Mittwoch, 15. April 2020

3 junge, rauchige Bunnahabhains


Zur Transparenz: Das Sample des 5-jährigen "The war of the Peat" sowie die Schottland-Destillerie-Karte des heutigen Posts wurden mir von "whic (UG)" kostenfrei zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür an dieser Stelle; ich habe mich sehr gefreut! Es wurde aber seitens des Sponsors keinerlei Vorgaben gemacht wie, wann und ob ich das Material hier auf dem Blog bespreche. (Link zu whic.de)

Nach einer längereren Pause in der Serie "The War of the Peat" von whic.de geht es rauchig weiter mit einem 5-jährigen Bunnahabhain von Islay. Um ihn besser einordnen zu können, habe ich zwei alterslose (und vermutlich auch sehr junge) "Bunnas" aus meinem Sampleschrank rausgesucht...
Bunnahabhain Mòine
Original, 46,3%,
Reifung in ex-Bourbon-, ex-Sherry und ex-Rotwein-Fässern.
NASE: Trotz der 3-fach-Reifung recht simpel und jugendhaft. Vegetaler Rauch (nasses Gras und Heu), Zitrus, leichte Sherry- und Rotweinanklänge im Hintergrund.

GAUMEN: Der Rauch wird stärker und etwas rußiger. Ansonsten süß-sauer mit einem eher leichten und wässrigen Mundgefühl.

ABGANG: Wird öliger und deutlich süßer. Der Rauch blitzt kurz leicht aschig auf und wird dann von der Süße verdrängt.

KOMMENTAR: Kann man definitiv trinken, muss aber auch nicht unbedingt sein ;-).
75/100
Bunnahabhain
Toiteach A Dhà
Original, 46,3%,
Reifung in ex-Bourbon-, ex-Sherry-Fässern.
NASE: Der Sherryeinfluss ist deutlich spürbar mit Nüssen, Nougat, Liebstöckel und Rosinen. Dahinter liegt eine maritim-vegetale Rauchigkeit. Die Kombination aus Sherry und Rauch switcht ab und an in Richtung Gummi. Klingt vielleicht sonderbar, aber das hatte ich schon öfters.

GAUMEN: Kräftiger, würziger und etwas intensiver als der Mòine. Insgesamt spiegeln sich 1:1 die Eindrücke aus der Nase wieder.

ABGANG: Zuerst nussig-süß (Nougat), dann wird der Rauch doch zunehmend stärker und es wird leicht astringierend.

KOMMENTAR: Gefällt mir deutlich besser als der Mòine und ist auch ein gutes Stück süffiger.
80/100
Bunnahabhain Staoisha 2014/2020 5 Jahre
"The War of the Peat III"
whic.de, 60,4%,
Reifung in einem Hogshead, das zuvor erneut ausgebrannt wurde. Abgefüllt wurden 295 Flaschen.
NASE: Spürbarer Rauch, aber keine Rauchbombe. Der Rauch geht wie bei den Vorgängern in eine vegetale, maritime Richtung mit Seetang und nassem Heu. Nicht medizinisch oder teerig. Dann Karamell, Vanille, Marzipan, Nougat und reife Birnen. Der Alkohol ist anfangs leicht zu spüren, aber das verfliegt mit etwas Atmen. Deutlich reifer, voller und komplexer als die beiden Vorgänger.

GAUMEN: Kräftig. Öliges und süßes Mundgefühl. Marzipan, süß-reife Birnen, Kekse und ein schöner würzig-vegetaler Rauch. Der Whisky drückt zwar ordentlich auf die Zunge, aber es wird nicht unangenehm. Der Alkohol ist sehr gut eingebunden.

ABGANG: Der Rauch wird etwas aschiger, während die Süße und Öligkeit bleiben.

KOMMENTAR: Ein Tropfen Wasser tut dem ganz gut. Die Nase öffnet sich etwas mehr und am Gaumen und im Abgang wird der Druck etwas genommen. Es entsteht ein cremig-süßes Mundgefühl mit viel Marzipan-Nougat. Echt gefährlich lecker!
86/100

Freitag, 10. April 2020

Rum Artesanal - Einsteigersortiment


Zur Transparenz: Die Samples des heutigen Posts wurden mir von der "Heinz Eggert Spirituosenmanufaktur" durch Dominik Marwede kostenfrei zur Verfügung gestellt. Es wurde aber seitens des Sponsors ausdrücklich darum gebeten frei meine eigene Meinung zu schreiben. Das werde ich hier auch tun. Es gab keinerlei Vorgaben. Hier der Link zu Rum Artesanal.

Die Heinz-Eggert-Spirituosenmanufaktur füllt unter dem Namen "Rum Artesanal" Rums ab, das ist - denke ich - soweit gut angekommen in Deutschland. Dabei gibt es grundsätzlich zwei Linien: Die Standardrange mit 40% Alkohol (und teilweise etwas Zuckerzugabe) zu sehr fairen Preisen, die sich eher an sogenannte "Einsteiger" richtet und Einzelfassabfüllungen in Fassstärke für die Nerds - wie mich ;-). Auch zu sehr fairen Preisen!

