extra Strongs" gilt er in der Caroni-Gemeinde als runder und gut ausbalancierter Caroni.

Nase: Unverkennbar Caroni. Fahrradschläuche, Autoreifen und Benzin. Und zwar gar nicht so hintergründig. Dahinter Karamell, eine tiefe, schwere Fruchtigkeit (Papaya?) und Eichenwürze, die aber, trotz der 21 tropischen Jahre, noch nicht ins mentholige geht. Eine sehr schöne und harmonische Nase. Hier hat kein Part die absolute Oberhand.

Gaumen: Kraftvoll, süß (leicht fruchtig), Karmell und Gummi. Die Eiche ist hier weiterhin eher im Hintergrund (bitte relatvieren im Sinne von 21 Jahren tropischer Reifung). Nicht sonderlich komplex, aber alles was primär in einem (1996er) Caroni vorhanden sein muss, ist da.

Abgang: Eher "nur" mittellang mit leicht ansteigender Eichenwürze, die minimal in die Mentholrichtung geht. Begleitet von süßer Fruchtigkeit, Karamell und etwas von den typischen dreckigen Caroni-Elementen.

Kommentar: Ein sehr entspannter Caroni. So wie sein 17-jähriger "Extra Strong"-Bruder präsentiert er den (tropisch gereiften) Caroni-Stil sehr zugänglich ohne dabei allzu fordernd zu werden. Wer das nötige Kleingeld hat und sich "mal" seinen ersten Caroni gönnen möchte, der wird hier definitiv nicht enttäuscht!
90 Punkte

Caroni 20 Jahre 1996/2016 100° Proof "Heavy"

Alk. % vol: 57.18 | Abfüller: Velier | Land: Trinidad

3800 Flaschen gab es hiervon. Der Angelshare wird mit >85% angegeben.

Nase: Beim ersten Eindruck etwas unzugänglicher und verschlossener. Die dreckigen Komponenten sind zurückhaltender und die Eichenwürze dominiert. Auch vermisse ich die Fruchtigkeit. Ich lasse den mal lieber noch etwas länger atmen... Nach ca. 30-60 Minuten hat er sich merklich geöffnet. Er präsentiert sich deutlich dunkler, schwerer und komplexer als der 21er. Sattes schweres Karmell, Eiche, Holzlack, Benzin, Motoröl und etwas Gummi. Dahinter Zimt und wieder diese schwere, süße Fruchtigkeit. Papayas, Mangos und Orangenschale. Insgesamt sehr voll und schwer. Eine richtig tolle Nase!

Gaumen: Der Eindruck aus der Nase bestätigt sich auch hier. Voll, schwer und satt. Fruchtigkeit, leichte Süße, Eichenwürze (aber noch kein aufdringliches Menthol) und die üblichen dreckigen Anteile von Gummi, Benzin usw..

Abgang: Ölig, fruchtig-süß, Eiche, intensiv und mittel-lang bis lang. Gummi und Benzin sind hier nicht nur noch sehr hintergründig vorhanden. Am Ende blitzt etwas Menthol auf, was ich hier aber sehr angenehm und als eine toller Ergänzung empfinde. (Ein zu starker Mentholeinschlag bei langer tropischer Lagerung empfinde ich ansonsten eher störend).

Kommentar: Wie schon mehrfach geschrieben. Deutlich dunkler, schwerer und voller als der 21er, was ihn in meinen Augen ein gutes Stück über den 21er stellt.
94 Punkte

Caroni 20 Jahre 1996/2016 Full Proof "Trespassers"

Alk. % vol: 70.1 | Abfüller: Velier | Land: Trinidad

3038 Flaschen gab es hiervon aus 11 Fässern. Der Angelshare wird mit >85% angegeben.

Nase: Sehr verschlossen zu Beginn. Da kommt bis auf etwas Karamell, Haselnüsse und Alkoholdämpfe nicht viel durch. Ich verdünne ihn mit ein paar wenigen Tropfen Wasser auf ca. 67% und lasse ihn atmen. Als sich nach über einer Stunde nur wenig getan hat, gebe ich nochmal ein bisschen Wasser hinzu. Wir sind jetzt vielleicht auf 63-65% runter. Nach insgesamt ca. 2 Stunden entspannt der sich endlich. Jetzt kommen fettes Karamell, schwere, satte Eiche, Leder, Kirschen, Motoröl und Benzin. Insgesamt wuchtiger und dunkler als der "Heavy", aber auch ein gutes Stück verschlossener.