Da ich heute die Standardrange mit 40% verkosten werde, verzichte ich in diesem Fall auf Wertungen, da ich fast gar nicht mehr in diesem Bereich unterwegs bin. Das soll nicht arrogant rüberkommen; es ist vielmehr ein natürlicher Prozess, wenn man sich intensiv mit Spirituosen beschäftig. Ich möchte die Abfüllungen hier vielmehr vorstellen und in Kürze einzeln analysieren. Eins sei noch erwähnt: Alle Rums sind weder gefärbt, noch kühlgefiltert.
Ron de Républica de Cuba
Rum Artesanal, 40%,
Gebrannt wird dieser Rum in der Destillerie Cubay und ist 5 Jahre alt.
NASE: Leicht. Kokos, zarte Vanille, Äpfel, leicht florale Eindrücke. Im Hintergrund minimal Kaffee und ein leichter Alkoholstich.

GAUMEN: Süß, leichter Alkoholstich, Karamell und Honig.

ABGANG: Kurz mit Honig, etwas Alkohol und etwas Kaffee.

KOMMENTAR: Mir persönlich viel zu leicht. Als Einsteiger bekommt man aber einen guten Eindruck dieser Stilistik.
- ohne Wertung -
Ron de Centroamérica
Rum Artesanal, 40%,
Welche Destillerie oder Land dahinter steckt, darf nicht verraten werden. Es wird aber irgendwas zwischen Guatemala und Panama sein, die allesamt auch für einen eher leichter Stil bekannt sind.
NASE: Leicht, aber nicht ganz so leicht wie "beim Kubaner". Zarter, milder Honig, etwas Kakao.

GAUMEN: Deutliche Süße. Kokos, etwas Honig und etwas Kakao.

ABGANG: Kurz mit Kokos.

KOMMENTAR: Hier gilt das gleiche wie beim Vorgänger.
- ohne Wertung -
Ron de República Dominicana
Rum Artesanal, 40%,
Dieser Rum wurde bereits vom der Destillerie vor dem Verkauf gezuckert. Gereift wurde dieser in einem Solera-Verfahren für 8 Jahre, wobei hier die Altersangabe relativ sicher nur den ältesten Rum angibt.
NASE: Kokos, Vanille, Rosinen, Bananen und etwas Kakao, aber alles ziemlich mild und zart.

GAUMEN: Kokos, Karamell, Rosinen und eine deutliche Zuckersüße.

ABGANG: Süß, Kokos. Kurz.

KOMMENTAR: Dieser und die vorherigen beiden vermitteln einen recht soliden Eindruck wohin die Reise beim sogenannten "spanischen" Stil geht. Mir persönlich gibt diese Stilrichtung nicht viel, aber das soll jeder selbst für sich herausfinden.
- ohne Wertung -
Spiced Rum Byers' Island
Rum Artesanal, 40%,
Hier handelt es sich um einen Rum, der mit Gewürzen und 20 gr/l Zucker aromatisiert wurde. Mit einer Aromatisierung darf Rum sich so nicht mehr nennen. Daher das Wörtchen "Spiced".
NASE: After Eight.

GAUMEN: Süß, After Eight und Zimt.

ABGANG: Kurz mit Minze und Süße.

KOMMENTAR: Ich muss gestehen, dass das mein erster offiziell-betitelter Spiced-Rum war (die inoffiziellen Spiced-Rums wie Botucal, Don Papa und Co. zähle ich jetzt hier nicht rein). Ich muss gestehen, dass ich die After-Eight-Note etwas irritierend fand.
- ohne Wertung -
Rhum des Antilles Francaises
Rum Artesanal, 40%,
Hier handelt es sich um einen Blend aus "französischen" Rums aus Martinique und Guadeloupe. Der Rhum aus Guadeloupe (in diesem Fall) ist aus frischen Zuckerrohrsaft und ungereift (also weisser Rum), während die Rhums aus Martinique gereift und aus Zuckerrohrsaft und Melasse sind.
NASE: Aromatisch unf parfümiert. Kirschbrand, Himbeeren und Limettenschalen dominieren für mich. Im Hintergrund sind leicht grasige Noten. Insgesamt ist die Aromatik sehr belebend und frisch, was für junge Destillate aus den französischen Antillen charakteristisch ist.

GAUMEN: Die typischen grasigen und leicht vegetalen Noten werden stärker. Dazu Honig und eine leichte Säure.

ABGANG: Kirschen, Himbeeren und Mandeln. Dazu grasige Noten. Deutlich länger als bei den "Spaniern".

KOMMENTAR: Für mich ist das bisher mit Abstand der beste.
- ohne Wertung -
Rum of Jamaica
Rum Artesanal, 40%,
Kommen wir zu einem der berühmtesten Rum-Stile überhaupt. Jamaika-Rum. Berüchtigt ist dieser Stil für seine Frucht- und Lösungsmittel-Ester. Durch die bereits viele-jahrzehntelange Verwendung von Jamaika-Rum im deutschen "Rumverschnitt", kommt einem als Deutscher diese Aromatik sofort bekannt vor. Dieser Rum ist ein Blend von Rums aus Hampden (gereift), Worthy Park (gereift) und Clarendon (ungereift). Es fand bei der Vermählung in Deutschland eine Zugabe von 10 gr/l Zucker statt, um den ungereiften Clarendon-Rum besser zu integrieren.
NASE: Lösungsmittel und überreife Früchte (Ananas und Erdbeere).

GAUMEN: Gleiche Note wie in der Nase, aber doch deutlich wässrig. Jamaika-Rums, die auf Ester aufbauen vertragen die Zugabe von Wasser meist nicht so gut. Die Nachsüßung ist definitiv spürbar.

ABGANG: Recht kurz mit süßem Marzipan und Ananas.

KOMMENTAR: Als Fan von Jamaika-Rums konnte diese recht einfache Abfüllung mich selbstverständlich nicht sonderlich begeistern. Dafür bin ich aber umso mehr bei den Single-Cask-Abfüllungen aus Jamaika von Rum Artesanal aufgehoben. Einsteiger bekommen hier aber auf jeden Fall eine Idee, was das besondere an Jamaika ist.
- ohne Wertung -
Caribbean Island Rum (Blend)
Rum Artesanal, 40%,
Hier werden Rums aus Jamaika, der dominikanischen Republik und Guadeloupe miteinander vermählt. Gereift wurden diese Rums zu 90% in der Karibik und es kamen ex-Bourbon sowie ex-Sherry-Fässer zum Einsatz. Eine Zugabe von 10 gr/l Zucker wird auf der Flasche angegeben.
NASE: Süß-aromatisch, dunkel und erstaunlich voll. Bananen, Rosinen, Pflaumen und Schokolade. Die Nase macht richtig Spaß!

GAUMEN: Süß, aber absolut im Rahmen. Neben Rosinen, Bananen und Schokolade kommen jetzt leicht grasige und vegetale Noten dazu (Guadeloupe).

ABGANG: Angenehm cremig und deutlich länger als gedacht bei dem günstigen Preis. Schokolade, Bananen, Rosinen und etwas Kaffee.

KOMMENTAR: Der Rum macht echt richtig Spaß und ich kann den jedem Einsteiger nur empfehlen. Auch in einfachen Cocktails wie einem Dark and Stormy macht der sich richtig gut.
- ohne Wertung -
Wie eingangs bereits erwähnt, vermitteln diese Rums Einsteigern einen guten Überblick, was beim Thema Rum so alles geht. Am besten gefallen hat mir der Carribbean Blend und der Antilles Francaises.

Samstag, 4. April 2020

Mount Gay

Das erste mal auf diesem Blog geht es zur Mount-Gay-Destillerie auf Barbados. Bisher konnte ich "privat" lediglich den X.O. und den "Master Select" probieren. Das ist aber auch schon eine ganze Weile her.
Mount Gay X.O.
Originalabfüllung, 43%,
Kaum ein anderer Rum wird Einsteigern auf Facebook und Foren so oft empfohlen wie dieser. Der Grund? Auf Barbados darf per Gesetz (wie auf Jamaika) kein Zucker oder andere Zusätze (bis auf Farbstoff und Wasser) dem Rum untergerührt werden, d.h. hier bekommt man unverfälschten Basic-Rum-Flavor mit ca. 9-12 Jahren tropischer Reifung und immerhin 43% und das für ca. 35-40€.
NASE: Sehr klassisches und mildes Rum-Profil: Milchschokolade, Kokos, Karamell, Vanille. Dahinter Rosinen und etwas Amaretti (zum Thema "Amaretti" weiter unten mehr).

GAUMEN: Erstaunlich kräftig für 43%. Spiegelt perfekt 1:1 die Nase wieder mit einer schönen natürlichen Süße (Milchschokolade, Karamell) aus dem Fass.

ABGANG: Rosinen und Kokos dominieren hier für mich. Es bleibt angenehm und sehr entspannt.

KOMMENTAR: Gut gemachter Rum mit einem hervorragendem PLV. Jeder der sich "ernsthaft" mit Rum auseinandersetzen will, sollte u.a. mit diesem einsteigen, sofern er noch keine große Spirituosenerfahrung hat. Ab einem gewissen Punkt, den ich auf jeden Fall schon "lange hinter mir" habe, kann der X.O. dann natürlich nicht mehr so richtig begeistern.
80/100
Mount Gay X.O. Cask Strength
Originalabfüllung, 63%,
2016 kam diese Sonderabfüllung auf dem Markt, um den Fans und Nerds "ihren" berühmten und geliebten X.O. in Fasstärke zu präsentieren. Ob es sich hierbei um die gleiche Fassauswahl (nur eben ohne Wasserzugabe) handelt bezweifle ich, aber ich weiss es auch nicht.
NASE: Während der normale X.O. sehr offen und zugänglich ist, ist dieser ziemlich dicht. Da kommst außer Klebstoff und Kokos erstmal nicht viel aus dem Glas. Das ändert sich nach weit über 30 Minuten auch nicht sonderlich. Auch Verdünnen auf unter 60% hilft nicht viel. Florian von BAT hat es perfekt mit "Luftlöchern" beschrieben. Mal kommt was aus dem Glas, dann wieder nichts mehr.

GAUMEN: Kräftig und intensiv. Der drückt ordentlich auf die Zunge und im gesamten Mundraum ohne aber unangenehm zu werden. Es verbreitet sich eine herrliche natürliche Süße mit Vollmilchschokolade, Karamell, Vanille und Marzipan. Hier macht der einiges an Punkten wieder gut, die er im Aroma eingebüßt hat.