Gaumen: Intensiv und mundausfüllend. Eine tolle Kombination aus fruchtiger und karamelliger Süße zusammen mit Gumminoten. Erinnert mich an dieser Stelle an den 12-jährigen Rendsburger Bürdermeister Caroni. Was in der Nase etwas verhalten war, wird hier wieder ein gutes Stück aufgeholt.

Abgang: Etwas trockener werdend mit ordentlich Eiche. Dazu Fruchtigkeit und etwas Motoröl und Gummi. Mittel-lang bis lang.

Kommentar: Der braucht definitiv Zeit und Wasser, sonst ist das Geld für eine Flasche davon verschossen. Hat man vor den entspannt abends auf der Couch zu trinken, muss man einplanen den bereits beim Kochen abends einzuschenken und zu lüften ;-) Spontan ist da nicht!
91 Punkte


Mein erster Platz für heute Abend steht fest: Der 20-jährige "Heavy" ist ein toller Rum und ein toller Caroni. Hier kommt vieles zusammen. Er ist relativ schnell und gut zugänglich (mit etwas Zeit zum Atmen!), bietet trotzdem eine tiefe Komplexität und hat alles was ein Caroni braucht!
Beim zweiten und dritten Platz bin ich mir etwas unsicher. Die Wuchtigkeit und Intensität des 20-jährigen "Trespassers" spielt definitiv eine gute Liga über dem 21-jährigen "Extra Strong". Allerdings ist der 21er mehr oder weniger sofort offen und zugänglich. Die beiden sind auf jeden Fall sehr unterschiedlich, von daher darf man die Gleichstellung in meinem Ranking nicht falsch verstehen.

Montag, 21. Oktober 2019

2 weitere Caronis aus 1996



Nach den Trinkstärke-Caronis von Bristol aus 1996 in meinem letzten Caroni-Post, geht es nun hier mit 2 1996ern weiter.

Mittwoch, 16. Oktober 2019

3 Caronis aus 1996 von Bristol und Overseas


Es ist soweit. Ich möchte mich jetzt hier auf dem Blog in den nächsten Posts etwas genauer mit dem Caroni-Jahrgang 1996 beschäftigen, der ja laut vielen Caroni-Fans zu einem absoluten Fels in der Brandung zählt.

Freitag, 20. September 2019

Nochmal 6 Caronis aus 1997 (Rom Dansk Fanklub 22 y.o., Bristol 22 y.o., CA 21 y.o. ...)


Eigentlich hatte ich nicht vor nochmal hier Caronis aus 1997 zu verkosten, da ich bereits hier und hier welche besprochen habe. Da ich aber bei einer Flaschenteilung von einer Abfüllung für den dänischen Caroni-Fan-Club nicht widerstehen konnte, mussten auch noch weitere Samples her, damit ich Vergleichspartner habe. Von den Rahmendaten her größtenteils sehr ähnlich. 1997 ist für mich bisher ein solider Jahrgang. Das Juni-Batch (z.B. von A.D. Rattray) scheint die Glanzstunde aus diesem Jahr zu sein, aber auch der Rest ist schön, wenn auch keine absoluten 1. Liga-Drecks-Monster. Eine echte "Enttäuschung" (wie z.B. Januar 1998) hatte ich bis jetzt noch nicht aus 1997.