ABGANG: Es wird etwas bitterer mit etwas Kaffee. Dazu aber wieder Vollmilchschokolade und Karamell.

KOMMENTAR: Ich bin ein "Schnüffler", mir ist das Bouquet einer Spirituose extrem wichtig. Von daher hab ich keine andere Wahl als ihm eine recht niedrige Wertung zu geben. Hätte er einfach nur das Aromenspektrum, das er am Gaumen plötzlich entwickelt auch in der Nase wäre ich sehr zufrieden mit ihm.
82/100
Last Ward 2007/2017
Habitation Velier, 59%,
Wie bei Velier üblich haben wir es hier mit 10 Jahren tropischer Reifung zu tun.
NASE: Ordentlich Klebstoff und Alkohol zu Beginn, die eine ganze Weile brauchen, um zu verfliegen (leider nicht komplett). Dann ist eine würzige Note dominant, die ich anfangs nicht fassen konnte, obwohl sie mir sehr bekannt vorkam. Marius von SCR hat es mit Amaretti, also diesen kleinen italienischen Schaum-Keksen aus Mandeln, beschrieben. Und ja, genau danach hatte ich eine Weile in meinem Kopf gesucht. Weiter habe ich noch Kaffee, Vanille und Orangenschale. Bis auf den Klebstoff und den Alkohol eine sehr schöne Nase.

GAUMEN: Viel Eiche mit ordentlich Würzigkeit und richtig Druck im Mund, der leider teilweise etwas unangenehm ist.

ABGANG: Beginnt mit Orangenschale und wird zunehmend bitterer mit Kaffe und angebranntem Toast.

KOMMENTAR: Mir eine Spur zu würzig und bitter, um so richtig durchzustarten für mich. Auch der Alkohol ist hier nicht wirklich schön integriert.
85/100
Mount Gay 2000/2013
Isla del Ron, 61,6%,
Kommen wir nun zum berühtem Jahrgang 2000, der so wie man liest der einzige ist, der an unabhängige Abfüller verkauft wurde in jüngster Vergangenheit. Velier mit 2007 und 2009 zähle ich hier nicht unbedingt dazu, da Velier eine Sonderrolle innerhalb der unabhängigen Abfüller spielt.
NASE: Sehr weich und cremig. Vanille, Marzipan, Quitengelee, Banane, Zitrus und florale Eindrücke. Den Holzeinfluss empfinde ich als eher gering. Die 62% sind nicht wirklich wahrnehmbar.

GAUMEN: Deutlich mehr Säure als die Nase vermuten ließ. Dennoch bleibt ein cremiges Mundgefühl mit süßem Marzipan.

ABGANG: Cremig und süß-sauer mit Anis und anderen "hellen" Gewürzen. Eine leicht Kaffee-Bitterkeit kommt dazu.

KOMMENTAR: Haut mich persönlich jetzt nicht so aus den Socken. Der Alkohol ist aber echt gefährlich-gut eingebunden.
82/100
Mount Gay 2000/2018
Kintra, 55,6%,
Es geht weiter mit dem Jahrgang 2000. Dieser hier traf in der Rum-Szene durchaus auf Begeisterung.
NASE: Deutlich reifer als der Vorgänger, was nach 5-6 Jahren mehr im Fass auch so sein sollte. Mehr Würze und Gewürze wie Anis, Pfeffer, Nelken Koriandersamen. Dazu weiterhin Vanille und eine cremige und fruchtige (Quittengelee, Banane, Zitrus) Marzipan-Note.

GAUMEN: Sehr würzig mit ordentlich Röstaromen wie etwa Kaffee. Der Grundcharakter "süß-sauer-cremig" bleibt aber dennoch erhalten.

ABGANG: Cremiges und öliges Mundgefühl. Schönes Zusammenspiel zwischen süß, sauer und würzig.

KOMMENTAR: Sehr schöner gereifter und ausbalanzierter Rum.
87/100
Mount Gay 2000/2019
The Rum Cask, 55,1%,
.
NASE: Nochmal würziger als der Kintra. Amaretti, Kaffee, angebranntes Toast, Gewürze (Anis, Nelken, Koriandersamen, Pfeffer). Dazu Vanille und Karamell. Kaum bis keine Fruchtigkeit.

GAUMEN: Kräftig und intensiv. Stark würzig.

ABGANG: Röstaromen wie Kaffee und angebranntes Toast dominieren hier für mich. Mir teilweise etwas zu bitter.

KOMMENTAR: Nochmal deutlich würziger und fasslastiger als der Kintra. Mir leider tendenziell eine Spur zu viele Bitterstoffe und Gewürze.
86/100
Ich muss gestehen, dass mich keine Abfüllung dieses Posts so wirklich begeistert hat und ich das Gefühl habe unbedingt eine Flasche davon zu wollen. Irgendwas an der Art der Würzigkeit, die alle nicht-offiziellen haben (zu einem gewissen Grad sehr ähnlich), trifft nicht meinen Geschmack. Das nimmt noch keine dramatischen Züge an - mir schmeckten alle und ich musste mir keinen reinquälen - aber die magische 90-Punkte-Marke sehe ich für mich bei allen in weiter Ferne.

Sonntag, 29. März 2020

¡México - otra vez!

Ich bin immer wieder komplett von den Socken, wenn die Gelegenheit bekomme Mezcal oder generell Agavenbrände aus Mexiko zu probieren wie vor kurzem wieder auf der Craft Spirit Messe in Berlin. Besonders hervorheben möchte ich da den Stand von mezcaleria.de aus Berlin. Das tue ich aus reiner Überzeugung ohne jede Art Deal o.ä.. Ich habe ein paar Kostproben von der Messe mitgebracht und möchte die hier gerne vorstellen. Und eines vorneweg: Als Caroni-Rum-Freund gab es eine echte Überraschung!!

Anmerkung zu meinen Wertungen: Ich bin eigentlich ein Rum- und Whiskytrinker. In diesen beiden Spirituosenarten habe ich die meisten Erfahrungen und dort liegen auch meine geschmacklichen Vorlieben. Wenn also in diesem Post eine Wertung relativ niedrig ist, liegt das vermutlich daran, dass das Aromen- und Geschmacksprofil mir zu mineralisch, salzig und zu sauer ist. Bei Extremfällen erlaube ich mir auch auf eine Wertung zu verzichten. Die Wertung darf demnach keinesfalls mit einer objektiven Beurteilung der Qualität verwechselt werden! Die Tequilas und Mezcals, die ich hier heute vorstelle, sind alles tolle Spirituosen, die unbedingt von jedem Schnapsfreund erkundet werden sollten.
Tequila Siembra Valles
Blanco High Proof
mezcaleria.de, 48%, Agavenart: Tequilana Weber
Beginnen wir mit einem Tequila, auch wenn dieser mit 48% Alkohol nicht der mildeste der Runde ist. Dieser Tequila zählt zu den "guten", denn er ist erstens zu 100% aus Agave, zweitens findet eine Fermentation in offenen Behältern statt und drittens wird er zweifach in kleinen Pot-Stills (Edelstahl und Kupfer) destilliert. Somit ist eine schöne und intensive Aromatik gewährleistet.
NASE: Salzig, sauer, erdig und minimal fruchtig. Eingelegte Gewürzgurken, Zitrone, Grapefruit und Salz. Eine Rauchigkeit, die sehr oft bei Mezcals vorhanden ist, habe ich hier nicht.

GAUMEN: Leicht öliges Mundgefühl. Süß, sauer und salzig. Der Alkohol ist überhaupt nicht wahrnehmbar.

ABGANG: Die Säure nimmt hier deutlich zu gepaart mit einer öligen Süße und einer leichten Bitterkeit.

KOMMENTAR: Meine Wertung mag vielleicht etwas niedrig erscheinen, aber das soll bitte nicht missverstanden werden. Dieser Tequila putzt so alles von den "Standard-Tequilas" mit 38% oder 40% locker vom Tisch. Ich stehe dann am Ende einfach nicht so sehr auf "salzige" und saure Spirituosen.
81/100
Mezcal "Panchita la Peligrosa"
, 38%,
Es geht weiter mit einem recht stark verdünnten Mezcal, um die Sinnesorgane einzustimmen aus das was noch kommt.
NASE: Süß-fruchtig und leicht rauchig. Etwas Lösungsmittel und Plastik-Aromen im Hintergrund. Recht angenehme Nase, aber auch nicht sonderlich komplex oder intensiv.

GAUMEN: Leider deutlich wässrig. Die 38% sind einfach zu wenig. Die Eindrücke spiegeln recht gut die Nase wieder. Zudem entwickelt sich eine gewisse Mineralität.

ABGANG: Beginnt eher süß, wird zunehmen saurer und etwas bitter. Eher kurz.

KOMMENTAR: Mit 45-50% wäre der vermutlich relativ gut. Die Grundaromatik hat mich angesprochen.
74/100
Clande "Lechuguilla"
Clande, 43,8%, 51% Agave Churique, 49% Dasylirion Wheeleri
Was mich etwas verwirrt, ist dass oben auf dem Label 100% Agave steht, aber in den Details weiter unten etwas von 49% Dasylirion steht, was offiziell keine Agavenart ist.
NASE: Relativ voll für den eher niedrigen Alkoholgehalt. Grasiger, heuiger und vegetaler Rauch. Rote Beete, Sellerie und Erde dominieren. Leichte Süße im Hintergrund.

GAUMEN: Süßer Antritt. Dann kommen immer mehr das Gemüse, die Erde und das Salz in den Vordergrund.

ABGANG: Rote Beete und Salz satt. Etwas Zitrone dazu.

KOMMENTAR: Interessanter Stil, mir aber viel zu gemüsig. Ist überhaupt nicht mein Beuteschema, daher keine Wertung.
- ohne Wertung -
Mezcal Alipús
"San Andrés"
mezcaleria.de, 47,5%, Agavenart: Angustifolia (Espadín)
Wilde Fermentation und zweifache Destillation in kleinen Kupfer-Pot-Stills.
NASE: Sehr süß, voll und fruchtig. Die Früchte gehen in die Richtung von Pflaumenmus und tropischer Mango, teilweise auch Frucht-Gummis. Dazu Marzipan. Der Rauch ist sehr dezent sowie auch die Erdigkeit und Mineralität. Etwas Plastik im Hintergrund.