Freitag, 6. September 2019

Caroni "Felicite Gold" Original aus den 80/90ern und Bristol 2019


Auf dem "German Rum Fest 2019" in Berlin bekam ich dank "Stefano Caroni" die Möglichkeit 2 Original-Abfüllungen von Caroni (vermutlich aus den 80/90ern) zu probieren. Vielen Dank nochmal an dieser Stelle dafür! Ich freue mich schon sehr auf sein Buch, an dem er gerade arbeitet! Witzigerweise hatte Bristol aktuell einen nachgereiften "Felicite Gold" abgefüllt. Dieser liegt mir jetzt heute als Sample vor. Die Original-Abfüllungen versuche ich aus meiner Erinenrung zu beschreiben.

Caroni "Felicite Gold" 1980/90er?, Original-Abfüllung, 43%

Dieser Blend besteht (wohl) aus ca. 95% weissem(!) Light-Rum und 5% 4-jährigem (Heavy?)-Rum. Er wurde für den Konsum auf Trinidad hergestellt und ist damit ein "echter" Caroni-Rum, wenn man so will.

Wenn ich ehrlich bin, hätte ich blind niemals auf einen Caroni getippt. In der Nase ist der sehr neutral. Im Mund kommt dann etwas Gummi/Teer hinzu. Aber wirklich nur Nuancen im Hintergrund, wenn man weiss nach was man sucht. Wären so alle Caronis, würde heute kein Hahn danach krähen. Trotzdem war es ein ganz besonderes Erlebnis so eine Flasche mal in den Händen zu halten und etwas davon zu probieren. Flüssige Geschichte sozusagen. 

Caroni "Felicite Gold", Bristol, 40%

Bristol spricht auf dem Rücketikett von einer "Nachlagerung". Da es aber ziemlich sicher keine "Felicite"-Fässer gab, wurden hierfür vermutlich vor ein paar Jahren alte Originalflaschen, wie die obige, in Fässer zurückgefüllt und bis 2019 in Großbritanien gereift. Die Nase ist "mellow und light" wie es auf dem Label steht. Im Vordergrund stehen Kokos, Karamell und zarte Vanille. Die deutlich längere Reifezeit merkt man hier auf jeden Fall. Auch finde ich, dass die dreckigen Caroni-Elemente hier stärker zu spüren sind, als bei der alten Original-Abfüllung. Vielleicht war meine Nase bei dem Original auch schon von einigen Stunden auf der Messer erschöpft oder aber die "Felicite"-Versionen, die hier nachgereift wurden, entstammen von "dreckigeren" Batches. Blind hätte ich den aber vermutlich auch nicht zwingend Caroni zugeordnet. Im Mund sehr wässrig und leicht. Das ist dann hier einfach Light-Type-Column-Rum auf 40% verdünnt. Von "Caroni" eigentlich keine Spur. Im Abgang kommt dann nochmal ein ordentlicher Schwall Karamell nach bevor sich der Rum leicht bitter verabschiedet. Für 130€ hat hier Bristol eine recht teure Anspielung auf die Vergangenheit abgefüllt. Ich bewerte hier nicht, denn um ehrlich zu sein, würde ich hier unter normalen Umständen nicht mehr als 15-20€ ausgeben.

Caroni Stallion "Puncheon Rum" weiss 1980/90er?, Original-Abfüllung, 75%

Dieser 75%ige ungelagerte Rum entstammt ziemlich sicher der großen Column-Still und ist ein sogenannter Light-Rum. Eine 75cl-Flasche hat (wohl) damals auf Trinidad 1$ gekostet. Heute liegt ihr Wert bei ca. 200€. Unvorstellbar. Die Notes für diesen hier bekomme ich leicht wieder aus meiner Erinnerung zusammen: SPIRITUS! :-) Keinerlei Ähnlichkeit mit dem Heavy-Type-Caroni, den wir von Velier & Co. kennen. Aber auch das war ein ganz tolles Erlebnis für einen Rum-Nerd!