GAUMEN: Ölig und durchaus kräftig, wenn man größere Schlücke nimmt. Deutlich mineralischer und erdiger als die Nase noch vermuten lies. Die Fruchtigkeit hat deutlich nachgelassen. Der Alkohol ist auch hier nicht wahrnehmbar. Witzigerweise bekomme ich nachdem ich ein paar Schlücke getrunken habe in der Nase "Kneipp"-Badeöl.

ABGANG: Trocken mit Kreide, Erde und weiteren mineralischen Eindrücken begleitet durch eine dezente fruchtige Süße.

KOMMENTAR: Eine deutliche Steigerung zu den Vorgängern und durch die Fruchtigkeit in der Nase hat der mich auch mehr abgeholt als der Tequila vom Anfang. Eine richtig tolle Abwechlung zu Rum oder Whisky.
84/100
Mezcal Alipús
"San Baltazar"
mezcaleria.de, 47,5%, Agavenart: Angustifolia (Espadín)
Wilde Fermentation und zweifache Destillation in kleinen Kupfer-Pot-Stills.
NASE: Mineralischer, floraler und weniger fruchtig als der "San Andrés". Zusätzlich etwas Vanille. Dieser hier gehört auf jeden Fall zu den eher leicht zugänglicheren Mezcals. Nach einer Weile des Atmens bekomme ich eine fleischige Note im Hintergrund.

GAUMEN: Süß, floral und zart-cremig auf der Zunge. Zarte Vanille (obwohl ungereift), etwas Erdigkeit und Kreide.

ABGANG: Er wird hier etwas kräftiger. Angenehme fruchtige Süße gepaart mit mineralischen Elementen.

82/100
Mezcal Alipús
"Santa Ana del Rio"
mezcaleria.de, 47,5%, Agavenart: Angustifolia (Espadín)
Wilde Fermentation und zweifache Destillation in kleinen Kupfer-Pot-Stills.
NASE: Geht eher wieder in die "klassische" Tequila-Richtung mit Zitrone, eingelegten Gewürzgurken, Salz und vegetalen Eindrücken. Ganz dezenter Gummi-Rauch im Hintergrund. Ich bekomme auch eine leichte Buttersäure-Note, die an High-Ester-Jamaica-Rums erinnert.

GAUMEN: Erdig, mineralisch, süß-sauer und leicht salzig. Deutlich intensiver und wuchtiger/öliger als der "San Baltazar". Der Alkohol ist nicht negativ spürbar, aber er drückt deutlich stärker als beim Baltazar.

ABGANG: Ölig und cremig. Kreide, angenehme Süße, dezente Fruchtigkeit. Auch hier wieder intensiver als der Baltazar.

KOMMENTAR: Aufgrund der eher fehlenden Fruchtigkeit und der deutlich präsenten Gewürzgurken holt der mich auch nicht so ab wie der "San Andrés".
83/100
Mezcal Alipús
"San Miguel Tío Jesús"
mezcaleria.de, 47,5%, Agavenart: Angustifolia und Americana var. Oaxacensis
Wilde Fermentation und zweifache Destillation in kleinen Kupfer-Pot-Stills.
NASE: Gummi, brennende Autoreifen und Tankstellengerüche springen mich aus dem Glas an. Das erinnert mich einfach an Caroni! Hier haben wir die Entdeckung für mich, von der ich anfangs sprach. Die Gummi- und Benzinnote, die ich hier bekomme, ist der berühmten Caroni-Aromatik schon ähnlich, wenn auch nicht verwechselbar. Was natürlich fehlt, ist der Fasseinfluss, der ja definitiv zu Caroni, so wie wir es kennen, dazugehört. Weiter habe ich Neuwagengeruch und frisches Leder. Diese Ledernote switcht ab und an leicht in Richtung "Kuhstall". Nach guten 30 Minuten Atmen kommt eine schwere Fruchtigkeit dazu, die mich erneut an Caroni erinnert. Speziell an 1996er Caronis.

GAUMEN: Ölig. Dazu leicht süß und aschig mit verbranntem Gummi. Der Alkohol ist mal wieder überhaupt nicht präsent.

ABGANG: Süß-sauer und wieder verbranntes Gummi und Asche.

KOMMENTAR: Der gefällt mir richtig gut, aber das dürfte jetzt keine Überraschung mehr sein. Und nein, das ist kein Caroni-Ersatz. Es ist kein Rum, das schmeckt man natürlich und es gibt hier natürlich auch keinen Fasseinfluss. Was aber hoch interessant ist, ist die Tatsache, dass es vermutlich in gewissen Regionen spezielle Wildhefen gibt, die eben genau zum diesem Gummiprofil führen. Denn alles andere (Rohstoff, Destillationsaparate, Fassreifung) unterscheiden sich ja nachweislich! Auch wenn mich jetzt die puristischen Mezcal-Fans steinigen werden, aber ich würde den gerne mal mit 10-20 Jahren Fassreifung im mexikanischen Klima erleben.

Ich hatte diesen Mezcal zweimal als Blindsample verschickt. Der eine tendierte zuerst in Richtung Jamaika-Rum, der andere in Richtung Rhum Agricole. Daran sieht man mal wieder, dass Aromen und Geschmäcker sehr individuell sind, denn ich rieche da einfach sehr viel Gummi; ich kann mir nicht helfen ;-)
86/100
Mezonte
"Raicilla Japo"
mezcaleria.de, 47%, Agavenart: Rhodacantha
Diese Spirituose darf sich offiziell nicht Mezcal nennen, da sie aus dem Bundesstaat Jalisco stammt und dieser nicht für die Mezcal-Produktion zugelassen ist. Die Herstellungsmethoden unterscheiden sich aber nicht. Die Destillation findet hier teilweise in Pot-Stills, die aus aus einem Baumstamm gemacht sind (sogenannte Filipinos), statt.
NASE: Süße Lösungsmittel, Plastik und Gummi (geht grob in die Richtung Jamaika- oder Fiji-Rum). Deutliche Säure im Hintergrund. Dahinter dann die typische Erde und Mineralität.

GAUMEN: Deutliche Säure gepaart mit süßen Lösungsmitteln und Gummi. Alkohol ist perfekt eingebunden.

ABGANG: Salzig, mineralisch, erdig.

KOMMENTAR: Lösungsmittel und Gummi gefallen mir einfach immer gut ;-)
84/100
Mezonte
"Santos Juarez"
mezcaleria.de, 51,5%, Agavenart: Angustifolia (Espadín)
Auch hier sind die Rahmendaten (bis auf die Agavenart) die gleichen wie bei dem Vorgänger.
NASE: Geht wieder mehr in die Tequila-Richtung. Fast keine Rauchigkeit. Zitrone, Koriandersamen, Gewürzgurken. Im Hintergrund eine leicht sauer-faulige High-Ester-Note.

GAUMEN: Sehr minerlisch mit viel Kalk. Dahinter deutliche Säure.

ABGANG: Die Säure und der Kalk werden noch stärker.

KOMMENTAR: Ihr ahnt es bestimmt schon...
- ohne Wertung -
Mezonte
"Michoacan"
mezcaleria.de, 49%, Agavenart: Inaequidens
Auch hier sind die Rahmendaten (bis auf die Agavenart) die gleichen wie bei den Vorgängern.
NASE: Süß, fruchtig und moderat rauchig. Erinnert stark an "San Andrés". Etwas Gummi, Plastik und Lösungsmittel gesellen sich im Hintergrund dazu.

GAUMEN: Komplett anders als die Bouquet vermuten lässt. Fast keine Süße oder Fruchtigkeit. Salzig, sauer, minerlisch, Kalk, sehr trocken.

ABGANG: Sehr viel Kalk und Säure.

KOMMENTAR: Auch hier ahnt ihr es...
- ohne Wertung -
Ich muss es leider nochmal betonen: Mit meiner eingangs erwähnten Begeisterung ("von den Socken") meinte ich nicht unbedingt, dass es hier heute nur so 90 Punkte hagelt. Mich begeistert diese Spirituosenart einfach immer wieder, wenn ich ihr begegne, da sie sehr "rau", "bodenständig" und "ehrlich" ist und ich kann jedem nur empfehlen sich diese Erfahrung nicht entgehen zu lassen!

Freitag, 20. März 2020

Enmore (94 RA-REV, 93 DDL-EHP, 97 RN-EHE)


Es geht mal wieder nach Guyana für mich. Anlass war die neue Abfüllung von Rum Artesanal, die bereits vor dem eigentlichen Release am 13.03.2020 ausverkauft war und zur Zeit viel diskutiert wird in den entsprechenden Netzwerken. Ich hatte das Glück an eine solche heiß-begehrte Flasche zu kommen. Vielen Dank dafür! (Die entsprechende Person weiss wer gemeint ist).

Zum Vergleich habe ich noch 2 Samples aus meiner Samplebox rausgesucht. Da Enmore nicht gleicht Enmore ist, versuche ich mich hier an einer winzig-kleinen Zusammenfassung der wichtigsten Fakten: Enmore besaß bis zur Schließung 1994 eine Pot-Still (VSG) und eine Coffey-Still (EHP, EHE), beide aus Holz. Die Pot-Still wurde nach der Schließung von Versailles (Guyana, nicht Frankreich) in den 1970ern nach Enmore gebracht. Nach der Schließung von Enmore dann zogen beide Stills nach Uitvlugt und dann später 1999 zur Diamond-Destillerie um, wo sie mit anderen alten Stills, wie etwa der doppelten Holz-Pot-Still von Port Mourant, noch heute in Betrieb ist.
Enmore E.H.P. 1993/2015
DDL, 56,5%, El Dorado "Rare Collection"
Hier haben wir es in zweifacher Hinsicht quasi mit einem Original-Enmore zu tun. Zum einem wurde er noch bei Enmore selbst destilliert und zweitens wurde er nach 22 Jahren tropischer Reifung von DDL selbst abgefüllt. Laut den Hydrometer-Tests von Wes Burgin und Johnny Dreyer wurde anscheinend kein Zucker hinzugefügt, was bei der "Rare Collection" aber bereits auch schon vorkam. Rum Tasting Notes App Link
NASE: Relativ mild und verschlossen. 1-2 Tropfen Wasser helfen da etwas, aber nicht sonderlich viel. Ich bekomme ein recht generisches Column-Still-Rum-Profil geboten. Vollmilchschokolade, Karamell, Vanille, Rosinen, Kokos und etwas Nüsse. Alles solide, aber auch nicht wirklich spannend und so richtig durchstarten will der irgendwie nicht.

GAUMEN: Sehr cremig und süß mit Vollmilchschokolade, Rosinen und Karamell. Die Süße dürfte hier an die Grenzen der Möglichkeit von tropischer Faßreifung rankommen ;-). Behält man ihn etwas länger im Mund, rollen die Taninne ran. Der Alkohol ist nicht spürbar.

ABGANG: Die Schokolade geht jetzt in die Richtung Zartbitter. Dazu Kaffee. Es wird deutlich bitterer als noch im Mund. Trotzdem bleibt eine auffangende Süße vorhanden.

KOMMENTAR: Lecker auf jeden Fall. Aber auch irgendwie langweilig. Bei dem Preis und dieser langen tropischen Reifung, hatte ich mir mehr vorgestellt.
85/100
Enmore R.E.V. 1994/2020
25 Jahre
Rum Artesanal, 51,4%,
Nun kommen wir zum eigentlichen Highlight. Dieser wurde noch bei Enmore selbst in der Holz-Pot-Still von Versailles (VSG) destilliert. Was das Mark REV genau bedeutet, ist anscheinend wenig bekannt (EV = Enmore-Versailles?). Eines ist aber relativ sicher: Nämlich dass dieser Rum gefärbt wurde. Aber nicht von Rum Artesanal, sondern von Enmore selbst (bereits beim Befüllen des Fasses oder bei Auslieferung des Bulk-Containers?). Guyana-Rum ist und bleibt ein sehr verworrenes Thema, was hier wiedermal mehr als deutlich wird. Rum Tasting Notes App Link
NASE: Voll, tief und dunkel. Sehr präsent sind getrocknete Pflaumen, Pflaumenmarmelade, eingekochte Früchte, Lakritz und Melasse. Dahinter Eichenwürze, Waldhonig, Thymian und eine leichte Säure, die teilweise ins ledrige geht. Eine richtig schöne Nase!

GAUMEN: Sehr weiches Mundgefühl. Mir fast schon zu weich, wenn ich hier ein Luxus-"Problem" anmelden darf ;-). Der Alkohol ist überhaupt nicht zu spüren. Melasse, Lakritz und Pflaumenmarmelade geben den Ton an. Eine schöne Mischung aus natürlicher Süße und würzigen Elementen. Tannine der Eiche sind nach 25 Jahren selbstverständlich mit von der Partie, aber noch entfernt von zu viel. Mit 1-2 Tropfen Wasser wird die Eiche stärker.

ABGANG: Eine geballte Ladung Pflaumenmarmelade, Melasse, Lakritz, Eichenwürze und Anis macht sich im gesamten Mund- und Rachenraum breit.

KOMMENTAR: Ein intensiver echt richtig guter Rum! Das war ein echter Volltreffer von Rum Artesanal und Dominik Marwede. Und über den Ausgabepreis von 109€ für den halben Liter muss man in heutigen Wahnsinns-Zeiten wohl auch nicht groß sprechen!
94/100
Enmore E.H.E. 1997/2016
Rum Nation, 58,7%, Cask No. 2-3-69
Laut barrel-aged-mind ist das Mark dieser Abfüllung EHE und stammt aus der hölzernen Coffey-Still von Enmore. Dieser Rum hat, wie für Rum Nation üblich, ein 5-jähriges Finish in Oloroso-Fässern erhalten. Gebrannt wurde er aber bereits bei Uitvlugt und nicht mehr bei Enmore selbst. Rum Tasting Notes App Link
NASE: Woah, das ist das ist ein ganz anderer Style. High-Ester wird hier anscheinend gespielt. In den ersten Minuten nach dem Eingießen strömen Unmengen an Lösungsmittel-, Klebstoff- und Möbelpolitur-Aromen aus dem Glas. Dahinter ein säuerlicher, tropisch-fruchtiger, vergorener Touch. Erinnert mich bis hierhin spontan an den Habitation Velier Long Pond 2005. Lässt man ihn eine gute halbe Stunde offen Atmen, gehen die Lösungsmittel-Aromen ein gutes Stück zurück und die Sherry-Reifung kommt zum Vorschein mit Nüssen (Walnüsse sind für mich hier recht dominant), dunklen Beeren und Hefe. Gefällt mir richtig gut!

GAUMEN: süß-saurer Antritt. Ölig, cremig. Es geht weiter mit Lösungsmitteln und Möbelpolitur. Darunter fruchtige Süße mit diversen Gewürzen, die ich nicht so richtig greifen kann.

ABGANG: Direkt nach dem Runterschlucken, erinnert mich das sehr an den typischen, cremigen und süßen Hampden-Lösungsmittel-Abgang. Danach kommt ein ordentlicher Schwall Blaubeeren den Rachen hoch geschossen.

KOMMENTAR: Der war auf jeden Fall der extremste der heutigen Runde. Während der REV von Rum Artesanal trotz seiner Intensität noch sehr süffig und "gefällig" daherkam, muss man auf den Rum Nation schon speziell Lust haben.
92/100